Dating ist ein bisschen wie ein Bewerbungsgespräch, nur emotional chaotischer. Zwei Menschen sitzen sich gegenüber, trinken etwas, lachen an den richtigen Stellen – und beide zeigen nicht ganz ihr echtes Ich.
Nicht, weil sie böse Absichten haben, sondern weil niemand mit der kompletten Wahrheit ins erste Date stolpert wie mit einer offenen Wunde. Besonders am Anfang geht es ums Abtasten, ums Sichern, ums Überleben mit Würde.
Und ja, auch Frauen erzählen beim Dating Dinge, die nicht zu hundert Prozent stimmen. Keine großen, dunklen Geheimnisse.
Eher kleine Verdrehungen, Auslassungen, Notlügen, Schönfärbereien. Dinge, bei denen man sich selbst sagt: „Das ist ja jetzt nicht wirklich gelogen.“ Und trotzdem weiß man tief drin, dass es nicht ganz die Wahrheit ist.
Diese kleinen Lügen entstehen nicht aus Berechnung, sondern aus Schutz. Aus Unsicherheit. Aus dem Wunsch, gemocht zu werden.
Aus Erfahrungen, bei denen Ehrlichkeit früher mal nach hinten losging. Wer behauptet, er oder sie habe beim Dating immer komplett ehrlich über alles gesprochen, lügt wahrscheinlich gerade schon wieder.
In diesem Text geht es nicht darum, Frauen bloßzustellen oder mit dem Finger zu zeigen. Es geht darum, ehrlich hinzuschauen. Ohne Drama. Ohne Moralkeule. Einfach menschlich.
Denn die Wahrheit ist: Fast jede Frau hat beim Dating schon mindestens eine dieser kleinen Lügen benutzt – auch wenn sie das vielleicht niemals laut zugeben würde.
1. „Ich bin eigentlich total entspannt, was Beziehungen angeht“

Das ist einer dieser Sätze, die unglaublich oft fallen. Locker gesagt, fast beiläufig. Und manchmal stimmt er sogar ein kleines bisschen. Aber oft steckt dahinter etwas anderes.
Viele Frauen haben emotionale Geschichten hinter sich. Verletzungen, Enttäuschungen, Phasen, in denen sie zu viel gegeben und zu wenig bekommen haben.
Wenn sie dann sagen, sie seien entspannt, meinen sie oft: „Ich versuche gerade, nicht wieder alles kaputtzudenken.“ Oder: „Ich will nicht gleich als kompliziert gelten.
Denn nichts schreckt potenzielle Partner schneller ab als der Eindruck, jemand sei emotional anstrengend. Also wird lieber ein bisschen runtergespielt, wie sehr man eigentlich hofft, dass es diesmal klappt.
Wie sehr man sich eigentlich wünscht, nicht wieder alleine nach Hause zu gehen – emotional wie praktisch.
Diese Lüge ist weniger Täuschung als Selbstschutz. Sie soll verhindern, dass man zu früh als „zu viel“ wahrgenommen wird.
2. „Ich suche nichts Ernstes – ich lasse es einfach auf mich zukommen“

Dieser Satz ist ein Klassiker. Und er wird oft gesagt, obwohl innerlich etwas ganz anderes läuft.
Viele Frauen wissen ziemlich genau, was sie wollen. Nähe. Verlässlichkeit. Eine Beziehung, die sich sicher anfühlt. Aber sie wissen auch, dass klare Erwartungen im Dating schnell abschreckend wirken können.
Also wird der Wunsch nach etwas Echtem in Watte gepackt. Locker formuliert. Unverbindlich klingend.
Damit man nicht diejenige ist, die „zu schnell zu viel will“. Dabei bedeutet dieser Satz oft einfach nur: „Ich hoffe, du willst irgendwann mehr, aber ich will dich nicht verschrecken.“
Es ist eine Gratwanderung zwischen Ehrlichkeit und Angst, abgelehnt zu werden. Und manchmal gewinnt eben die Angst.
3. „Mir ist Aussehen nicht so wichtig“

Das klingt sympathisch. Tiefgründig. Reif. Und natürlich stimmt es teilweise. Charakter ist wichtig. Humor ist wichtig. Respekt ist wichtig. Aber zu behaupten, Aussehen spiele keine Rolle, ist selten ganz ehrlich.
Anziehung ist real. Körperliche Chemie ist real. Und niemand verliebt sich nur in einen guten Charakter, ohne dass das Bauchgefühl mitspielt.
Viele Frauen sagen diesen Satz, weil sie nicht oberflächlich wirken wollen. Oder weil sie gelernt haben, dass sie für Ehrlichkeit in diesem Punkt schnell verurteilt werden.
Dabei wäre es viel gesünder, zu sagen: „Aussehen ist nicht alles, aber es spielt eine Rolle.“ Doch diese Ehrlichkeit fühlt sich oft zu riskant an.
4. „Ich bin über meinen Ex hinweg“

