Freundschaften sollen eigentlich zu den Beziehungen gehören, in denen Menschen sich besonders sicher fühlen. Gute Freunde kennen persönliche Geschichten, verstehen bestimmte Eigenheiten und gehören häufig zu den ersten Menschen, denen wichtige Neuigkeiten erzählt werden. Gerade deshalb kann es besonders schmerzhaft sein, sich ausgerechnet innerhalb eines vertrauten Freundeskreises plötzlich wie ein Außenstehender zu fühlen.
Dieses Gefühl muss nicht bedeuten, dass jemand tatsächlich bewusst ausgeschlossen wird. Manchmal entstehen Pläne spontan, zwei Freunde entwickeln unabhängig von der Gruppe eine engere Beziehung oder bestimmte Gespräche finden zufällig ohne eine Person statt. Für jemanden, der sich seiner Position innerhalb einer Freundschaft ohnehin nicht sicher ist, können solche Situationen trotzdem eine wesentlich größere emotionale Bedeutung bekommen.
Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, bei einer bestimmten Unternehmung nicht dabei gewesen zu sein. Im Hintergrund entstehen andere Fragen. Warum hat niemand an mich gedacht? Sind die anderen untereinander enger verbunden als mit mir? Würden sie überhaupt merken, wenn ich mich zurückziehe? Bin ich wirklich Teil dieser Gruppe oder eigentlich nur jemand, der gelegentlich dazugehört?
Gerade darin liegt das Schwierige. Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen, sagen nicht unbedingt offen, dass sie verletzt sind. Sie möchten nicht bedürftig erscheinen und ihre Freunde nicht dazu zwingen, sie einzubeziehen. Deshalb wird die eigene Verletzung häufig hinter Humor, Gleichgültigkeit oder scheinbarem Verständnis versteckt.
1. Sie fragen beiläufig nach gemeinsamen Plänen und meinen eigentlich etwas ganz anderes

Eine der scheinbar harmlosesten Aussagen entsteht, wenn jemand erfährt, dass Freunde gemeinsam etwas unternommen haben, von dem er vorher nichts wusste. Die spontane Reaktion kann dann darin bestehen, überrascht festzustellen, dass man gar nicht wusste, dass die anderen etwas geplant hatten.
Sachlich betrachtet ist daran zunächst nichts Besonderes. Niemand muss automatisch zu jeder Unternehmung eingeladen werden und innerhalb größerer Freundeskreise entstehen kleinere Konstellationen vollkommen natürlich.
Emotional kann hinter einer solchen Aussage jedoch eine wesentlich schwierigere Frage stehen: Warum wusste ich nichts davon?
Genau diese zweite Bedeutung beschreibt auch der Ausgangsartikel. Besonders wenn scheinbar alle anderen informiert waren, kann die betroffene Person beginnen, ihre Position innerhalb der Gruppe infrage zu stellen. Dabei muss die fehlende Einladung keineswegs absichtlich gewesen sein. Pläne können spontan entstehen und Menschen können tatsächlich vergessen, jemanden zu informieren. Trotzdem kann eine solche Situation vorhandene Unsicherheiten verstärken.
Entscheidend ist häufig weniger das konkrete Ereignis als das Muster, das ein Mensch darin erkennt.
Ein einziges Treffen ohne Einladung wird wahrscheinlich wesentlich leichter akzeptiert, wenn jemand sich ansonsten sicher und selbstverständlich in eine Freundschaft eingebunden fühlt. Wenn ähnliche Situationen dagegen bereits mehrfach passiert sind, bekommt jedes neue Ereignis eine andere Bedeutung.
2. Sie beobachten die Nähe zwischen anderen und merken dabei, was ihnen selbst fehlt

