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6 bekannte Lügen aus unserer Kindheit, hinter denen sich überraschend einfache Erklärungen verbergen

6 bekannte Lügen aus unserer Kindheit, hinter denen sich überraschend einfache Erklärungen verbergen

Wenn Menschen an ihre Kindheit zurückdenken, erinnern sie sich häufig an bestimmte Sätze, die sie immer wieder von ihren Eltern, Großeltern oder Lehrern gehört haben. Manche dieser Aussagen sollten sie vor Gefahren schützen, andere sollten ihnen gutes Benehmen beibringen oder dafür sorgen, dass sie bestimmte Dinge möglichst schnell erledigten. Als Kinder hinterfragten wir solche Erklärungen meistens kaum, denn Erwachsene galten als Menschen, die bereits über wesentlich mehr Wissen und Lebenserfahrung verfügten.

Gerade deshalb konnten sich bestimmte Vorstellungen besonders tief einprägen. Vielleicht wurde uns erklärt, dass wir nach dem Essen keinesfalls schwimmen gehen dürften, weil dies gefährlich sei. Andere hörten regelmäßig, dass verschluckter Kaugummi jahrelang im Magen bleiben würde oder dass häufiges Schielen dazu führen könnte, dass die Augen dauerhaft in dieser Position stehen bleiben.

Solche Aussagen wurden häufig mit großer Überzeugung vorgetragen. Für Kinder gab es deshalb kaum einen Grund, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln.

Erst viele Jahre später stellten manche fest, dass zahlreiche dieser vermeintlichen Wahrheiten wissenschaftlich nicht haltbar waren oder zumindest wesentlich differenzierter betrachtet werden mussten.

Dabei bedeutet dies nicht automatisch, dass Eltern ihre Kinder bewusst täuschen wollten.

Oft hatten sie dieselben Erklärungen bereits in ihrer eigenen Kindheit gehört und betrachteten sie deshalb als selbstverständlich. Andere verwendeten bestimmte Aussagen, weil sie eine komplizierte Situation möglichst einfach erklären wollten oder verhindern wollten, dass Kinder etwas Gefährliches ausprobierten.

Gerade solche gut gemeinten Warnungen konnten jedoch dazu führen, dass sich falsche Vorstellungen über den menschlichen Körper, alltägliche Gewohnheiten und natürliche Vorgänge über mehrere Generationen verbreiteten.

1. Verschluckter Kaugummi bleibt sieben Jahre im Magen und kann dort nicht verdaut werden

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Kaum eine Warnung dürfte so vielen Menschen aus ihrer Kindheit bekannt vorkommen wie die Behauptung, dass verschluckter Kaugummi sieben Jahre lang im Magen bleiben würde.

Besonders jüngere Kinder wurden häufig eindringlich davor gewarnt, Kaugummi herunterzuschlucken.

Die Erklärung klang zunächst durchaus nachvollziehbar.

Schließlich verändert Kaugummi beim Kauen seine Konsistenz kaum und lässt sich nicht wie gewöhnliche Nahrung vollständig zerkleinern.

Deshalb erschien es vielen Menschen logisch, dass der Körper möglicherweise Schwierigkeiten damit besitzen könnte, diese Masse wieder auszuscheiden.

Doch die Vorstellung, dass Kaugummi über mehrere Jahre im Magen verbleibt, ist falsch.

Zwar kann der menschliche Verdauungstrakt bestimmte Bestandteile der Kaugummimasse nicht vollständig abbauen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie dauerhaft im Körper verbleiben.

In den meisten Fällen wird ein versehentlich verschlucktes Stück Kaugummi durch den Verdauungstrakt transportiert und schließlich mit dem Stuhl ausgeschieden.

Dieser Vorgang dauert normalerweise keine Jahre.

Dabei sollte jedoch nicht angenommen werden, dass das regelmäßige Verschlucken größerer Mengen grundsätzlich unproblematisch wäre.

Besonders bei kleinen Kindern kann das wiederholte Verschlucken erheblicher Mengen in seltenen Fällen zu Verdauungsproblemen oder sogar einem Darmverschluss beitragen.

Auch besteht beim Kaugummikauen ein mögliches Verschluckungs- oder Erstickungsrisiko, insbesondere bei sehr jungen Kindern.

Deshalb ist es durchaus sinnvoll, Kindern zu erklären, dass Kaugummi normalerweise nicht heruntergeschluckt werden sollte.

Problematisch ist jedoch die dramatische Behauptung, dass ein einzelnes verschlucktes Stück jahrelang im Magen verbleibt.

2. Wer nach dem Essen sofort schwimmen geht, riskiert gefährliche Krämpfe und kann ertrinken

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Auch die Warnung vor dem Schwimmen unmittelbar nach einer Mahlzeit gehört zu den bekanntesten Aussagen, die viele Menschen während ihrer Kindheit gehört haben.

