Skip to Content

Du liebst ihn – warum vermisst du trotzdem dein Leben als Single?

Du liebst ihn – warum vermisst du trotzdem dein Leben als Single?

„Ganz ehrlich, allein wäre mein Leben wahrscheinlich einfacher.“

Diesen Gedanken hattest du noch nie? Dann gehörst du vermutlich zu den wenigen Menschen, die noch nie genervt neben ihrem Partner auf dem Sofa saßen.

Meistens taucht er nach einem Streit auf. Oder an einem dieser Abende, an denen ihr euch eigentlich nichts Schlimmes getan habt und trotzdem kaum miteinander redet.

Er sitzt am Handy, du bist genervt, irgendeine Kleinigkeit bringt dich zusätzlich auf die Palme und auf einmal erinnerst du dich daran, wie unkompliziert dein Leben früher war.

Niemand, der seine Socken neben den Wäschekorb wirft. Keine Diskussion darüber, bei wessen Familie Weihnachten gefeiert wird. Kein beleidigtes „Ist schon okay“, bei dem offensichtlich überhaupt nichts okay ist.

Einfach du, deine Ruhe und deine Entscheidungen.

Klingt in solchen Momenten ziemlich verlockend.

Schwieriger wird es, wenn dieser Gedanke nicht nach zehn Minuten wieder verschwindet.

Wenn du dich immer häufiger dabei erwischst, dir ein Leben ohne deinen Partner vorzustellen und dieses Leben in deinem Kopf irgendwie leichter, ruhiger oder sogar glücklicher aussieht.

Bedeutet das schon, dass deine Beziehung vorbei ist?

Nicht unbedingt. Eine gute Beziehung kann unser Leben bereichern, während eine Beziehung, in der wir schon lange unglücklich sind, unglaublich viel Kraft kosten kann.

Und irgendwo dazwischen sitzt du nun mit der Frage, die sich leider nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten lässt:

Wäre ich ohne ihn wirklich glücklicher oder wünsche ich mir gerade einfach nur, dass es zwischen uns wieder leichter wird?

Wäre allein wirklich alles leichter?

shutterstock

An die nervigen Seiten des Single-Lebens erinnert man sich erstaunlich schlecht.

Stattdessen denkst du an die Abende, an denen du spontan machen konntest, worauf du Lust hattest.

Du musstest niemandem erklären, warum du heute lieber zu Hause bleiben möchtest, und am Wochenende konntest du bis mittags im Bett liegen, ohne dass jemand irgendwelche Pläne für euch beide hatte.

Was in dieser Erinnerung gerne fehlt, sind die anderen Abende.

Die, an denen du dir jemanden gewünscht hast, mit dem du den Tag teilen kannst.

Oder die schlechten Dates, Menschen, die plötzlich nicht mehr geantwortet haben, und dieser Sonntag, an dem die ganze Freiheit ziemlich langweilig war.

Unser Kopf ist ziemlich gut darin, die Vergangenheit passend zur aktuellen Stimmung zusammenzuschneiden.

Wenn deine Beziehung dich zurzeit anstrengt, vergleichst du schnell ihren schlechtesten Dienstagabend mit den schönsten Momenten deines früheren Single-Lebens.

Gegen diese Version kann dein Partner eigentlich nur verlieren.

Das heißt trotzdem nicht, dass dein Wunsch nach einem Leben allein unwichtig ist.

Wenn du seit Monaten erleichtert bist, sobald dein Partner das Haus verlässt, gemeinsame Zeit eher vermeidest und bei dem Gedanken an eine eigene Wohnung nicht traurig, sondern frei wirst, steckt möglicherweise mehr dahinter als die Sehnsucht nach ein bisschen Ruhe.

Es macht einen Unterschied, ob du manchmal einfach einen Abend für dich brauchst oder ob du dir inzwischen wünschst, dein Leben wieder ohne diese Beziehung zu führen.

Wie geht es dir mit ihm wirklich?

Was dir niemand über die „Mitbewohnerphase“ der Ehe erzählt
shutterstock

Manchmal sehnt man sich gar nicht nach dem Single-Leben, sondern einfach nach einem Leben, in dem man sich wieder wohlfühlt.

Und das ist ein Unterschied.

Frag dich einmal, wie du dich an einem ganz normalen Tag mit deinem Partner fühlst, wenn ihr weder im Urlaub seid noch gerade einen großen Streit habt.

Freust du dich, wenn er nach Hause kommt?

Erzählst du ihm noch die kleinen, völlig unwichtigen Dinge, die dir tagsüber passiert sind?

Kannst du neben ihm schlecht gelaunt, albern, müde oder einfach still sein, ohne ständig darüber nachzudenken, wie er darauf reagieren wird?

Eine Beziehung muss sich nicht jeden Tag aufregend anfühlen, und natürlich gibt es Phasen, in denen Nähe, Sex oder gemeinsame Zeit zu kurz kommen.

