Skip to Content

Menschen, die nach einer Scheidung stärker werden, durchleben meist diese 5 emotionalen Phasen

Menschen, die nach einer Scheidung stärker werden, durchleben meist diese 5 emotionalen Phasen

Eine Scheidung kann selbst Menschen völlig aus der Bahn werfen, die normalerweise mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Plötzlich ist vieles anders: Der Alltag verändert sich, Pläne zerbrechen, gemeinsame Gewohnheiten verschwinden und aus einem „Wir“ wird wieder ein „Ich“.

Und genau das kann unglaublich weh tun.

Viele denken bei einer Scheidung zuerst an die rechtlichen Dinge, an Wohnungen, Geld, Möbel oder die Frage, wie das Leben danach organisiert werden soll. Was dabei leicht vergessen wird, ist das, was im Inneren passiert. Denn eine Ehe zu beenden bedeutet nicht nur, eine Beziehung zu beenden. Man verabschiedet sich oft auch von einer Vorstellung davon, wie das eigene Leben einmal aussehen sollte.

Deshalb kann es nach einer Scheidung Tage geben, an denen man sich erstaunlich gut fühlt. Und am nächsten Morgen liegt man plötzlich im Bett und fragt sich, wie man überhaupt wieder aufstehen soll.

Das bedeutet nicht, dass man zurückfällt.

Heilung verläuft selten geradeaus.

Man kann wütend sein und gleichzeitig traurig. Man kann jemanden vermissen und trotzdem wissen, dass die Trennung richtig war. Man kann sich über die neue Freiheit freuen und im nächsten Moment um das alte Leben trauern.

Wer nach einer Scheidung wieder stärker wird, durchläuft deshalb häufig verschiedene emotionale Phasen. Sie kommen nicht unbedingt in einer festen Reihenfolge und können sich sogar wiederholen. Aber sie können dabei helfen, besser zu verstehen, was gerade im eigenen Inneren passiert.

1. Verdrängung: „Das kann doch nicht wirklich vorbei sein“

shutterstock

Am Anfang fühlt sich eine Scheidung für viele Menschen einfach unwirklich an.

Selbst wenn die Beziehung schon lange schwierig war, kann es einen Moment geben, in dem man denkt:

„Das passiert gerade wirklich?“

Man weiß vielleicht mit dem Kopf, dass die Ehe vorbei ist. Emotional ist diese Information aber noch gar nicht angekommen.

Das ist nicht ungewöhnlich.

Wenn etwas zu überwältigend wird, versucht unser Inneres manchmal erst einmal, Abstand zu gewinnen. Man funktioniert. Man erledigt, was erledigt werden muss. Man spricht über praktische Dinge und versucht, möglichst normal weiterzumachen.

Vielleicht denkt man:

„Wir werden das schon irgendwie wieder hinbekommen.“

Oder:

„Vielleicht ändert sich doch noch etwas.“

Diese Hoffnung kann am Anfang sogar hilfreich sein. Sie gibt einem Zeit, sich langsam an eine Realität zu gewöhnen, die man eigentlich noch gar nicht akzeptieren kann.

Problematisch wird es erst, wenn man dauerhaft so tut, als wäre nichts passiert.

Denn irgendwann muss man sich der Wahrheit stellen: Die Beziehung, wie sie einmal war, existiert nicht mehr.

Das zu akzeptieren ist schmerzhaft.

Aber es ist auch der erste Schritt, um überhaupt wieder nach vorne schauen zu können.

2. Wut: „Warum musste das alles passieren?“

shutterstock

Nach der ersten Starre kommt bei vielen Menschen die Wut.

Und davon kann eine Menge da sein.

Man ist wütend auf den Ex-Partner. Auf sich selbst. Auf die Familie. Auf die Umstände. Vielleicht sogar auf das ganze Leben.

Plötzlich erinnert man sich an Dinge, die während der Ehe passiert sind, und sieht sie mit völlig anderen Augen.

„Warum habe ich mir das gefallen lassen?“

„Warum habe ich so lange gewartet?“

„Warum hat er das getan?“

„Warum habe ich das nicht früher erkannt?“

Die Gedanken können sich im Kreis drehen.

Und manchmal sucht sich die Wut sogar völlig andere Ziele. Der Tag läuft schlecht, etwas geht kaputt oder irgendeine Kleinigkeit funktioniert nicht – und plötzlich fühlt sich alles wie eine weitere Katastrophe an.

Das kann anstrengend sein.

Trotzdem muss man Wut nicht sofort wegdrücken.

Wut kann ein Zeichen dafür sein, dass man beginnt, sich wieder mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen.

Nach einer langen Beziehung haben manche Menschen jahrelang Dinge geschluckt, um Streit zu vermeiden. Sie haben vielleicht versucht, die Stimmung zu retten, Rücksicht zu nehmen oder die Familie zusammenzuhalten.

Nach der Trennung kommt vieles davon plötzlich hoch.

Natürlich bedeutet das nicht, dass man seinen Ex-Partner ständig schlechtmachen oder andere Menschen mit seiner Wut überziehen sollte.

Aber man darf anerkennen:

„Ja, ich bin gerade wütend.“

Man darf enttäuscht sein.

Man darf sich ungerecht behandelt fühlen.

Und man darf auch traurig darüber sein, wie die Beziehung geendet hat.

Wut ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass man die Trennung bereut.

Manchmal bedeutet sie einfach, dass man beginnt, die eigene Geschichte ehrlich anzuschauen.

