Skip to Content

8 Sätze, die Kinder oft sagen, wenn sie zu Hause ständig angeschrien werden

8 Sätze, die Kinder oft sagen, wenn sie zu Hause ständig angeschrien werden

Kein Elternteil bleibt immer ruhig. Kinder können einen an seine Grenzen bringen, man ist müde, gestresst und manchmal kommt es einfach vor, dass die Stimme lauter wird als geplant. Ein einzelner Moment, in dem Eltern die Geduld verlieren, macht noch keine schlechte Erziehung.

Etwas anderes ist es jedoch, wenn Anschreien zum normalen Umgangston zu Hause wird.

Wenn ein Kind ständig damit rechnen muss, dass ein kleiner Fehler, eine vergessene Aufgabe oder eine falsche Antwort einen Wutausbruch auslösen könnte, verändert das mit der Zeit sein Verhalten. Es geht dann nicht mehr nur darum, ob es etwas richtig oder falsch gemacht hat. Das Kind beginnt, ständig darüber nachzudenken, wie die Erwachsenen reagieren könnten.

Und genau das kann man manchmal an ganz alltäglichen Sätzen erkennen.

Manche Kinder wirken nach außen besonders brav, vorsichtig oder selbstständig. Sie machen wenig Ärger, fragen lieber zweimal nach und entschuldigen sich sogar dann, wenn eigentlich gar nichts passiert ist.

Natürlich beweist keiner dieser Sätze allein, dass ein Kind zu Hause häufig angeschrien wird. Kinder sagen solche Dinge aus ganz unterschiedlichen Gründen. Interessant wird es vor allem dann, wenn mehrere dieser Verhaltensweisen regelmäßig auftreten und das Kind auffällig ängstlich auf Fehler oder die Reaktionen von Erwachsenen reagiert.

1. „Bitte sei nicht böse.“

shutterstock

Ein Kind, das nach einem kleinen Fehler sofort fragt, ob jemand böse ist, könnte besonders empfindlich auf die Stimmung anderer reagieren.

Vielleicht ist nur ein Glas umgefallen. Vielleicht hat es etwas vergessen oder etwas nicht so gemacht, wie es sollte. Trotzdem schaut es sofort zum Erwachsenen und fragt:

„Bist du jetzt böse?“

Für viele Kinder ist ein Fehler zunächst einfach ein Fehler. Sie machen etwas falsch, bekommen erklärt, wie es besser geht, und machen weiter.

Wenn ein Kind dagegen ständig Angst davor hat, jemanden wütend zu machen, kann hinter diesem Satz mehr stecken.

Es versucht dann nicht nur herauszufinden, ob etwas passiert ist. Es versucht herauszufinden, ob jetzt Ärger kommt.

Das kann dazu führen, dass ein Kind die Stimmung seiner Eltern ständig beobachtet. Ist Mama heute gut drauf? Ist Papa gestresst? Sollte ich lieber nichts sagen? Darf ich jetzt fragen?

Ein Kind sollte nicht das Gefühl haben, dass es für die Stimmung der Erwachsenen verantwortlich ist.

2. „Ich mache es wieder gut.“

shutterstock

Auf den ersten Blick klingt dieser Satz sogar ziemlich positiv.

Ein Kind übernimmt Verantwortung, erkennt einen Fehler und möchte ihn beheben. Das kann natürlich eine gute Eigenschaft sein.

Problematisch wird es, wenn ein Kind bei jeder Kleinigkeit sofort in diesen Modus wechselt.

Es verschüttet etwas und sagt sofort:

„Ich mache es weg!“

Es hat etwas vergessen:

„Ich mache es sofort!“

Es bemerkt, dass ein Erwachsener genervt ist:

„Ich mache es wieder gut.“

Vielleicht geht es dann weniger um Verantwortungsbewusstsein als um Schadensbegrenzung.

Das Kind hat möglicherweise gelernt, dass es besser ist, einen Fehler sofort selbst zu beheben, bevor jemand wütend wird.

Dabei sollten Kinder Fehler machen dürfen. Sie müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen, aber sie müssen gleichzeitig wissen, dass ein Missgeschick nicht bedeutet, dass sie jetzt Angst vor einer heftigen Reaktion haben müssen.

