Nicht jeder fühlt sich in großen Gruppen wohl, liebt spontane Verabredungen oder möchte ständig unter Menschen sein.
Was für andere völlig normal ist, kann für introvertierte Menschen ziemlich anstrengend werden.
Dabei werden sie oft missverstanden.
Wer lieber zuhört, Zeit für sich braucht oder eine Einladung ausschlägt, gilt schnell als schüchtern, langweilig oder ungesellig.
Doch Introversion hat wenig damit zu tun, ob jemand Menschen mag.
Vielmehr geht es darum, wie unterschiedlich wir soziale Situationen erleben und wie viel Ruhe wir zwischendurch brauchen.
Diese sieben Dinge können introvertierte Menschen deshalb ganz schön auf die Nerven gehen:
7. Wenn plötzlich Besuch vor der Tür steht

Du hast einen freien Abend, keine Pläne und bist gerade dabei, es dir gemütlich zu machen.
Da klingelt es an der Tür.
Draußen steht eine Freundin, die zufällig in der Nähe war und sich gedacht hat, sie könnte doch kurz vorbeischauen.
Eigentlich eine nette Überraschung.
Nur leider hast du heute überhaupt keine Lust auf Gesellschaft.
Für viele introvertierte Menschen ist die eigene Wohnung ein Ort, an dem sie nach einem langen Tag abschalten können.
Hier müssen sie keine Gespräche führen, auf niemanden reagieren und sich auch nicht besonders gesellig zeigen.
Unangekündigter Besuch bringt diese Ruhe ziemlich durcheinander.
Dabei spielt es oft keine Rolle, wie gerne sie den Menschen mögen, der vor der Tür steht.
Eine gute Freundin kann genauso ungelegen kommen wie eine entfernte Bekannte.
Manche brauchen einfach ein wenig Vorlaufzeit, um sich auf Gesellschaft einzustellen.
Besonders ärgerlich wird es, wenn der Besuch dann noch beleidigt reagiert, weil die Begeisterung nicht groß genug ausfällt.
Ein kurzer Anruf vorher hätte die Situation wahrscheinlich für beide Seiten angenehmer gemacht.
Denn auch wer gerne Gäste empfängt, möchte manchmal selbst entscheiden, wann die Haustür aufgeht.
6. „Warum bist du eigentlich so still?“

Kaum sitzt du mit mehreren Leuten zusammen, kommt irgendwann diese Frage.
„Ist alles okay? Du sagst ja gar nichts.“
Dabei ist alles bestens.
Du hörst den anderen zu, findest die Gespräche interessant und hast gerade einfach nichts beizutragen.
Warum sollte das ein Problem sein?
Für introvertierte Menschen kann es ziemlich nervig werden, wenn ihre Zurückhaltung ständig kommentiert wird.
Besonders auf Familienfeiern oder in größeren Freundesgruppen scheint es manchmal eine unausgesprochene Regel zu geben: Wer dabei ist, muss auch möglichst viel reden.
Wer lieber beobachtet und zuhört, fällt plötzlich auf.
Manche versuchen dann, aus Höflichkeit mehr zu erzählen, obwohl ihnen überhaupt nicht danach ist.
Andere ziehen sich erst recht zurück, weil sie keine Lust haben, ihre Persönlichkeit vor versammelter Mannschaft zu erklären.
Das Ärgerliche daran ist die Erwartung, dass man sich rechtfertigen muss, nur weil man weniger spricht.
Schließlich fragt auch niemand den gesprächigsten Gast alle zehn Minuten, warum er eigentlich so viel redet.
Introvertierte Menschen haben durchaus etwas zu sagen.
Sie möchten nur selbst entscheiden, wann sie sich an einem Gespräch beteiligen.
Und manchmal genießen sie einen Abend auch dann, wenn sie überwiegend zuhören.
5. Smalltalk mit Menschen, die du kaum kennst

