Früher hast du dich gefreut, wenn er dich abends in den Arm genommen hat.
Heute hoffst du gelegentlich, dass er einfach einschläft, bevor er auf die Idee kommt, mehr zu wollen.
Dabei liebst du ihn vielleicht noch genauso wie früher.
Ihr lacht zusammen, versteht euch gut und verbringt gerne Zeit miteinander.
Nur im Bett ist etwas anders geworden.
Seine Berührungen fühlen sich nicht mehr so selbstverständlich an, und sobald du merkst, dass er Sex möchte, bist du gedanklich schon bei der nächsten Ausrede.
„Ich bin müde“ funktioniert meistens ganz gut.
Blöd ist nur, dass du irgendwann selbst nicht mehr weißt, warum du eigentlich keine Lust hast.
Liegt es an ihm, an eurem Alltag oder hat sich bei dir etwas verändert?
Manche Frauen erleben solche Phasen nur vorübergehend, andere über Monate oder sogar Jahre.
Während der Partner sich womöglich zurückgewiesen fühlt, fragst du dich, weshalb etwas, das früher schön war, plötzlich so kompliziert geworden ist.
Dafür kann es ganz unterschiedliche Gründe geben, von denen einige mit eurer Beziehung überhaupt nichts zu tun haben.
Dein Kopf hat Feierabend noch nicht verstanden

Es ist kurz nach zehn, endlich liegst du im Bett.
Die Waschmaschine ist ausgeräumt, für morgen ist alles vorbereitet und auf dem Handy wartet noch eine Nachricht, die du eigentlich beantworten solltest.
Neben dir rückt dein Partner näher und streicht dir über den Rücken.
Eine liebevolle Geste, auf die du früher gerne eingegangen bist.
Heute denkst du nur daran, wie schön es wäre, endlich zu schlafen.
Stress kann das sexuelle Verlangen erheblich beeinflussen, besonders wenn er über längere Zeit anhält.
Dabei geht es nicht ausschließlich um einen anstrengenden Job.
Auch die vielen kleinen Dinge, die du täglich im Blick behalten musst, kosten Energie.
Arzttermine organisieren, einkaufen, Rechnungen bezahlen, an Geburtstage denken und nebenbei dafür sorgen, dass zu Hause alles läuft.
Selbst wenn dein Partner im Haushalt mithilft, kann ein großer Teil dieser unsichtbaren Planung an dir hängen bleiben.
Abends ist dann zwar endlich Ruhe, aber deine Gedanken laufen weiter.
Sex fühlt sich unter solchen Umständen schnell wie eine weitere Aufgabe an, für die du noch Energie aufbringen sollst.
Besonders schwierig wird es, wenn du das Gefühl hast, auch dabei Erwartungen erfüllen zu müssen.
Vielleicht brauchst du im Moment gar keinen romantischen Abend und auch keine besonders einfallsreiche Überraschung.
Ein paar Stunden, in denen niemand etwas von dir möchte, wären schon ziemlich schön.
Wenn die Lust über längere Zeit fehlt, lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wie viel Platz für Erholung in deinem Alltag überhaupt noch übrig ist.
Wenn zwischen euch noch etwas offen ist

Der Streit vom Wochenende ist längst vorbei.
Zumindest habt ihr aufgehört, darüber zu reden.
Er verhält sich wieder ganz normal, fragt, was ihr heute Abend essen wollt, und macht einen Witz über deine Lieblingsserie.
Nur bei dir sitzt der Ärger noch immer.
Vielleicht hat er etwas gesagt, das dich verletzt hat, oder ein Versprechen zum wiederholten Mal nicht gehalten.
Als er dich später küsst, kannst du seine Nähe kaum genießen.
Im Kopf bist du noch bei dem Gespräch, das ihr nie richtig zu Ende geführt habt.
Solche unausgesprochenen Konflikte können die Lust auf körperliche Nähe beeinflussen.
Besonders dann, wenn sich über Monate kleine Enttäuschungen ansammeln.
Du möchtest nicht ständig streiten, also schluckst du vieles herunter.
Irgendwann merkst du allerdings, dass du dich innerlich von ihm entfernst, obwohl ihr nach außen ein ganz normales Paar seid.
Sex kann diese Distanz nicht einfach verschwinden lassen.
Für manche Frauen ist es schwer, sich körperlich auf jemanden einzulassen, bei dem sie sich emotional nicht mehr richtig verstanden fühlen.
Das bedeutet keineswegs, dass nach jedem Streit erst ein ausführliches Beziehungsgespräch stattfinden muss.
Aber wenn dich seit Wochen etwas beschäftigt, hilft es wenig, so zu tun, als wäre alles wieder gut.
Vielleicht braucht ihr im Moment weniger Leidenschaft und dafür ein Gespräch, bei dem ihr euch wirklich zuhört.
Dein Körper verändert sich. Deine Lust manchmal auch.