3. Verhandeln: „Was wäre, wenn wir es doch noch einmal versuchen?“

shutterstock

Diese Phase kann besonders verwirrend sein.

Denn plötzlich kommt der Ex-Partner einem wieder viel besser vor.

Man erinnert sich an die schönen Seiten.

An gemeinsame Urlaube.

An Insider-Witze.

An die ersten Monate der Beziehung.

An kleine Dinge, die man früher vielleicht für selbstverständlich gehalten hat.

Und plötzlich denkt man:

„Vielleicht war doch nicht alles schlecht.“

„Vielleicht hätten wir einfach anders miteinander reden müssen.“

„Vielleicht könnten wir noch einmal von vorne anfangen.“

Das ist menschlich.

Wenn das eigene Leben gerade völlig aus den Fugen geraten ist, wirkt das alte Leben manchmal plötzlich sicherer, selbst wenn es vorher viele Probleme gab.

Man sehnt sich nach dem Vertrauten.

Nach dem Alltag, den man kannte.

Nach einer Person, mit der man jahrelang sein Leben geteilt hat.

Manchmal beginnt man deshalb innerlich zu verhandeln.

„Wenn er sich ändern würde, könnte es funktionieren.“

„Wenn ich mich anders verhalten hätte, wäre es vielleicht nicht so weit gekommen.“

„Wenn wir nur diese eine Sache lösen könnten …“

Solche Gedanken können hilfreich sein, weil man dadurch besser versteht, was man eigentlich vermisst.

Aber sie können auch dazu führen, dass man eine Beziehung idealisiert.

Denn wenn man gerade nur an die schönen Momente denkt, vergisst man schnell, warum die Ehe überhaupt gescheitert ist.

Deshalb lohnt es sich, ehrlich zu bleiben.

Nicht jede Sehnsucht bedeutet, dass man zurückgehen sollte.

Manchmal vermisst man nicht die Person selbst.

Man vermisst das Gefühl von Zuhause.

Die Gewohnheit.

Die Sicherheit.

Oder einfach die Vorstellung, die man einmal von seiner Zukunft hatte.

4. Tiefe Traurigkeit: „Jetzt ist es wirklich vorbei“

shutterstock

Irgendwann kann die Realität richtig einsinken.

Und dann kommt bei vielen Menschen eine Phase, in der die Traurigkeit besonders stark wird.

Die Ablenkung funktioniert nicht mehr so gut.

Man hat vielleicht keine Lust, ständig unter Menschen zu sein. Dinge, die früher Spaß gemacht haben, fühlen sich plötzlich langweilig an.

Selbst kleine Aufgaben können anstrengend wirken.

Das ist häufig der Moment, in dem man wirklich begreift, was verloren gegangen ist.

Nicht nur die Beziehung.

Auch gemeinsame Gewohnheiten, Pläne, bestimmte Orte, vielleicht sogar Freundschaften und ein Stück der eigenen Identität.

Man kann um etwas trauern, obwohl man gleichzeitig weiß, dass die Trennung notwendig war.

Das ist kein Widerspruch.

Man kann wissen:

„Diese Ehe hat mir nicht mehr gutgetan.“

und trotzdem denken:

„Ich wünschte, sie wäre anders ausgegangen.“

Beides darf nebeneinander existieren.

In dieser Phase ist es besonders wichtig, sich nicht komplett zurückzuziehen.

Ein gutes Gespräch mit einer vertrauten Person kann viel ausmachen. Freunde und Familie können helfen, wieder etwas Struktur in den Alltag zu bringen.

Und wenn die Traurigkeit so stark wird, dass man seinen Alltag kaum noch bewältigen kann, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.

Man muss nicht alles alleine schaffen.

Stark zu sein bedeutet nicht, niemals Hilfe zu brauchen.

Manchmal bedeutet Stärke gerade, zu sagen:

„Ich komme gerade alleine nicht weiter.“

5. Akzeptanz: „Das ist jetzt mein Leben – und ich kann etwas daraus machen“

6 Sternzeichen, die am sichersten dein Herz brechen werden, laut Astrologie
shutterstock

Die letzte Phase fühlt sich irgendwann anders an.

Nicht unbedingt plötzlich.

Eher schleichend.

Eines Tages merkt man vielleicht, dass man nicht mehr jeden Morgen als Erstes über die Scheidung nachdenkt.

Man kann wieder lachen.

Man freut sich auf Dinge.

Man plant einen Urlaub, ohne sich zu fragen, wie es früher gewesen wäre.

Man richtet vielleicht die Wohnung neu ein.

Man entdeckt ein Hobby wieder.

Man trifft Freunde.

Man merkt, dass man Entscheidungen treffen kann, ohne sie mit jemand anderem abstimmen zu müssen.

Und irgendwann kommt vielleicht dieser Gedanke:

„Ich glaube, es geht mir wieder gut.“

Akzeptanz bedeutet dabei nicht, dass man alles toll findet.

Vielleicht gibt es immer noch Momente, in denen man traurig wird.

Vielleicht kommt an einem bestimmten Jahrestag plötzlich wieder ein Gefühl hoch.

Vielleicht erinnert man sich an etwas Schönes und vermisst die Vergangenheit für einen Augenblick.

Das bedeutet nicht, dass man wieder am Anfang steht.

Heilung bedeutet nicht, dass man nie wieder traurig ist.

Sie bedeutet, dass die Traurigkeit nicht mehr das eigene Leben bestimmt.

Man kann sich an die Vergangenheit erinnern, ohne in ihr festzustecken.

Und genau das ist ein großer Unterschied.