„Und, was machst du beruflich?“
„Auch so froh, dass endlich Wochenende ist?“
„Ganz schön kalt geworden, oder?“
Auf einer Feier hast du diese Fragen innerhalb einer halben Stunde schon dreimal beantwortet.
Jetzt stehst du mit einem Glas in der Hand neben jemandem, dessen Namen du bereits wieder vergessen hast, und suchst verzweifelt nach einem neuen Gesprächsthema.
Für viele introvertierte Menschen gehört Smalltalk zu den anstrengendsten Seiten gesellschaftlicher Veranstaltungen.
Nicht unbedingt, weil sie schüchtern sind oder Schwierigkeiten haben, mit Fremden zu sprechen.
Oft langweilen sie diese oberflächlichen Gespräche einfach.
Sie würden viel lieber erfahren, was jemanden wirklich beschäftigt, welche ungewöhnlichen Interessen er hat oder worüber er sich zuletzt richtig gefreut hat.
Stattdessen reden alle über das Wetter, die Arbeit und die Parkplatzsituation.
Natürlich hat Smalltalk auch seinen Sinn.
Er hilft dabei, erste Kontakte zu knüpfen, ohne gleich persönliche Fragen stellen zu müssen.
Manche introvertierte Menschen beherrschen ihn sogar ausgesprochen gut.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie ihn besonders genießen.
Wenn du nach zwanzig Minuten höflichem Geplauder lieber mit einer einzigen Person ein richtig interessantes Gespräch führen möchtest, kannst du das vermutlich gut nachvollziehen.
Manchmal ist es einfach angenehmer, gemeinsam ein paar Minuten zu schweigen, als krampfhaft das nächste unverfängliche Thema zu finden.
4. Wenn aus einem freien Wochenende plötzlich ein Gruppenprogramm wird

Freitagabend kommt eine Nachricht in der Freundesgruppe.
Für Samstag ist ein Ausflug geplant, anschließend geht es noch gemeinsam essen und später vielleicht in eine Bar.
Alle sind begeistert, die ersten Zusagen kommen sofort.
Nur du überlegst, wie du freundlich absagen kannst.
Dabei klingt der Ausflug gar nicht schlecht.
Du magst deine Freunde und hättest grundsätzlich sogar Lust, sie zu sehen.
Aber nach einer Woche voller Termine, Gespräche und Verpflichtungen hattest du dich auf zwei ruhige Tage gefreut.
Für viele introvertierte Menschen ist genau diese freie Zeit wichtig.
Sie genießen gemeinsame Unternehmungen, brauchen danach allerdings häufig eine Weile, in der sie wieder für sich sein können.
Ein komplett durchgeplantes Wochenende lässt dafür wenig Platz.
Besonders unangenehm wird es, wenn andere deine Absage persönlich nehmen.
„Jetzt komm schon, du kannst doch nicht immer zu Hause sitzen!“
Solche Kommentare machen aus einer einfachen Entscheidung plötzlich eine Diskussion.
Vielleicht wärst du gerne für zwei Stunden mitgekommen, aber eben nicht für das gesamte Programm bis Mitternacht.
Warum sollte das nicht möglich sein?
Freundschaften müssen schließlich nicht daran gemessen werden, wie viele Stunden man gemeinsam verbringt.
Manchmal ist ein gemütlicher Kaffee zu zweit viel schöner als ein ganzer Tag mit zehn Leuten, bei dem du irgendwann nur noch auf die Uhr schaust.
3. Ständig sofort antworten müssen

Du bekommst eine Nachricht, liest sie und legst das Handy wieder weg.
Gerade hast du keine Lust zu schreiben.
Vielleicht bist du mit etwas anderem beschäftigt oder möchtest einfach ein bisschen Zeit für dich haben.
Eine halbe Stunde später kommt die nächste Nachricht.
„Hallo?“
Kurz darauf: „Alles okay bei dir?“
Spätestens jetzt fühlst du dich verpflichtet, zu antworten, obwohl eigentlich überhaupt nichts Dringendes passiert ist.
Für viele introvertierte Menschen ist diese ständige Erreichbarkeit ziemlich anstrengend.
Sie mögen ihre Freunde, führen gerne lange Gespräche und interessieren sich dafür, was im Leben anderer passiert.
Allerdings möchten sie nicht jederzeit verfügbar sein.
Manchmal brauchen sie Ruhe, um ihre Gedanken zu sortieren, oder möchten eine Nachricht erst beantworten, wenn sie wirklich Zeit dafür haben.
Besonders nervig sind Gruppenchats, in denen innerhalb weniger Minuten fünfzig Nachrichten zusammenkommen und anschließend erwartet wird, dass jeder alles gelesen hat.
Wer sich nicht sofort beteiligt, bekommt schnell zu hören, dass er sich kaum noch meldet.
Dabei sagt die Geschwindigkeit einer Antwort wenig darüber aus, wie wichtig dir ein Mensch ist.
Eine Freundin, die erst am nächsten Morgen zurückschreibt, kann genauso aufmerksam und zuverlässig sein wie jemand, der innerhalb von zehn Sekunden reagiert.
2. „Du musst einfach mal aus dir herauskommen!“

