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Die Geschichte hat sie fast vergessen: Das sind die mächtigsten Herrscherinnen

Die Geschichte hat sie fast vergessen: Das sind die mächtigsten Herrscherinnen

Schon in der Schule, in Dokumentationen oder später im Internet begegnen uns immer wieder dieselben historischen Persönlichkeiten.

Kleopatra, Elisabeth I., Katharina die Große, eine überschaubare Riege von Namen, die fast jeder kennt.

Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass es weit mehr Herrscherinnen gab, die ihre Zeit ebenso geprägt haben.

Sie führten Kriege, trafen politische Entscheidungen, stellten sich Mächtigen entgegen, die niemand für besiegbar hielt.

Und trotzdem, kaum jemand kennt heute ihre Namen.

Geschichte wird selten neutral aufgeschrieben.

Sie entsteht dort, wo jemand entscheidet, wessen Taten die Nachwelt erreichen sollen und wessen nicht.

Über Jahrhunderte hinweg landeten vor allem die Siege der Könige auf Pergament, in Chroniken, später in Schulbüchern.

Frauen an der Spitze eines Reiches passten selten ins Bild, das Chronisten von der Welt zeichnen wollten.

Ihre Leistungen waren deswegen nicht kleiner.

Nur ihre Erwähnung fiel weg.

Vier Frauen aus vier völlig verschiedenen Epochen zeigen, wie viel Mut, Kalkül und Führungsstärke es kostete, sich in einer Männerwelt durchzusetzen, und wie leise ihre Namen im kollektiven Gedächtnis wieder verblassten.

4. Artemisia I.

Quelle: Wikimedia Commons

Eine Frau, die eine Flotte befehligt.

Im 5. Jahrhundert vor Christus grenzte diese Vorstellung an Undenkbares.

Artemisia I. regierte das Königreich Karien an der Westküste Kleinasiens und stand dem persischen Großkönig Xerxes I. so nah wie kaum eine andere Verbündete.

Ihren Namen kennt man heute vor allem wegen eines einzigen Tages: der Seeschlacht von Salamis, 480 vor Christus.

Andere Befehlshaber setzten auf pure Übermacht.

Artemisia setzte auf Nachdenken.

Der griechische Historiker Herodot überliefert, dass sie Xerxes ausdrücklich davon abriet, die griechische Flotte in dieser Enge anzugreifen.

Xerxes hörte nicht auf sie.

Kurz darauf folgte die Niederlage, die er sich selbst eingebrockt hatte.

Selbst inmitten der Schlacht bewahrte Artemisia einen kühlen Kopf.

Um einer Verfolgung zu entkommen, rammte sie kurzerhand ein verbündetes Schiff, ein riskanter Bluff, der aufging.

Die Griechen hielten sie fortan für eine der ihren und ließen von ihr ab.

Xerxes soll ihre Leistung später mit einem Satz gewürdigt haben, der bis heute zitiert wird: „Meine Männer wurden zu Frauen und meine Frauen zu Männern.“

Wie wörtlich das überliefert ist, lässt sich kaum noch klären.

Fest steht, dass selbst ihre Gegner Respekt vor ihrem Mut hatten, schon damals.

Trotzdem verschwand ihr Name über die Jahrhunderte fast vollständig aus dem kollektiven Gedächtnis.

3. Isabella von Frankreich

Quelle: Wikimedia Commons

1295 kommt Isabella als Tochter des französischen Königs Philipp IV. zur Welt, hineingeboren in ein Leben, das von Anfang an politischen Interessen dient.

Mit zwölf Jahren wird sie mit Eduard II. von England verheiratet und damit Königin eines fremden Landes.

Anfangs erfüllt sie ihre Rolle pflichtbewusst, so wie man es von ihr erwartet.

Doch die Ehe zerbricht mit den Jahren zunehmend.

Eduard II. verliert den Rückhalt bei Adel und Bevölkerung, seine Entscheidungen gelten als unklug, und er schenkt einzelnen Vertrauten deutlich mehr Zuneigung als seiner eigenen Frau.

Isabella spürt früh, wie sich die Stimmung im Land dreht.

Während der englische Adel noch zögert, handelt sie.

Sie verbündet sich mit unzufriedenen Adligen und kehrt mit einer kleinen Armee nach England zurück, ein Schritt, den sich für eine Königin ihrer Zeit kaum jemand vorstellen konnte.

Innerhalb weniger Monate bricht Eduards Herrschaft zusammen.

Er wird gefangen genommen, zur Abdankung gezwungen und stirbt kurz darauf unter Umständen, die Historiker bis heute nicht restlos klären konnten.

Für ihren Sohn Eduard III. übernimmt Isabella zunächst gemeinsam mit ihrem Verbündeten Roger Mortimer die Regentschaft.

Für einige Jahre gehört sie zu den mächtigsten Frauen Europas.

Doch Macht war in dieser Zeit selten von Dauer.

Kaum ist Eduard III. volljährig, lässt er Mortimer hinrichten und entzieht seiner Mutter jeden politischen Einfluss.

Anders als so viele Frauen ihrer Zeit überlebt Isabella diesen Sturz, zieht sich zurück und verbringt ihre letzten Jahre vergleichsweise ruhig.