3. „Ich verspreche, ich mache das nie wieder.“

Kinder machen Fehler. Das gehört zum Aufwachsen dazu.

Sie vergessen Regeln, probieren Dinge aus, sind neugierig und überschätzen manchmal ihre eigenen Fähigkeiten. Genau dadurch lernen sie.

Wenn ein Kind nach jedem kleinen Fehler sofort ein großes Versprechen abgibt, kann das allerdings auffällig sein.

„Ich mache das nie wieder.“

„Ich verspreche es.“

„Echt, ich mache es nicht noch einmal.“

Vielleicht hat das Kind gar nicht die Möglichkeit, den Fehler einfach als etwas zu sehen, aus dem es lernen kann.

Stattdessen versucht es, die Situation möglichst schnell zu beenden.

Das kann passieren, wenn ein Kind gelernt hat, dass Fehler nicht nur Konsequenzen haben, sondern möglicherweise einen starken Wutausbruch des Erwachsenen auslösen.

Dabei wäre die gesündere Botschaft:

„Das war nicht richtig. Lass uns schauen, wie du es beim nächsten Mal anders machen kannst.“

Ein Kind muss nicht perfekt sein, um sich zu Hause sicher zu fühlen.

4. „Das war nicht meine Schuld.“

Hast du als Kind genug Liebe bekommen? 10 Verhaltensweisen, die das Gegenteil beweisen!
shutterstock

Dieser Satz kann ebenfalls sehr viel über die Atmosphäre sagen, in der ein Kind aufwächst.

Natürlich verteidigen sich Kinder manchmal. Das ist völlig normal. Niemand möchte für etwas beschuldigt werden, das er nicht getan hat.

Interessant wird es, wenn die Verteidigung bereits beginnt, bevor überhaupt jemand einen Vorwurf gemacht hat.

Ein Kind stößt beispielsweise versehentlich etwas um und sagt sofort:

„Ich war das nicht!“

Oder mehrere Kinder spielen zusammen und sobald etwas passiert, erklärt eines von ihnen sofort:

„Ich habe nichts gemacht.“

Vielleicht hat es einfach gelernt, dass bei Problemen zuerst nach einem Schuldigen gesucht wird.

Wenn Kinder regelmäßig das Gefühl haben, für jeden Fehler Ärger zu bekommen, können sie anfangen, sich reflexartig zu verteidigen.

Dann geht es gar nicht mehr darum, was tatsächlich passiert ist.

Es geht darum, sich vor dem möglichen Ärger zu schützen.

5. „Ich bin einfach ruhig.“

10 Anzeichen, dass du von kritischen Eltern aufgezogen wurdest
shutterstock

Manche Kinder reagieren auf häufiges Anschreien nicht mit mehr Trotz, sondern mit immer weniger Worten.

Sie werden leiser.

Sie fragen weniger. Sie erzählen weniger. Sie halten sich zurück und versuchen möglichst nicht aufzufallen.

Von außen kann das sogar wie besonders gutes Benehmen wirken.

Das Kind macht keinen Ärger. Es diskutiert nicht. Es widerspricht nicht.

Aber ein sehr stilles Kind ist nicht automatisch ein glückliches Kind.

Wenn ein Kind gelernt hat, dass Reden, Fragen oder Widersprechen häufig zu Ärger führen, kann Schweigen irgendwann wie die sicherste Möglichkeit erscheinen.

„Wenn ich nichts sage, kann niemand sauer auf mich sein.“

Das ist eine ziemlich schwere Verantwortung für ein Kind.

Kinder sollten zu Hause auch laut sein dürfen. Sie sollten Fragen stellen, lachen, widersprechen und ihre Meinung äußern können, ohne ständig Angst vor der Reaktion eines Erwachsenen zu haben.

6. „Ist das wirklich okay?“

shutterstock

Ständiges Nachfragen kann ebenfalls ein Zeichen dafür sein, dass ein Kind wenig Vertrauen in die eigene Einschätzung hat.

„Darf ich das?“

„Bist du sicher?“

„Ist das okay?“

„Wirklich?“

Natürlich fragen Kinder häufig nach Erlaubnis. Das gehört zu ihrem Alter und ihrer Entwicklung.

Doch wenn ein Kind selbst bei völlig harmlosen Dingen immer wieder eine Bestätigung braucht, kann dahinter auch Unsicherheit stecken.