Eine weitere Aussage klingt zunächst sogar wie ein Kompliment. Jemand bemerkt, wie eng zwei Freunde miteinander sind, und spricht diese besondere Verbindung anerkennend an.
Doch Bewunderung und Sehnsucht können gleichzeitig vorhanden sein.
Der YourTango-Beitrag beschreibt, dass Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen, die Beziehungen innerhalb ihres Umfelds häufig besonders aufmerksam beobachten. Wenn sie feststellen, wie vertraut andere miteinander umgehen, wird ihnen möglicherweise umso deutlicher bewusst, dass sie selbst diese Nähe vermissen.
Das bedeutet nicht automatisch Eifersucht im negativen Sinne.
Ein Mensch kann sich ehrlich darüber freuen, dass zwei Freunde eine starke Verbindung besitzen, und sich trotzdem wünschen, selbst für jemanden eine ähnlich wichtige Person zu sein.
Genau hier zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen gesellschaftlicher Zugehörigkeit und emotionaler Zugehörigkeit.
Man kann zu Geburtstagen eingeladen werden, in einer gemeinsamen Gruppe schreiben, regelmäßig mit anderen lachen und trotzdem das Gefühl besitzen, nicht wirklich zum inneren Kreis zu gehören.
Vielleicht haben alle anderen jemanden innerhalb der Gruppe, den sie zuerst anrufen würden. Vielleicht bestehen gemeinsame Erinnerungen, Insider oder vertrauliche Gespräche, zu denen man selbst keinen Zugang hat.
Von außen ist dieser Unterschied kaum sichtbar. Die betroffene Person sitzt schließlich mit am Tisch und wird freundlich behandelt. Innerlich kann sie sich trotzdem fragen, ob ihre Abwesenheit überhaupt einen Unterschied machen würde.
3. Sie behaupten, sowieso nicht mitgekommen zu sein, um ihre Enttäuschung nicht zeigen zu müssen

Eine besonders typische Schutzreaktion besteht darin, die Bedeutung einer fehlenden Einladung nachträglich herunterzuspielen. Wenn jemand erfährt, dass Freunde gemeinsam unterwegs waren, kann er schnell erklären, wahrscheinlich ohnehin keine Zeit oder Lust gehabt zu haben.
Vielleicht stimmt das sogar.
Trotzdem kann die fehlende Einladung verletzen.
Der Ausgangsartikel beschreibt diese Reaktion als eine Form emotionalen Selbstschutzes. Wenn sich jemand selbst überzeugt, dass er ohnehin nicht teilnehmen wollte, muss er sich weniger intensiv mit der Frage beschäftigen, weshalb er überhaupt nicht gefragt wurde.
Denn bei Einladungen geht es emotional häufig um wesentlich mehr als um die tatsächliche Teilnahme.
Eine Einladung vermittelt, dass jemand an einen gedacht hat.
Man darf anschließend ablehnen. Vielleicht ist man müde, hat andere Pläne oder interessiert sich überhaupt nicht für die Aktivität. Trotzdem bleibt die Information bestehen, dass man grundsätzlich dazugehören sollte.
Fehlt diese Einladung wiederholt, kann deshalb irgendwann nicht mehr die verpasste Unternehmung im Mittelpunkt stehen, sondern die Botschaft, die daraus abgeleitet wird.
Besonders Menschen, die Angst vor Zurückweisung haben, möchten diese Verletzung häufig nicht offen zeigen. Zu sagen, dass man gerne gefragt worden wäre, macht schließlich verletzlich. Der andere könnte antworten, dass bewusst keine Einladung ausgesprochen wurde.
4. Sie lachen über Insider, die sie nicht verstehen, obwohl sie sich dabei zunehmend fremd fühlen

Freundschaften entwickeln ihre eigene kleine Geschichte. Gemeinsame Erlebnisse werden zu Insider-Witzen, bestimmte Sätze erinnern sofort an frühere Situationen und manchmal reicht ein einziger Blick, damit zwei Menschen wissen, woran der andere gerade denkt.
Solche gemeinsamen Erinnerungen schaffen Nähe.
Genau deshalb können sie für jemanden, der sie nicht kennt, gleichzeitig ein Gefühl von Distanz erzeugen.
Alle lachen, während eine Person merkt, dass ihr offenbar wichtiger Kontext fehlt. Ihre Bemerkung, etwas verpasst zu haben, kann dann wesentlich mehr ausdrücken als reine Neugier.
Im Hintergrund steht möglicherweise die Frage, weshalb innerhalb der eigenen Freundesgruppe so vieles passiert, von dem man nichts weiß.
Natürlich besitzt jeder Mensch unterschiedliche Beziehungen. Auch innerhalb eines engen Freundeskreises müssen nicht sämtliche Gespräche gemeinsam geführt werden. Zwei Freunde dürfen sich allein treffen und persönliche Dinge miteinander teilen, ohne dass dadurch automatisch jemand ausgeschlossen wird.
Schwierig wird es, wenn eine Person dauerhaft das Gefühl bekommt, nur einen Teil der gemeinsamen Realität zu kennen.
Dann können selbst harmlose Insider plötzlich als Beweis für eine bereits vorhandene Unsicherheit interpretiert werden.
5. Irgendwann machen sie aus dem Gefühl, nur die zusätzliche Person zu sein, einen Teil ihrer Identität