Besonders im Sommer wurde Kindern häufig erklärt, dass sie nach dem Essen mindestens eine bestimmte Zeit warten müssten, bevor sie wieder ins Wasser dürften.

Manche Eltern bestanden auf einer halben Stunde, andere verlangten eine deutlich längere Pause.

Als Begründung wurde häufig angeführt, dass der Körper während der Verdauung besonders viel Blut für den Magen benötige.

Dadurch stehe den Muskeln angeblich nicht mehr ausreichend Energie zur Verfügung, was beim Schwimmen gefährliche Krämpfe auslösen könne.

Diese Erklärung klingt zunächst medizinisch überzeugend.

Tatsächlich verändert sich die Durchblutung verschiedener Organe im Zusammenhang mit der Verdauung.

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Schwimmen unmittelbar nach einer gewöhnlichen Mahlzeit automatisch gefährlich ist.

Es gibt keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine normale Mahlzeit allein das Risiko des Ertrinkens durch Muskelkrämpfe deutlich erhöht.

Trotzdem kann es unangenehm sein, unmittelbar nach einem besonders üppigen Essen intensive körperliche Anstrengungen zu unternehmen.

Manche Menschen verspüren dann ein unangenehmes Völlegefühl, Übelkeit oder Bauchbeschwerden.

Das gilt nicht ausschließlich für das Schwimmen, sondern ebenso für andere sportliche Aktivitäten.

Deshalb kann es sinnvoll sein, nach einer großen Mahlzeit zunächst etwas Ruhe einzuplanen, wenn man sich körperlich unwohl fühlt.

Eine starre Wartezeit ist jedoch für gesunde Menschen nach einer gewöhnlichen Mahlzeit normalerweise nicht erforderlich.

Wesentlich wichtiger für die Sicherheit beim Schwimmen sind andere Faktoren.

Dazu gehören die eigenen Schwimmfähigkeiten, die Wassertemperatur, mögliche Strömungen und die allgemeine körperliche Verfassung.

3. Wer absichtlich schielt, riskiert, dass seine Augen für immer so stehen bleiben

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Viele Kinder entdecken irgendwann, dass sie ihre Augen bewusst in unterschiedliche Richtungen bewegen oder absichtlich schielen können.

Gerade weil solche Gesichtsausdrücke ungewöhnlich aussehen, werden sie häufig beim Spielen ausprobiert.

Manche Eltern reagierten darauf mit einer besonders eindringlichen Warnung.

Sie erklärten, dass die Augen dauerhaft in dieser Position stehen bleiben könnten, wenn das Kind zu häufig schiele.

Für Kinder war diese Vorstellung möglicherweise besonders beunruhigend.

Schließlich konnten sie selbst beobachten, dass sich ihre Augen während des absichtlichen Schielens anders ausrichteten als gewöhnlich.

Die Vorstellung, diese Veränderung könnte plötzlich dauerhaft bestehen bleiben, erschien deshalb nicht vollkommen ausgeschlossen.

Tatsächlich führt gelegentliches absichtliches Schielen bei gesunden Augen jedoch normalerweise nicht dazu, dass die Augen dauerhaft in einer ungewöhnlichen Position verbleiben.

Die Augen werden durch mehrere Muskeln bewegt, deren Zusammenarbeit eine koordinierte Blickrichtung ermöglicht.

Wer kurzzeitig absichtlich schielt, verändert die Ausrichtung seiner Augen bewusst.

Sobald die Bewegung beendet wird, kehren sie normalerweise wieder in ihre gewöhnliche Stellung zurück.

Dabei ist jedoch wichtig, zwischen absichtlichem Schielen und tatsächlichen Augenfehlstellungen zu unterscheiden.

Eine dauerhafte oder wiederholt unwillkürlich auftretende Fehlstellung kann medizinische Ursachen besitzen und sollte insbesondere bei Kindern augenärztlich untersucht werden.

4. Wer bei Kälte ohne Jacke hinausgeht, bekommt automatisch eine Erkältung

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Besonders während der Herbst- und Wintermonate hörten viele Kinder regelmäßig, dass sie sich warm anziehen müssten, um nicht krank zu werden.

Vielleicht bestand die Mutter darauf, dass eine zusätzliche Jacke getragen wurde, obwohl das Kind sich eigentlich nicht besonders kalt fühlte.

Andere wurden davor gewarnt, mit nassen Haaren nach draußen zu gehen oder sich längere Zeit in einem kühlen Raum aufzuhalten.

Die dahinterstehende Vorstellung war häufig eindeutig: Wer friert, bekommt eine Erkältung.

Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen Kälte und Atemwegserkrankungen jedoch wesentlich komplexer.

Gewöhnliche Erkältungen werden durch Viren verursacht.

Dazu gehören beispielsweise Rhinoviren und verschiedene andere Krankheitserreger, die über die Atemwege übertragen werden können.

Kälte allein kann keine Virusinfektion erzeugen, wenn kein entsprechender Erreger vorhanden ist.

