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Gefühle zählen mehr als Lächeln: 3 Wege, toxische Positivität zu stoppen

Gefühle zählen mehr als Lächeln: 3 Wege, toxische Positivität zu stoppen

Von klein auf lernen wir, dass wir unsere Gefühle runterdrücken sollen. „Stell dich nicht so an“, „Andere haben es viel schlimmer“ – vielleicht kennst du diese Sätze. Sie sollen helfen, dass wir stark sind, aber oft verunsichern sie uns nur.

Wenn jemand in deinem Umfeld ständig sagt: „Kopf hoch! Morgen sieht alles besser aus!“, spürst du wahrscheinlich, wie sich in dir ein Widerstand aufbaut. Irgendetwas stimmt nicht, oder?

Du willst dich nicht schlecht fühlen, aber es funktioniert einfach nicht, nur weil jemand anderes es so gesagt hat.

Hier ist der Trick: Es geht nicht darum, dass Positivität per se schlecht ist. Es geht darum, wann und wie sie eingesetzt wird. Wenn jemand versucht, deine Gefühle zu ignorieren oder zu unterdrücken, ist das toxische Positivität.

Das ist nicht dasselbe wie echte Unterstützung oder Ermutigung. Der Unterschied liegt darin, dass echte Unterstützung dir hilft, deine Gefühle zu verarbeiten, während toxische Positivität dir signalisiert: „Deine Gefühle sind falsch.“

1. Checke die Absicht hinter den Worten

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Wenn jemand dir gegenüber etwas Positives sagt, überlege dir zuerst: Was will diese Person wirklich?

Will sie deine Gefühle wirklich sehen oder will sie nur, dass du dich schnell besser fühlst, damit sie selbst nicht in die unangenehme Situation eintauchen muss?

Viele Menschen reagieren auf Schmerz, den sie selbst nicht gut aushalten können, indem sie sofort Lösungen oder positive Sätze anbieten.

Sie wissen nicht, wie sie sonst damit umgehen sollen. Deswegen kommt das klassische „Alles wird gut“ oder „Andere haben es viel schlimmer“ ins Spiel. Und genau hier liegt das Problem: Es ist gut gemeint, aber es ignoriert deine Realität.

Echte Unterstützung zeigt sich anders. Sie nimmt Rücksicht auf deine Gefühle, erkennt die Schwierigkeit an und bietet manchmal auch konkrete Hilfe an – aber immer so, dass du entscheiden kannst, ob du sie willst.

Achte also auf die Absicht: Will die Person dir wirklich helfen, oder will sie nur ihre eigene Unruhe loswerden?

2. Achte darauf, ob die Worte bewusst gewählt sind

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Ein weiterer Punkt ist, ob die Worte, die jemand benutzt, bewusst oder einfach herausgerutscht sind. Viele Sätze kommen automatisch aus dem Mund, ohne dass jemand nachdenkt. Das passiert besonders dann, wenn die Person selbst unsicher ist, wie sie mit deinem Schmerz umgehen soll.

Wenn jemand sofort sagt: „Reiß dich zusammen“ oder „Hör auf zu jammern“, ohne zu überlegen, wie das bei dir ankommt, dann ist das ein Zeichen für unbewusste, manchmal toxische Positivität.

Ein kleiner Trick, den du selbst anwenden kannst: Mach eine kurze Pause, bevor du antwortest. Überlege: „Wie würde ich mir wünschen, dass jemand mir jetzt begegnet?“ Auch nur zwei oder drei Sekunden bewusstes Nachdenken können einen großen Unterschied machen.

Und es geht nicht nur darum, wie du antwortest. Du kannst auch deine eigenen Reaktionen auf solche Sätze trainieren.

Anstatt sofort zu reagieren, atme kurz durch, erkenne, dass die andere Person es vielleicht gut meint, und entscheide dann, wie du darauf eingehst. Diese kleinen Pausen helfen, dich emotional zu schützen und die Situation klarer zu sehen.

3. Schmerz gehört zum Leben dazu

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Ein wichtiger Punkt, den wir oft vergessen: Schmerz ist normal. Wirklich normal.

Sowohl emotionaler als auch körperlicher Schmerz gehört zum Leben dazu. Wenn wir lernen, das zu akzeptieren, fällt es uns leichter, menschlich zu bleiben und andere Menschen in ihren Momenten der Verletzlichkeit zu begleiten.

Es ist okay, bei jemandem zu sitzen, der gerade traurig ist, ohne sofort das Problem lösen zu wollen. Es ist okay, selbst mal traurig zu sein und es auszuhalten.

Manchmal ist es hilfreich, den Schmerz einfach zu benennen: „Das war echt hart für dich“ oder „Ich sehe, dass dich das verletzt hat.“ Damit zeigst du, dass du die Gefühle anerkennst, ohne sie wegzuwischen.

Menschen fühlen sich gesehen, wenn ihre Gefühle validiert werden. Validation bedeutet nichts anderes, als dass du sagst: „Ich sehe dich. Deine Gefühle machen Sinn.“ Das ist viel hilfreicher, als gleich zu versuchen, alles schönzureden.

Selbst kleine Sätze wie: „Ich verstehe, dass du dich so fühlst“ oder „Es tut mir leid, dass du das durchmachen musst“ können wahre Wunder wirken.

Fazit

Menschlich zu bleiben heißt, dass wir unsere eigenen Gefühle und die der anderen akzeptieren.

Es heißt nicht, dass wir immer glücklich oder stark sein müssen. Es heißt, dass wir authentisch sind, Mitgefühl zeigen und echte Unterstützung anbieten – ohne falsche Positivität.

Toxische Positivität mag gut gemeint sein, aber sie tut uns oft mehr weh als alles andere. Indem wir die Absicht hinter den Worten prüfen, bewusst reagieren und den Schmerz als normalen Teil des Lebens akzeptieren, können wir uns davon befreien.

Gleichzeitig können wir eine Art Positivität entwickeln, die echt und hilfreich ist – für uns und für andere.

Also, nächstes Mal, wenn jemand sagt: „Kopf hoch, alles wird gut“, atme tief durch. Erkenne die Absicht, fühle deine Emotionen und sei menschlich – für dich selbst und für die Menschen um dich herum.

Echtes Mitgefühl ist stärker als jede vorgetäuschte Fröhlichkeit.

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