Kinder lieben ihre Eltern vermutlich mehr als jeden anderen Menschen auf der Welt.
Und Eltern lieben ihre Kinder bedingungslos.
Zumindest möchten wir das glauben.
Wir wachsen schließlich mit der Vorstellung auf, dass die eigene Familie der sicherste Ort sein sollte.
Ein Ort, an dem wir geliebt werden, egal welche Fehler wir machen, welchen Weg wir später einschlagen oder wie sehr wir uns von den Vorstellungen unserer Eltern unterscheiden.
Doch ist diese bedingungslose Liebe wirklich immer selbstverständlich?
Leider nicht.
Manche Kinder lernen schon sehr früh, dass Zuneigung plötzlich verschwinden kann, wenn sie widersprechen.
Dass ein „Nein“ die Mutter verletzt. Dass gute Noten für Anerkennung sorgen und eine eigene Entscheidung schnell mit einem enttäuschten Blick oder einem schlechten Gewissen beantwortet wird.
Als Kind hinterfragt man solche Dinge selten.
Das ist schließlich Mama.
Also passt man sich an, versucht alles richtig zu machen und sucht den Fehler vielleicht sogar bei sich selbst.
Erst als Erwachsener beginnt man manchmal zu verstehen, dass nicht jedes Verhalten, das innerhalb einer Familie als „Liebe“ bezeichnet wurde, tatsächlich liebevoll war.
Besonders schwierig wird es, wenn eine Mutter ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Erwartungen immer wieder über die ihres Kindes stellt.
Diese 3 Verhaltensweisen können zeigen, dass die Beziehung zu deiner Mutter weniger gesund war, als du lange geglaubt hast.
3. Du bekommst Liebe vor allem dann, wenn du „funktionierst“

Als Kind möchtest du eigentlich nur eines:
wissen, dass deine Mutter dich liebt.
Dabei sollte es keine Rolle spielen, welche Note du nach Hause bringst, ob du immer brav bist oder später genau den Weg einschlägst, den sie sich für dich vorgestellt hat.
Für ein Kind sollte die Liebe seiner Mutter etwas sein, an dem es nicht ständig zweifeln muss.
Doch manche Kinder erleben Zuneigung anders.
Solange sie sich anpassen, gute Leistungen bringen und keinen Widerstand leisten, scheint alles in Ordnung zu sein.
Sobald sie jedoch eine eigene Meinung entwickeln oder einen Weg einschlagen, der der Mutter nicht gefällt, verändert sich plötzlich die Stimmung.
Aus Wärme wird Distanz, aus Lob wird Kritik.
Und manchmal reicht bereits ein einfaches „Ich möchte das anders“, damit sich das Kind fühlt, als hätte es etwas Schreckliches getan.
Mit der Zeit kann daraus eine ziemlich schmerzhafte Lektion entstehen:
Ich werde geliebt, wenn ich alles richtig mache.
Also strengst du dich noch mehr an.
Du möchtest gute Noten, später beruflichen Erfolg, den „richtigen“ Partner und möglichst ein Leben, auf das deine Mutter stolz sein kann.
2. Du hast ständig das Gefühl, ihr etwas schuldig zu sein

„Nach allem, was ich für dich getan habe.“
Manchmal reicht ein einziger Satz und plötzlich fühlt sich eine ganz normale Entscheidung egoistisch an.
Du möchtest Weihnachten dieses Jahr bei deinem Partner verbringen. Du kannst am Wochenende nicht vorbeikommen. Vielleicht möchtest du einfach einmal Nein sagen, weil du bereits andere Pläne hast.
Und schon merkst du, dass deine Mutter enttäuscht ist.
Sie muss dir dabei nicht einmal direkt verbieten, etwas zu tun. Manchmal genügt es, dich daran zu erinnern, wie viel sie für dich geopfert hat oder wie selten du dich angeblich meldest.
Plötzlich geht es gar nicht mehr darum, was du möchtest.
Du beschäftigst dich nur noch damit, wie sie sich wegen deiner Entscheidung fühlen wird.
Also sagst du doch zu. Du änderst deine Pläne oder erklärst dich ausführlich, obwohl du eigentlich gar nichts erklären müsstest.
Mit der Zeit kann Schuldgefühl zu einem erstaunlich wirksamen Mittel werden, um Einfluss auf deine Entscheidungen zu nehmen.
Besonders schwierig ist daran, dass du dich vielleicht selbst als undankbar empfindest, sobald du deine eigenen Bedürfnisse an erste Stelle setzt.
Natürlich dürfen Eltern enttäuscht sein.
Sie dürfen sich wünschen, ihre erwachsenen Kinder häufiger zu sehen, und sie dürfen das auch sagen.
Problematisch wird es dort, wo du das Gefühl bekommst, für ihre Gefühle verantwortlich zu sein und deine eigenen Entscheidungen immer wieder ändern zu müssen, damit sie zufrieden ist.
1. Du darfst Grenzen setzen, aber sie respektiert sie nicht

Irgendwann kommt der Moment, in dem du dein eigenes Leben führst.
Du entscheidest selbst, mit wem du zusammen bist, wie du deine Freizeit verbringst, wie oft du deine Familie besuchst und welche persönlichen Dinge du überhaupt erzählen möchtest.
Für manche Mütter ist genau das schwer zu akzeptieren.
Sie ruft immer wieder an, obwohl du gesagt hast, dass du gerade keine Zeit hast.
Sie stellt Fragen zu Themen, über die du nicht sprechen möchtest, mischt sich in deine Beziehung ein oder erwartet ganz selbstverständlich, bei wichtigen Entscheidungen mitreden zu dürfen.
Sagst du schließlich, dass dir etwas zu weit geht, folgt möglicherweise Unverständnis.
„Ich bin doch deine Mutter.“
Dieser Satz kann schnell den Eindruck vermitteln, dass zwischen Mutter und Kind andere Regeln gelten.
Doch auch innerhalb einer Familie darf es Grenzen geben.
Du darfst bestimmte Dinge für dich behalten. Du darfst einen Besuch ablehnen, eine andere Meinung haben oder eine Entscheidung treffen, die deiner Mutter überhaupt nicht gefällt.
Schwierig wird es, wenn jedes Abgrenzen als persönliche Zurückweisung verstanden wird.
Was du für dich tun kannst
Das Wichtigste ist zunächst, die eigenen Muster überhaupt zu erkennen.
Vielleicht merkst du heute, dass du dich schnell schuldig fühlst, deine eigenen Bedürfnisse zurückstellst oder ständig darüber nachdenkst, ob deine Entscheidungen andere Menschen enttäuschen könnten.
Du musst all das nicht von heute auf morgen verändern.
Beobachte dich selbst und versuche herauszufinden, welche Situationen dir besonders schwerfallen.
Wo sagst du Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst? Wann fühlst du dich verantwortlich für Gefühle, die gar nicht deine sind? Und welche Dinge beschäftigen dich schon seit Jahren?
Mit der Zeit kannst du anfangen, genau dort kleine Veränderungen zu machen.
Eine Grenze klarer aussprechen. Eine Entscheidung treffen, ohne dich dafür endlos zu rechtfertigen. Deine eigenen Wünsche ernst nehmen, auch wenn jemand anderes sie nicht versteht.
Dabei geht es nicht darum, deine Mutter zum schlechten Menschen zu erklären oder ihr für alles die Schuld zu geben.
Es geht um dich.
Denn am Ende bist du der Mensch, mit dem du dein ganzes Leben verbringen wirst.
Deshalb darfst du lernen, dich selbst, deine Gefühle und deine Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen wie die der Menschen, die du liebst.