Deshalb bekommt ein Mensch nicht automatisch eine Erkältung, nur weil er für kurze Zeit ohne Jacke draußen unterwegs ist.

Trotzdem bedeutet dies nicht, dass niedrige Temperaturen überhaupt keinen Einfluss auf die Entstehung von Atemwegserkrankungen besitzen.

Während der kalten Jahreszeit verbringen Menschen häufig mehr Zeit gemeinsam in geschlossenen Räumen.

Dadurch können sich bestimmte Krankheitserreger leichter verbreiten.

Auch trockene Luft und temperaturabhängige Veränderungen der Atemwege können die Bedingungen beeinflussen, unter denen manche Viren übertragen werden oder Infektionen entstehen.

5. Wer seine Haare häufig schneidet oder rasiert, sorgt dafür, dass sie dicker und schneller nachwachsen

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Ein weiterer weit verbreiteter Mythos betrifft das Wachstum von Haaren.

Viele Menschen hörten bereits während ihrer Kindheit oder Jugend, dass Haare nach dem Schneiden besonders kräftig nachwachsen würden.

Andere waren überzeugt, dass regelmäßiges Rasieren dazu führen könne, dass Haare dunkler, dicker oder schneller wachsen.

Besonders während der Pubertät konnte diese Vorstellung eine wichtige Rolle spielen.

Manche Jugendliche hofften möglicherweise, durch häufiges Rasieren einen stärkeren Bartwuchs zu erreichen.

Andere befürchteten, dass das Entfernen bestimmter Körperhaare dazu führen könnte, dass diese anschließend besonders auffällig zurückkehren würden.

Tatsächlich beeinflusst das Schneiden oder Rasieren der Haare jedoch normalerweise weder ihre Wachstumsgeschwindigkeit noch die Anzahl der Haarfollikel.

Das Haarwachstum wird unter anderem durch genetische Faktoren, Hormone und den jeweiligen Wachstumszyklus bestimmt.

Beim Rasieren wird lediglich der sichtbare Teil des Haares entfernt.

Die Haarwurzel bleibt dabei grundsätzlich erhalten.

Deshalb kann das Rasieren nicht bewirken, dass plötzlich zusätzliche Haarfollikel entstehen oder die Haare dauerhaft kräftiger werden.

6. Wer zu nah vor dem Fernseher sitzt oder bei schwachem Licht liest, ruiniert dauerhaft seine Augen

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Auch die Augen waren während der Kindheit häufig Gegenstand eindringlicher Warnungen.

Viele Kinder hörten regelmäßig, dass sie sich nicht zu nah vor den Fernseher setzen dürften.

Andere wurden ermahnt, beim Lesen unbedingt ausreichend Licht einzuschalten, weil ihre Augen andernfalls dauerhaft geschädigt würden.

Solche Aussagen sollten vermutlich verhindern, dass Kinder ihre Augen unnötig belasten.

Dabei besitzen sie durchaus einen nachvollziehbaren Hintergrund.

Wer längere Zeit auf einen Bildschirm schaut oder unter ungünstigen Lichtbedingungen liest, kann vorübergehend Beschwerden entwickeln.

Dazu gehören beispielsweise müde Augen, Kopfschmerzen oder ein unangenehmes Trockenheitsgefühl.

Besonders bei intensiver Bildschirmnutzung blinzeln Menschen teilweise seltener, wodurch die Augenoberfläche stärker austrocknen kann.

Auch eine ungünstige Körperhaltung kann zusätzliche Beschwerden verursachen.

Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass das Sitzen nahe am Fernseher oder gelegentliches Lesen bei schwachem Licht die Augen dauerhaft schädigt.

Die Vorstellung, dass dadurch unmittelbar eine bleibende Sehschwäche entsteht, ist in dieser allgemeinen Form nicht korrekt.

Fazit: Viele Kindheitslügen entstanden aus gut gemeinten Warnungen, wurden aber irgendwann für Tatsachen gehalten

Die sechs beschriebenen Kindheitsmythen zeigen, wie leicht sich bestimmte Vorstellungen über mehrere Generationen verbreiten können.

Viele Menschen hörten dieselben Warnungen bereits von ihren Eltern oder Großeltern und gaben sie später selbst an ihre Kinder weiter.

Dabei wurde häufig kaum hinterfragt, ob die Aussagen tatsächlich wissenschaftlich begründet waren.

Gerade deshalb konnten sich bestimmte Erklärungen besonders lange halten.

Die Vorstellung, dass verschluckter Kaugummi sieben Jahre im Magen verbleibt, klingt für Kinder zunächst durchaus beunruhigend.

Tatsächlich wird ein versehentlich verschlucktes Stück jedoch normalerweise durch den Verdauungstrakt transportiert und wieder ausgeschieden.

Auch die Warnung vor dem Schwimmen unmittelbar nach einer Mahlzeit wurde häufig dramatischer dargestellt, als es die wissenschaftlichen Erkenntnisse rechtfertigen.