Mit Mitte zwanzig war Sex für dich vielleicht etwas, worauf du auch nach einem langen Arbeitstag noch Lust hattest.
Zehn oder zwanzig Jahre später sieht das womöglich anders aus.
Das muss nicht an deiner Beziehung liegen.
Hormone beeinflussen das sexuelle Verlangen, und ihre Wirkung kann sich im Laufe des Lebens verändern.
Schon während des Menstruationszyklus bemerken manche Frauen deutliche Unterschiede.
An einigen Tagen haben sie mehr Lust, an anderen möchten sie lieber ihre Ruhe.
Besonders spürbar können solche Veränderungen nach einer Geburt, während der Stillzeit oder in den Wechseljahren werden.
Schlafprobleme, Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Sex machen die Sache nicht leichter.
Auch hormonelle Verhütungsmittel können bei manchen Frauen eine Rolle spielen, wobei längst nicht jede eine Veränderung bemerkt.
Wenn du früher gerne Sex hattest und dein Verlangen plötzlich deutlich nachlässt, lohnt es sich deshalb, auch an körperliche Ursachen zu denken.
Das gilt besonders, wenn du gleichzeitig neue Medikamente einnimmst oder andere Beschwerden bemerkst.
Ein Gespräch mit deiner Frauenärztin kann helfen, mögliche Zusammenhänge zu klären.
Und noch etwas wird häufig vergessen: Lust muss nicht immer von selbst auftauchen.
Bei manchen Frauen entsteht sie erst während angenehmer, freiwilliger Nähe, wenn sie sich wohlfühlen und die Berührungen genießen.
Daraus folgt allerdings nicht, dass du Sex anfangen solltest, obwohl du ihn gar nicht möchtest.
Wenn dir nach einer Umarmung ist, darf es bei einer Umarmung bleiben.
Wann hast du dich zuletzt wirklich wohl in deinem Körper gefühlt?

Du stehst vor dem Spiegel und ziehst das Kleid wieder aus, das du eigentlich anziehen wolltest.
Am Bauch sitzt es zu eng, deine Beine gefallen dir heute auch nicht besonders, und überhaupt sah das früher irgendwie besser aus.
Dein Partner bekommt davon vielleicht gar nichts mit.
Er findet dich attraktiv, sucht deine Nähe und versteht nicht, warum du dich beim Sex neuerdings lieber unter der Bettdecke versteckst.
Doch seine Komplimente kommen bei dir kaum an.
Statt seine Berührungen zu genießen, überlegst du, ob er deine Dehnungsstreifen sieht oder wie dein Bauch aussieht, wenn du dich auf die Seite drehst.
Wer ständig mit dem eigenen Aussehen beschäftigt ist, hat es schwer, sich auf angenehme Empfindungen zu konzentrieren.
Das betrifft übrigens nicht nur Frauen, die mit ihrem Gewicht unzufrieden sind.
Nach einer Schwangerschaft, einer Operation oder einer Krankheit kann sich der eigene Körper plötzlich fremd anfühlen.
Manchmal verändert sich äußerlich kaum etwas, während der Blick auf dich selbst immer kritischer wird.
Kennst du diese Momente, in denen du dich lieber beobachtest, als einfach zu genießen?
Dann könnte genau das ein Teil des Problems sein.
Du musst deinen Körper nicht jeden Tag wunderschön finden, um eine erfüllende Sexualität zu erleben.
Aber es macht einen Unterschied, ob du dich beim Sex einigermaßen wohlfühlst oder ständig Angst hast, von deinem Partner aus einem ungünstigen Winkel gesehen zu werden.
Und falls er abfällige Bemerkungen über deinen Körper macht, liegt das Problem möglicherweise nicht bei deinem Selbstbewusstsein allein.
Wenn du das Gefühl hast, Sex haben zu müssen

„Wir haben schon seit zwei Wochen nicht mehr miteinander geschlafen.“
Er sagt es vielleicht ganz beiläufig, während ihr abends auf dem Sofa sitzt.
Trotzdem weißt du sofort, worauf er hinauswill.
Du hast selbst bemerkt, dass ihr seltener Sex habt, und fühlst dich deswegen ohnehin schon schlecht.
Also nimmst du dir vor, am Wochenende endlich wieder etwas Zeit für euch einzuplanen.
Nur kommt die Lust nicht automatisch, weil du dir einen Termin dafür vorgenommen hast.
Schlimmer noch: Je häufiger du darüber nachdenkst, desto weniger möchtest du.
Manche Frauen beginnen irgendwann sogar, Küsse und Umarmungen zu vermeiden.
Dabei würdest du vielleicht liebend gerne mit ihm kuscheln, ohne anschließend erklären zu müssen, warum du keinen Sex möchtest.
Besonders belastend wird es, wenn dein Partner enttäuscht oder beleidigt reagiert, sobald du ablehnst.
Dann geht es irgendwann weniger darum, was sich gut anfühlt, und mehr darum, wie du die nächste unangenehme Situation verhindern kannst.
Sex aus schlechtem Gewissen kann dieses Problem noch verstärken.
Deshalb ist es wichtig, dass du Nein sagen kannst, ohne dich dafür rechtfertigen zu müssen und dass eine Umarmung auch einfach nur eine Umarmung sein darf!

