Sprache ist lebendig und verändert sich ständig, aber niemand spürt diesen Wandel so direkt wie Eltern, Ältere oder Menschen, die irgendwo zwischen Millennial- und Gen X-Alter stehen.
Was vor wenigen Jahren noch völlig normal war zu sagen, kann heute von der jüngsten Generation bereits als „outdated“, alt oder uncool empfunden werden.
Besonders Generation Alpha – jene, die nach etwa 2010 geboren wurden und mit Smartphones, TikTok, YouTube und Gaming aufgewachsen sind – entwickelt ihre eigene Sprache in atemberaubender Geschwindigkeit.
Diese junge Generation schafft neue Begriffe, wandelt alte Bedeutungen um und lehnt alles ab, was sie mit älteren Generationen und damit auch mit dem „Vergangenen“ verbindet.
Es geht dabei nicht nur um ein paar Begriffe, sondern um ein tieferes Phänomen: Sprache ist ein Identitätsmerkmal, und wer sie nicht teilt, wird schnell als Außenseiter wahrgenommen.
Für Gen Alpha markiert bestimmte Umgangssprache und bestimmte Wörter das Ende ihrer kulturellen Relevanz, und wer sie noch verwendet, signalisiert ungewollt, dass er nicht mehr „Teil der Gruppe“ ist.
In diesem Artikel betrachten wir, welche gängigen Slang-Wörter und Ausdrücke bei Gen Alpha inzwischen als alt gelten, warum das so ist und was das über den Wandel von Sprache und Generationen aussagt.
1. Wie Generation Alpha Sprache nutzt, um Identität zu formen und Grenzen zu ziehen

Sprache ist mehr als nur ein Mittel zur Kommunikation. Sie ist ein Werkzeug zur Zugehörigkeit und zur Abgrenzung.
Für Gen Alpha, die in einer digitalen, vernetzten Welt aufwachsen, ist Sprache ein Teil ihrer Identität, und Slang gehört dazu wie eine Art sozialer Code.
Dieser Code entsteht nicht zufällig, sondern in Reaktion auf Medien, Internetkultur, virale Trends, Gaming-Communities und sozialen Netzwerken.
Wörter verbreiten sich dort schneller als in jeder Fernsehsendung oder gedruckten Lexika je möglich wäre, weil ein einziger Trend auf TikTok oder Twitch millionenfach reproduziert und variiert wird.
Gleichzeitig treten ältere Begriffe und Ausdrücke in den Hintergrund, weil sie entweder zu stark mit früheren Generationen verbunden sind oder schlicht nicht mehr die Nuancen ausdrücken, die für die junge Generation wichtig geworden sind.
In diesem Prozess entsteht eine dynamische Sprache, in der Begriffe binnen weniger Monate als „zu alt“ gelten können, selbst wenn sie zuvor weit verbreitet waren.
Dieser ständige Wechsel ist ein Teil der sozialen Dynamik, durch den Gen Alpha sich selbst definiert und zugleich von älteren Generationen abgrenzt.
Sprache ist hier kein statisches System, sondern ein lebendiger Ausdruck sozialer Zugehörigkeit.
2. Beispiele für Slang-Wörter, die Gen Alpha als alt gelten lässt

Ein Beispiel ist „swag“, das ursprünglich ein Slangbegriff aus der Hip-Hop-Szene war und lange für Stil, Selbstbewusstsein und cooles Auftreten stand.
Für Gen Alpha jedoch ist „swag“ kein Ausdruck mehr von Coolness, sondern ein Relikt aus einer anderen Zeit, das einfach „uncool“ klingt.
Dieser Begriff wurde vor allem in den 2010er-Jahren populär und besitzt inzwischen für jüngere Generationen kaum noch die gleiche Bedeutung oder Resonanz.
Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „simp“, das lange verwendet wurde, um jemanden zu beschreiben, der übertrieben nett ist oder empfänglich für romantische Gefühle wirkt.
Schon vor einigen Jahren wurde dieses Wort von vielen jungen Sprecherinnen und Sprechern der Gen Z abgelehnt, und für Gen Alpha ist es inzwischen schlicht „out“, weil es mit einer früheren Slang-Ära verbunden ist.
Diese Wahrnehmung zeigt, wie sprachliche Bedeutungen sich nicht nur im Gebrauch, sondern auch in der sozialen Bedeutung verändern – sie sind nicht neutral, sondern tragen immer Hinweise auf Zeitgeist und Gruppenzugehörigkeit.
3. Warum manche Slang-Wörter „zu alt“ wirken: Geschwindigkeit des Wandels