Vielleicht möchte es nicht selbst entscheiden, weil es Angst hat, die falsche Entscheidung zu treffen.

Denn wenn falsche Entscheidungen zu Hause häufig mit Ärger verbunden sind, wird selbst eine kleine Entscheidung plötzlich zu einem Risiko.

Das Kind denkt dann nicht:

„Was möchte ich?“

Sondern:

„Was ist die Antwort, bei der niemand sauer wird?“

Das kann langfristig dazu führen, dass ein Kind seiner eigenen Einschätzung immer weniger vertraut.

7. „Ich mache es alleine.“

shutterstock

Selbstständigkeit ist grundsätzlich etwas Schönes.

Kinder sollen lernen, Dinge selbst zu erledigen und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen gesunder Selbstständigkeit und dem Gefühl, niemals Hilfe verlangen zu dürfen.

Ein Kind, das bei jeder Schwierigkeit sofort sagt:

„Ich mache es selbst.“

kann natürlich einfach sehr unabhängig sein.

Es könnte aber auch gelernt haben, dass Fragen oder Hilferufe unerwünscht sind.

Vielleicht wurde es schon häufig angeschrien, wenn es etwas nicht konnte. Vielleicht wurde ihm vermittelt, dass es „doch eigentlich schon groß genug“ sei. Oder es hat erlebt, dass Erwachsene genervt reagieren, wenn es Unterstützung braucht.

Dann wird Selbstständigkeit zu einer Art Schutzmechanismus.

Das Kind versucht, möglichst wenig Anlass für Kritik zu geben.

Dabei sollten Kinder wissen:

Hilfe zu brauchen ist keine Schwäche.

8. „Sorry, das wollte ich nicht.“

shutterstock

Sich zu entschuldigen ist eine wichtige Fähigkeit.

Doch manche Kinder entschuldigen sich auffällig häufig – sogar dann, wenn sie überhaupt nichts falsch gemacht haben.

Sie stoßen jemanden leicht an:

„Sorry.“

Sie erzählen etwas und bemerken einen skeptischen Blick:

„Sorry, das wollte ich nicht.“

Sie äußern eine Meinung:

„Sorry, ich wollte nichts Falsches sagen.“

Irgendwann wird die Entschuldigung zu einem Reflex.

Nicht weil das Kind tatsächlich jedes Mal etwas falsch gemacht hat, sondern weil es versucht, mögliche Konflikte bereits im Voraus zu verhindern.

Es möchte zeigen:

„Bitte werde nicht wütend auf mich.“

Das kann besonders auffällig sein, wenn ein Kind sich sogar für völlig normale Bedürfnisse entschuldigt.

Dafür, dass es etwas fragen möchte.

Dafür, dass es müde ist.

Dafür, dass es etwas nicht verstanden hat.

Dafür, dass es eine eigene Meinung hat.

Ein Kind sollte lernen, Verantwortung für seine Fehler zu übernehmen. Es sollte aber nicht lernen, sich für seine bloße Existenz oder seine Gefühle zu entschuldigen.

Fazit

Manchmal zeigen Kinder nicht direkt, dass sie sich zu Hause unwohl fühlen. Sie sagen nicht unbedingt: „Ich habe Angst, dass du mich anschreist.“

Stattdessen sagen sie vielleicht:

„Bitte sei nicht böse.“

„Ich verspreche, ich mache es nie wieder.“

„Ich mache es alleine.“

„Sorry.“

Oder:

„Vergiss einfach, was ich gesagt habe.“

Jeder dieser Sätze kann völlig harmlos sein. Erst wenn sich mehrere solcher Verhaltensweisen häufen und ein Kind auffällig ängstlich, vorsichtig oder unsicher wirkt, lohnt sich ein genauerer Blick.

Kinder brauchen keine Eltern, die niemals Fehler machen.

Sie brauchen Eltern, bei denen sie sich trotz ihrer Fehler sicher fühlen.

Denn das Ziel von Erziehung sollte nicht sein, dass ein Kind aus Angst vor Ärger alles richtig macht.

Es sollte lernen, dass es Fehler machen, daraus lernen, Fragen stellen und trotzdem wissen darf:

Ich bin hier sicher.