Vielleicht ist das die bekannteste kleine Lüge überhaupt. Und gleichzeitig eine der verständlichsten. Denn niemand will beim Dating die Frau sein, die noch emotional an jemand anderem hängt.
Niemand will erklären, warum ein Name immer noch ein kleines Ziehen im Bauch auslöst.
Also sagt man, man sei drüber hinweg. Auch wenn man es eigentlich nur hofft. Auch wenn man manchmal noch vergleicht.
Auch wenn bestimmte Verhaltensweisen des Dates Erinnerungen wachrufen, die man lieber begraben würde.
Oft ist diese Lüge nicht mal bewusst. Viele Frauen glauben selbst, sie seien über den Ex hinweg – bis sie merken, dass alte Muster plötzlich wieder da sind.
5. „So viel schreibe ich sonst eigentlich nie“

Ein weiterer Satz, der fast automatisch kommt. Wenn man merkt, dass man viel investiert. Viel schreibt. Schnell antwortet. Interesse zeigt. Dann wird das Ganze gerne relativiert.
Denn zu viel Interesse gilt schnell als Schwäche. Als Bedürftigkeit. Als etwas, das abschreckt.
Also tut man so, als wäre das Verhalten eine Ausnahme. Als wäre man sonst cooler, entspannter, unabhängiger.
Dabei ist Interesse nichts Schlechtes. Aber im Dating fühlt es sich oft gefährlich an, es offen zu zeigen.
6. „Ich bin wirklich nicht eifersüchtig“

Auch das ist eine Aussage, die oft mehr Wunsch als Realität ist. Eifersucht ist menschlich.
Sie sagt etwas über Bindung, Angst vor Verlust und Unsicherheit aus. Doch viele Frauen haben gelernt, dass Eifersucht sie unsympathisch macht. Kontrollierend. Nervig.
Also wird sie geleugnet. Runtergespielt. Verdrängt.
Man sagt, man sei total locker, während innerlich jede neue weibliche Bekanntschaft des Partners genau beobachtet wird.
Diese Lüge entsteht nicht aus Manipulation, sondern aus dem Wunsch, nicht als schwierig abgestempelt zu werden.
7. „Mir macht es nichts aus, wenn du viel arbeitest“

Natürlich verstehen viele Frauen, dass Arbeit wichtig ist. Dass jeder Verpflichtungen hat. Aber zu sagen, es mache einem gar nichts aus, wenn man ständig zurückstecken muss, ist oft nicht ganz ehrlich.
Viele sagen diesen Satz, weil sie nicht fordernd wirken wollen.
Weil sie Angst haben, als klammernd zu gelten. Dabei merken sie mit der Zeit, dass es ihnen eben doch etwas ausmacht. Dass sie sich mehr Zeit wünschen. Mehr Präsenz. Mehr echtes Interesse.
Doch dann ist es oft schon schwer, das Thema ehrlich anzusprechen, ohne wie ein Widerspruch zur eigenen Aussage zu wirken.
8. „So bin ich halt“ – wenn es eigentlich anders gemeint ist

Dieser Satz wird gerne benutzt, um Verhalten zu erklären, das man selbst nicht wirklich mag.
Ungeduld. Rückzug. Schweigen. Überreaktionen. „So bin ich halt“ klingt wie eine klare Selbstbeschreibung, ist aber oft eine Ausrede, um sich nicht verletzlich zeigen zu müssen.
Denn die Wahrheit wäre manchmal: „Ich weiß gerade selbst nicht, wie ich damit umgehen soll.“
Oder: „Ich habe Angst, etwas falsch zu machen.“ Doch diese Ehrlichkeit fühlt sich unsicher an. Also versteckt man sich hinter einem Satz, der Stärke vorgaukelt.
Fazit
Wenn du dich in manchen dieser Aussagen wiedererkennst, heißt das nicht, dass du falsch bist.
Es heißt, dass du menschlich bist. Dass du gelernt hast, dich zu schützen. Dass du versucht hast, deinen Platz im chaotischen Spiel des Datings zu finden.
Vielleicht ist der wichtigste Schritt nicht, ab sofort brutal ehrlich zu sein.
Sondern sich selbst einzugestehen, warum man manche Dinge sagt. Und dann langsam, im eigenen Tempo, mehr Wahrheit zuzulassen.
Für sich selbst. Und für den Menschen, der vielleicht irgendwann wirklich bleiben will.
Denn echte Verbindung entsteht nicht aus perfekten Antworten – sondern aus ehrlichen Momenten, in denen man sich traut, ein kleines bisschen weniger Rolle zu spielen.
Ich liebe es, Informationen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Mit meiner Leidenschaft für das Schreiben und meinem Hintergrund im Germanistik Studium bringe ich Kreativität und Präzision in meine Arbeit ein. Ich freue mich darauf, weiterhin fesselnde Inhalte zu kreieren und neue Themen zu erkunden.