Besonders traurig wird soziale Unsicherheit, wenn sie nicht mehr nur einzelne Situationen betrifft.
Ein Mensch denkt dann nicht mehr, dass er bei einer bestimmten Unternehmung vergessen wurde. Er beginnt zu glauben, grundsätzlich immer der zusätzliche Freund zu sein.
Der YourTango-Beitrag bezeichnet genau diese Haltung als eine der schmerzhaftesten Aussagen des gesamten Musters. Wer sich selbst dauerhaft als zusätzliche Person betrachtet, hat möglicherweise bereits die Erwartung entwickelt, niemals die erste Wahl eines anderen Menschen zu sein.
Das kann das eigene Verhalten stark verändern.
Menschen hören möglicherweise auf, selbst nach gemeinsamen Unternehmungen zu fragen. Sie melden sich weniger häufig und erwarten zunehmend weniger von ihren Freundschaften.
Nach außen kann das wie Unabhängigkeit wirken.
Vielleicht scheint die Person besonders unkompliziert zu sein, braucht angeblich niemanden und kommt hervorragend allein zurecht. Doch Unabhängigkeit und emotionaler Rückzug können äußerlich erstaunlich ähnlich aussehen.
Der Unterschied liegt in der Motivation.
Ein Mensch kann gerne allein sein, weil er diese Zeit wirklich genießt. Ein anderer zieht sich zurück, weil er überzeugt ist, dass es weniger schmerzhaft ist, gar nicht erst auf eine Einladung zu hoffen.
6. Sie erklären anderen vorsorglich, dass sie nicht überall eingeladen werden müssen

Auf den ersten Blick klingt diese Haltung ausgesprochen vernünftig. Natürlich müssen Freunde nicht jede freie Minute gemeinsam verbringen. Enge Freundschaften brauchen Freiheit und unterschiedliche soziale Beziehungen.
Problematisch wird eine solche Aussage deshalb nicht durch ihren Inhalt, sondern durch den emotionalen Grund, aus dem sie ausgesprochen wird.
Sie möchten nicht bedürftig erscheinen und gleichzeitig nicht offen zeigen, wie deutlich ihnen aufgefallen ist, dass sie regelmäßig fehlen.
Damit nehmen sie ihre eigenen Gefühle bereits vorweg weniger ernst.
Bevor ein anderer sagen kann, dass eine fehlende Einladung doch keine große Sache sei, sagen sie es selbst.
Das schützt vor möglicher Zurückweisung, kann aber gleichzeitig sehr einsam machen.
Denn eigentlich wünschen sich viele dieser Menschen gar keine permanente Aufmerksamkeit. Sie möchten nicht bei jedem Treffen dabei sein oder kontrollieren, was ihre Freunde ohne sie machen.
Was ihnen fehlt, ist häufig etwas wesentlich Einfacheres: das Gefühl, mitgedacht zu werden.
Sie möchten gelegentlich erfahren, dass jemand bei der Planung automatisch an sie gedacht hat. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil ihre Anwesenheit tatsächlich erwünscht ist.
Fazit: Sich ausgeschlossen zu fühlen bedeutet häufig weniger, überall dabei sein zu wollen, als irgendwo wirklich dazuzugehören
Das Gefühl sozialer Ausgrenzung ist kompliziert, weil die äußere Realität und das innere Erleben sehr unterschiedlich sein können.
Ein Mensch kann objektiv Freunde besitzen und sich trotzdem einsam fühlen. Er kann regelmäßig eingeladen werden und trotzdem glauben, für niemanden besonders wichtig zu sein. Ebenso kann eine einzelne vergessene Einladung vollkommen harmlos sein und trotzdem eine starke Verletzung auslösen, wenn sie auf bereits vorhandene Unsicherheit trifft.
Menschen bemerken, dass sie von Plänen nichts wussten, beobachten die besondere Nähe anderer, behaupten nach einer fehlenden Einladung, ohnehin nicht mitgekommen zu sein, fühlen sich bei Insidern nicht informiert, bezeichnen sich selbst als zusätzlichen Freund oder versichern vorsorglich, nicht überall eingeladen werden zu müssen.
Was all diese Aussagen verbindet, ist ihre indirekte Form.
Kaum jemand sagt offen: Ich habe Angst, dass ich euch weniger bedeute, als ihr mir bedeutet.
Stattdessen wird die Verletzung in eine beiläufige Bemerkung verpackt.