Ein zentraler Grund, warum bestimmte Begriffe aus früheren Jahren für Gen Alpha alt klingen, ist die rasante Geschwindigkeit, mit der Sprache unter jungen Menschen wächst und sich erneuert.
In sozialen Netzwerken wird Sprache ständig recycelt, neu interpretiert und mit neuen Bedeutungen versehen.
Begriffe, die früher über Jahre gebraucht wurden, können heute binnen weniger Monate aus der Gunst der Jugendlichen verschwinden, einfach weil ein neuer Trend oder ein neues Meme aufgetaucht ist.
So entstehen Begriffe, die in einem Moment riesig sind und im nächsten bereits als „last season“ gelten.
Gleichzeitig greifen junge Menschen bewusst auf bestimmte Ausdrücke zurück, die für sie Bedeutung tragen, während sie andere bewusst ablehnen, um ihre Zugehörigkeit zur eigenen Generation zu markieren.
Diese Zu-und-Ab-Bewegungen in der Sprache funktionieren fast wie Mode: Was heute angesagt ist, kann morgen antiquiert wirken.
Dies ist nicht nur ein rein sprachlicher Effekt, sondern ein sozialer Mechanismus zur Schaffung von Gruppengrenzen und zur Abgrenzung von anderen Generationen.
4. Wie humorvolle und absurde Begriffe den Sprachwandel beschleunigen

Ein besonders auffälliger Aspekt der Gen Alpha-Sprache ist die Verwendung von Begriffen, die von Außenstehenden als völlig sinnlos oder absichtlich albern empfunden werden – und gerade deshalb viral gehen.
Ein Beispiel ist die Phrase „6-7“, die 2025 sogar zum „Word of the Year“ gekürt wurde, obwohl sie keine klare Bedeutung besitzt und oft einfach als witzige, pausenfüllende Phrase gebraucht wird.
Dieser Ausdruck ist nicht etwa ein logisches Wort mit klarer Definition, sondern ein Meme, das durch seine Absurdität und seinen Klang viral wurde, bevor jemand wirklich erklären konnte, was es bedeutet.
Genau diese Art von Sprachentwicklung – bei der Slang aus reiner sozialer Interaktion und Gruppendynamik entsteht – ist ein Grund dafür, dass ältere Begriffe oft als alt oder uncool gelten, weil sie sprachlich nicht mehr dieselbe soziale Energie erzeugen wie diese neueren, oft humorvollen oder nonsensischen Begriffe.
Ein anderes Beispiel ist „skibidi“, ein Slang-Term, der durch virale Inhalte wie das „Skibidi Toilet“-Phänomen bekannt wurde und inzwischen von Gen Alpha genutzt wird, obwohl er oft keinerlei klare Bedeutung trägt.
Dieser Ausdruck, genauso wie „brain rot“ – eine weitere Wortschöpfung dieser Generation – zeigt, dass Sprache bei jungen Leuten weniger funktionale Bedeutung besitzt als soziale Bedeutung: Sie zeigt Zugehörigkeit, Humor und Beteiligung an einer bestimmten kulturellen Szene.
Dieser Trend geht weit über Wörter hinaus, es ist ein Prozess des gemeinsamen Gestaltens von Sprache in Echtzeit.
5. Die Rolle digitaler Plattformen bei der Beschleunigung des Sprachwandels

Der rasante Wandel von Sprache und Slang, der bei Gen Alpha zu solchen Phänomenen führt, wäre ohne die digitalen Plattformen des 21. Jahrhunderts kaum vorstellbar.
Plattformen wie TikTok, Twitch, Instagram, YouTube und andere soziale Netzwerke sind nicht nur Orte der Unterhaltung, sondern auch Schmelztiegel sprachlicher Innovation.
In diesen Räumen treffen Jugendliche aufeinander, teilen Inhalte, kreieren Trends und verbreiten neue Ausdrücke mit einer Geschwindigkeit, die früher undenkbar gewesen wäre.
Ein einzelner viraler Clip kann innerhalb weniger Stunden einen Begriff in der gesamten Generation verbreiten, und ebenso schnell kann dieser Ausdruck wieder verschwinden, sobald ein neuer Trend auftaucht.
Dadurch entsteht ein lebendiger, sich ständig erneuernder Sprachraum, in dem Begriffe nicht stabil sind, sondern fließen, wandern und transformieren.
Gen Alpha ist in genau diesem Kontext aufgewachsen, dadurch ist ihre Sprache stark durch digitale Kultur geprägt – geprägt von Humor, sozialen Codes und schnellen, oft absurden Referenzen, die für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind.
Fazit: Sprache als Generationenmarkierung und Ausdruck von kultureller Dynamik
Die Tatsache, dass bestimmte Slang-Wörter wie „swag“, „simp“ oder andere Ausdrücke für Gen Alpha als offiziell „alt“ gelten, zeigt, wie dynamisch Sprache in unserer Zeit geworden ist und wie stark sie mit sozialer Identität verknüpft ist.
Für diese junge Generation ist Sprache nicht nur ein Werkzeug zur Verständigung, sondern ein Ausdruck von Zugehörigkeit, Humor, Kreativität und Gruppenidentität.
Wörter, die früher weit verbreitet waren, können heute als veraltet gelten, einfach weil sie nicht mehr in den sozialen Code passen oder weil die digitale Kultur neue Bedeutungsräume eröffnet hat.
Sprache entwickelt sich weiter, und sie wird weiterhin ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen, technologischer Einflüsse und generationsspezifischer Erfahrungen sein.
Wenn du heute „alt“ wirken willst, dann brauchst du nur den richtigen Ausdruck wählen – oder eben den falschen.

