Du erinnerst dich noch daran, wie es war, wenn niemand wusste, wo du gerade bist?
Du bist morgens aus dem Haus gegangen, hast irgendwo bei Freunden geklingelt und deine Eltern konnten dich erst wieder erreichen, wenn du nach Hause kamst.
Gleichzeitig benutzt du heute selbstverständlich WhatsApp, kaufst online ein und hast wahrscheinlich mehr Apps auf deinem Smartphone, als du tatsächlich brauchst.
Wenn dir beide Welten vertraut vorkommen, könntest du zu einer Generation gehören, über die erstaunlich selten gesprochen wird:
den Xennials.
Damit werden meist Menschen bezeichnet, die ungefähr zwischen 1977 und 1983 geboren wurden und damit zwischen der Generation X und den Millennials liegen.
Ihre Kindheit war noch weitgehend analog, doch erwachsen wurden sie mitten im digitalen Wandel.
Sie kennen also noch das Leben ohne Internet und Smartphone, haben aber gleichzeitig fast jede große technologische Veränderung selbst miterlebt.
Sie hatten eine Kindheit ohne ständige Erreichbarkeit

Wer als Xennial aufgewachsen ist, erinnert sich an eine Kindheit, die heute fast ein wenig fremd wirkt.
Nach der Schule ging es zu Freunden, auf den Spielplatz oder einfach nach draußen. Die Eltern wussten nicht jede Minute, wo ihr Kind gerade war, und konnten auch nicht schnell eine Nachricht schicken, wenn es Zeit fürs Abendessen wurde.
Man musste eben selbst daran denken, rechtzeitig nach Hause zu kommen.
Auch die Aufmerksamkeit der Eltern sah häufig anders aus als heute.
Viele Xennials wuchsen in einer Zeit auf, in der Kinder stärker neben dem Alltag der Erwachsenen herliefen. Eltern arbeiteten, erledigten ihre Dinge und Kinder beschäftigten sich deutlich häufiger selbst.
Heute erinnern sich manche aus dieser Generation daran mit einem gewissen Stolz.
Sie mussten Probleme untereinander lösen, Langeweile aushalten und selbst herausfinden, was sie den ganzen Nachmittag machen wollten.
Doch es gibt auch die andere Seite.
Manche haben rückblickend das Gefühl, dass ihnen genau deshalb etwas gefehlt hat: mehr Aufmerksamkeit, mehr Interesse an ihren Gefühlen oder einfach häufiger die Frage, wie es ihnen wirklich geht.
Interessant wird das spätestens dann, wenn Xennials selbst Eltern werden.
Denn gerade das, was sie in ihrer eigenen Kindheit vermisst haben, möchten viele ihren Kindern heute besonders bewusst geben.
Sie hören genauer hin, interessieren sich stärker für Schule, Freundschaften und Hobbys und möchten ihren Kindern Möglichkeiten bieten, die sie selbst vielleicht nicht hatten.
Sie sind mit der Technik erwachsen geworden

Xennials kennen noch eine Zeit, in der das Internet kein selbstverständlicher Teil des Alltags war.
Der erste Computer im Haus war etwas Besonderes. Man musste sich ins Internet einwählen, Handys konnten telefonieren und SMS verschicken, und niemand verbrachte den ganzen Tag damit, durch soziale Netzwerke zu scrollen.
Dann veränderte sich innerhalb weniger Jahre fast alles.
Internet, E-Mail, Mobiltelefone, soziale Medien, Smartphones und später Streaming, Onlinebanking und Smart Homes wurden Schritt für Schritt Teil ihres Lebens.
Xennials standen dabei in einer interessanten Position.
Sie waren jung genug, um sich schnell an die neuen Möglichkeiten zu gewöhnen, aber alt genug, um noch genau zu wissen, wie das Leben vorher funktioniert hatte.
Vielleicht gehen deshalb viele von ihnen heute ziemlich selbstverständlich mit Technik um, ohne das Gefühl zu haben, ständig online sein zu müssen.
Sie können eine neue App ausprobieren, online arbeiten und innerhalb weniger Minuten etwas im Internet erledigen.
Aber sie erinnern sich eben auch noch an eine Zeit, in der man sich mit Freunden verabredete und dann tatsächlich am vereinbarten Ort erscheinen musste.
Keine Nachricht fünf Minuten vorher und kein geteilter Standort…
Sie haben ein anderes Verhältnis zur Arbeit