Problematisch wird es eher, wenn die schlechten Phasen längst zum normalen Alltag geworden sind und du dich nur noch an den wenigen guten Tagen festhältst.

Vielleicht liebst du ihn noch und bist trotzdem nicht mehr glücklich mit ihm.

Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Und wenn du es später bereust?

Diese Frage hält viele Menschen erstaunlich lange in einer Beziehung fest.

Was, wenn du gehst und ihn drei Monate später schrecklich vermisst?

Was, wenn du niemanden mehr findest, mit dem es so vertraut ist, oder irgendwann merkst, dass eure Probleme doch lösbar gewesen wären?

Nur funktioniert die Angst auch in die andere Richtung.

Du kannst bleiben und dich zwei Jahre später fragen, warum du nicht gegangen bist, als du längst gespürt hast, dass du unglücklich bist.

Für keine der beiden Entscheidungen bekommst du vorher eine Garantie.

Deshalb bringt es wenig, nur nach der Möglichkeit zu suchen, die du später am wenigsten bereuen könntest.

Interessanter ist die Frage, welche Entscheidung du heute hauptsächlich aus Angst vermeidest.

Bleibst du, weil du wirklich noch an euch glaubst?

Oder bleibst du, weil dir der Gedanke an Trennung, Alleinsein und einen kompletten Neuanfang Angst macht?

War früher wirklich alles besser?

shutterstock

„Früher war ich irgendwie glücklicher.“

Dieser Gedanke kann ziemlich wehtun, besonders wenn du dich daran erinnerst, wie viel entspannter, spontaner und freier du dich vor deiner Beziehung gefühlt hast.

Damals bist du ausgegangen, wann du wolltest, hattest mehr Zeit für Freunde und musstest deine Pläne mit niemandem abstimmen.

Nur vergleichst du dabei zwei verschiedene Versionen deines Lebens.

Du erinnerst dich an deine Freiheit von damals, lebst heute aber mit all den Verpflichtungen, Sorgen und Veränderungen, die in den letzten Jahren ohnehin dazugekommen sind.

Eine Trennung bringt dich nicht automatisch zurück zu der Person, die du mit 25, 30 oder 40 warst.

Auch dein damaliges Single-Leben wartet nicht irgendwo unverändert auf dich.

Trotzdem lohnt es sich, darauf zu achten, was du an dieser früheren Version von dir so sehr vermisst.

Wenn du feststellst, dass es weniger um andere Männer oder ums Dating geht und vielmehr darum, wieder Freunde zu sehen, spontan zu sein oder mehr Zeit für dich zu haben, muss die Antwort nicht automatisch eine Trennung sein.

Manches, was du am Single-Leben vermisst, kannst du dir auch innerhalb einer Beziehung zurückholen.

Muss es wirklich die Trennung sein?

shutterstock

Manchmal ist der Gedanke ans Single-Leben eigentlich ein ziemlich lautes „So möchte ich nicht mehr weitermachen“.

Das muss noch lange nicht bedeuten, dass du deinen Partner nicht mehr liebst oder sofort deine Koffer packen solltest.

Vielleicht hast du das Gefühl, für deinen Partner selbstverständlich geworden zu sein oder ihr habt euch im Alltag so sehr verloren, dass kaum noch etwas von dem übrig ist, was euch früher verbunden hat.

Dann lohnt sich ein Gespräch, das über „Wir müssen mal wieder mehr Zeit miteinander verbringen“ hinausgeht.

Sag, was dir fehlt, was dich müde macht und was sich ändern müsste, damit du dich in dieser Beziehung wieder wohlfühlen kannst.

Noch wichtiger ist allerdings, was danach passiert.

Hört dein Partner dir wirklich zu und versucht ihr beide, etwas zu verändern, kann sich eine Beziehung wieder ganz anders anfühlen.

Führst du dagegen seit Monaten dieselben Gespräche, bekommst immer dieselben Versprechen und landest kurze Zeit später wieder am selben Punkt, darfst du auch das ernst nehmen.

Du musst nicht erst aufhören, jemanden zu lieben, bevor du erkennst, dass dir eine Beziehung nicht mehr guttut.

Fazit

Die Frage „Wäre ich als Single glücklicher?“ bedeutet nicht automatisch, dass deine Beziehung am Ende ist.

Manchmal hast du einfach einen richtig schlechten Tag mit deinem Partner und möchtest ihn am liebsten für ein Wochenende irgendwo abgeben.

Wenn der Gedanke an ein Leben ohne ihn aber immer wiederkommt, solltest du ihn auch nicht jedes Mal wegschieben.

Vielleicht möchtest du einfach wieder morgens aufwachen und dich mit deinem eigenen Leben wohlfühlen – egal, ob am Ende jemand neben dir liegt oder nicht.