Als ehrgeizige Intrigantin sehen sie die einen.

Als kluge Politikerin, die den Mut hatte, sich einem schwachen Herrscher entgegenzustellen, die anderen.

Ihr Name jedenfalls hat es nie in dieselbe Liga geschafft wie der vieler Könige, deren Geschichte sie mitgeschrieben hat.

2. Razia Sultan

Quelle: Wikimedia Commons

Im Indien des 13. Jahrhunderts gilt als selbstverständlich, dass Männer regieren.

Eine Frau auf dem Thron können sich viele Menschen dieser Zeit kaum vorstellen.

Razia Sultan bricht mit dieser Vorstellung.

Geboren um 1205 als Tochter von Sultan Shams ud-Din Iltutmish, Herrscher des Sultanats von Delhi, wächst sie unter besonderen Voraussetzungen auf.

Ihr Vater erkennt früh ihre Klugheit.

Statt sie nur auf ein Leben am Hof vorzubereiten, lässt er sie Politik, Verwaltung und militärische Strategie lernen, so wie es sonst nur seinen Söhnen zusteht.

Er hält sie sogar für geeigneter als ihre Brüder und bestimmt sie zu seiner Nachfolgerin.

Der Adel akzeptiert das nach seinem Tod jedoch nicht.

Eine Frau sollte in ihren Augen niemals über ein islamisches Reich herrschen.

Erst wird einer ihrer Brüder Sultan, seine Herrschaft endet im Chaos.

Dann, 1236, besteigt Razia selbst den Thron.

Schon ihre Krönung ist eine kleine Revolution.

Sie lässt sich nicht als Sultanin bezeichnen, sondern bewusst als Sultan, ein Signal an alle: keine Ausnahmefrau, sondern vollwertige Herrscherin.

Bei öffentlichen Auftritten trägt sie Kleidung, die sonst Männern vorbehalten ist, führt ihre Armeen persönlich, spricht selbst Recht.

Ihre Reformen stärken den Staat.

Sie schafft sich damit aber auch mächtige Feinde, allen voran einen Teil des Adels, der sich mit einer Herrscherin nie wirklich abfindet.

Nach nur vier Jahren wird Razia gestürzt.

1240 verliert sie ihr Leben in einem Aufstand, der ihre kurze, unruhige Herrschaft beendet.

Bis heute gilt sie als eine der bemerkenswertesten Herrscherinnen der indischen Geschichte, weniger wegen ihrer Herkunft als wegen dessen, wofür sie sich behauptete, in einer Zeit, die Frauen kaum eine Chance auf Macht ließ.

1. Zenobia von Palmyra 

Quelle: Wikimedia Commons

Das 3. Jahrhundert nach Christus gehört Rom.

Kaum jemand wagt es, sich dem mächtigsten Reich der Welt entgegenzustellen.

Zenobia gehört zu den wenigen, die es tun.

Nach der Ermordung ihres Mannes Odaenathus übernimmt sie die Regentschaft für ihren noch jungen Sohn Vaballathus, ein Übergangsarrangement, wie es zunächst scheint.

Daraus wird eine der außergewöhnlichsten Herrschaften der Antike.

Zenobia regiert das Königreich Palmyra im heutigen Syrien.

Hochgebildet, mehrsprachig, mit einem echten Interesse an Philosophie und Geschichte, aber weit mehr als nur eine kluge Frau am Hof: eine strategische Denkerin.

Innerhalb weniger Jahre weitet sie ihren Einfluss dramatisch aus.

Ihre Truppen kontrollieren große Teile Syriens, Ägyptens und Kleinasiens, und Palmyra wird zu einem der wichtigsten Handelszentren der damaligen Welt.

Für Rom wird sie zunehmend zur Bedrohung, die man nicht länger ignorieren kann.

Schließlich zieht Kaiser Aurelian selbst gegen sie in den Krieg.

Nach mehreren Schlachten fällt Palmyra, Zenobia gerät in Gefangenschaft.

Über ihr weiteres Schicksal widersprechen sich die Quellen.

Manche Historiker vermuten, sie sei nach Rom gebracht worden und habe dort ihre restlichen Jahre in einigermaßen komfortablen Verhältnissen verbracht.

Andere gehen von einem deutlich früheren Tod aus.

Ihre Leistung bleibt davon unberührt.

Selten hat eine Herrscherin der Antike Rom derart in Bedrängnis gebracht wie sie.

Von ihrer Zeit erzählen heute noch die Ruinen von Palmyra, still und beeindruckend.

Ihr Name selbst ist weit weniger präsent, als es ihre Geschichte verdient hätte.

Fazit

Wenn von Geschichte die Rede ist, denken die meisten zuerst an Könige.

An Feldherren, an Eroberer, an Männer mit Kronen und Schwertern.

Artemisia, Isabella, Razia und Zenobia lebten in völlig unterschiedlichen Welten, Jahrhunderte und Kontinente voneinander getrennt.

Und doch verbindet sie etwas Gemeinsames: Verantwortung übernommen zu haben, in einer Zeit, die Frauen diese Verantwortung eigentlich nicht zugestehen wollte.

Sie führten Armeen an, trafen schwierige Entscheidungen, stellten Regeln infrage, die niemand sonst zu hinterfragen wagte.