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
Mit diesem Gedanken sind viele Xennials noch ziemlich selbstverständlich aufgewachsen.
Ein sicherer Arbeitsplatz galt als etwas Wertvolles. Wer einen guten Job hatte, kündigte nicht gleich, weil der Chef nervte oder die Arbeit keinen tieferen Sinn erfüllte.
Man arbeitete eben.
Auch feste Arbeitszeiten, klare Hierarchien und eine 40-Stunden-Woche wirken auf viele aus dieser Generation weniger ungewöhnlich als auf Jüngere.
Gleichzeitig haben Xennials erlebt, wie sich die Arbeitswelt verändert hat.
Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und digitale Zusammenarbeit gehören für viele inzwischen genauso zum Alltag wie früher der feste Schreibtisch im Büro.
Genau deshalb befinden sie sich auch hier irgendwo zwischen zwei Welten.
Sie haben noch gelernt, sich anzupassen, durchzuhalten und Autoritäten nicht bei jeder Gelegenheit infrage zu stellen.
Heute sehen sie aber auch, dass Arbeit nicht automatisch das gesamte Leben bestimmen muss.
Vielleicht erklärt das, warum manche Xennials jahrelang in einem Beruf bleiben, obwohl sie längst nicht mehr glücklich damit sind.
Der Gedanke, einfach zu kündigen und noch einmal etwas völlig Neues anzufangen, kann sich deutlich riskanter anfühlen als für jemanden, der mit Begriffen wie Jobhopping und Work-Life-Balance groß geworden ist.
Sie erziehen ihre Kinder oft bewusster

Viele Xennials erinnern sich an eine Kindheit, in der Eltern nicht bei jedem Problem sofort eingegriffen haben.
Man regelte den Streit mit Freunden selbst, beschäftigte sich stundenlang allein und erzählte zu Hause längst nicht jedes Detail darüber, was in der Schule passiert war.
Heute machen es viele mit ihren eigenen Kindern anders.
Sie möchten wissen, wie es ihnen wirklich geht.
Sie interessieren sich für ihre Freundschaften, Hobbys und Sorgen und versuchen, auch über Gefühle zu sprechen, für die es in der eigenen Kindheit vielleicht weniger Raum gab.
Dahinter kann ein ziemlich einfacher Gedanke stecken:
Mein Kind soll das bekommen, was mir damals gefehlt hat.
Das kann etwas sehr Schönes sein.
Ein Kind erlebt Eltern, die zuhören, nachfragen und nicht nur wissen möchten, ob die Hausaufgaben erledigt sind, sondern auch, wie der Tag eigentlich war.
Sie fühlen sich keiner Generation so richtig zugehörig

Fragst du einen Xennial, zu welcher Generation er gehört, ist die Antwort manchmal gar nicht so eindeutig.
Für die Generation X fühlen sich manche ein bisschen zu jung.
Bei den Millennials wiederum erkennen sie sich ebenfalls nicht vollständig wieder.
Vielleicht liegt genau darin das Besondere dieser kleinen Zwischengeneration.
Xennials erinnern sich an Kassetten, Videotheken und Nachmittage, an denen niemand wusste, wo sie gerade waren. Gleichzeitig haben sie E-Mail, soziale Netzwerke, Smartphones und fast jede andere digitale Veränderung problemlos in ihr Leben integriert.
Sie verstehen noch, warum ihre Eltern manche Dinge auf eine bestimmte Weise machen.
Gleichzeitig können sie oft genauso gut nachvollziehen, warum jüngere Menschen vieles davon längst anders sehen.
Fazit
Jede Generation hat ihre eigenen Besonderheiten.
Wir alle tragen etwas aus der Zeit mit uns, in der wir aufgewachsen sind – bestimmte Gewohnheiten, Werte und Erfahrungen, schöne genauso wie weniger schöne.
Und vielleicht liegt in diesen Unterschieden auch etwas Besonderes.
Wir müssen nicht immer gleich denken oder das Leben auf dieselbe Weise sehen.
Viel wichtiger sind Verständnis und Respekt füreinander, denn am Ende können unterschiedliche Generationen wahrscheinlich viel mehr voneinander lernen, als wir manchmal glauben.