Diesen Satz haben viele introvertierte Menschen schon unzählige Male gehört.
Meistens kommt er von jemandem, der es angeblich nur gut meint.
Die gesellige Kollegin empfiehlt dir, öfter auf Partys zu gehen.
Deine Freundin findet, du solltest fremde Leute einfach häufiger ansprechen.
Und irgendein Verwandter erklärt dir bei jeder Familienfeier, dass du viel zu zurückhaltend bist.
Als wäre deine Persönlichkeit eine schlechte Angewohnheit, die du dir endlich abgewöhnen solltest.
Natürlich kann es guttun, gelegentlich etwas Neues auszuprobieren und die eigene Komfortzone zu verlassen.
Aber warum wird dabei so oft vorausgesetzt, dass jeder Mensch möglichst offen, laut und kontaktfreudig sein muss?
Introvertiert zu sein bedeutet nicht, dass du Angst vor Menschen hast oder dringend selbstbewusster werden musst.
Du kannst problemlos vor anderen sprechen, neue Bekanntschaften schließen und dich in einer großen Gruppe behaupten.
Vielleicht hast du hinterher einfach das Bedürfnis, eine Weile allein zu sein.
Was besonders stört, ist die Vorstellung, dass deine ruhigere Art irgendwie verbessert werden müsste.
Schließlich fordert auch niemand einen extrovertierten Menschen ständig auf, endlich weniger zu reden und mehr Zeit allein zu verbringen.
Du darfst gerne an dir arbeiten, neue Erfahrungen sammeln und mutiger werden.
Aber du musst dafür nicht zu einem völlig anderen Menschen werden.
1. Wenn du dich dafür rechtfertigen musst, dass du gerne allein bist

„Du gehst heute wirklich nicht mit?“
„Nein, ich bleibe zu Hause.“
„Aber was machst du denn dann den ganzen Abend?“
Als wäre ein Abend ohne Gesellschaft etwas, das man besonders gut begründen müsste.
Für viele introvertierte Menschen ist Zeit allein ein ganz normaler Bestandteil ihres Lebens.
Sie lesen, hören Musik, gehen spazieren oder verbringen ein paar Stunden damit, überhaupt nichts Besonderes zu tun.
Und sie genießen es.
Trotzdem begegnen ihnen immer wieder Menschen, die sich kaum vorstellen können, freiwillig auf Gesellschaft zu verzichten.
Wer am Wochenende lieber zu Hause bleibt, gilt schnell als langweilig.
Wer alleine verreist oder ins Café geht, wird gefragt, ob er niemanden gefunden hat, der mitkommen wollte.
Dabei kann Alleinsein ausgesprochen angenehm sein, wenn man es selbst gewählt hat.
Du musst dich mit niemandem absprechen, keine Gespräche führen und kannst deinen Tag genauso gestalten, wie du möchtest.
Natürlich brauchen auch introvertierte Menschen Freundschaften und Nähe.
Wie viel Kontakt sich gut anfühlt, ist allerdings von Mensch zu Mensch verschieden.
Besonders schade ist es, wenn du irgendwann anfängst, Einladungen nur noch aus schlechtem Gewissen anzunehmen.
Dann sitzt du auf einer Feier, auf die du eigentlich keine Lust hattest, und ärgerst dich darüber, dass du nicht einfach Nein gesagt hast.
Vielleicht wäre es viel unkomplizierter, wenn wir aufhören würden, einen ruhigen Abend automatisch mit Einsamkeit zu verwechseln.
Denn manchmal ist die beste Gesellschaft tatsächlich die eigene.

