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Sie wurden verletzt – und verletzen jetzt andere: Diese Anzeichen solltest du ernst nehmen

Sie wurden verletzt – und verletzen jetzt andere: Diese Anzeichen solltest du ernst nehmen

Wenn ein Mensch, den wir lieben, von schwierigen Erfahrungen erzählt, reagieren wir normalerweise mit Mitgefühl. Wir möchten verstehen, was passiert ist, hören zu und versuchen vielleicht sogar, besonders geduldig zu sein.

Gerade in engen Beziehungen erscheint es selbstverständlich, einem Menschen zur Seite zu stehen, der verletzt wurde oder sich ungerecht behandelt fühlt.

Schwieriger wird die Situation, wenn das Gefühl, Opfer anderer Menschen zu sein, irgendwann nicht mehr nur einzelne Erlebnisse beschreibt, sondern nahezu jede Auseinandersetzung bestimmt.

Egal was passiert, die Verantwortung liegt immer woanders. Kritik wird als Angriff verstanden, Grenzen werden als Ablehnung interpretiert und selbst nach einem eigenen Fehlverhalten findet sich eine Erklärung dafür, weshalb letztlich jemand anderes schuld ist.

1. Sie führen innerlich Buch über jede Verletzung und brauchen immer wieder die Bestätigung, dass ihnen Unrecht getan wurde

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In gesunden Beziehungen passieren Verletzungen.

Menschen sagen Dinge, die sie später bereuen. Sie treffen schlechte Entscheidungen, missverstehen einander oder handeln in einem Moment egoistischer, als sie eigentlich wollten.

Damit Beziehungen solche Situationen überstehen können, braucht es die Fähigkeit, Konflikte aufzuarbeiten.

Genau das wird schwierig, wenn ein Mensch jede frühere Verletzung dauerhaft speichert.

Das kann eine Beziehung zunehmend belasten.

Denn plötzlich wird nicht mehr nur über den aktuellen Konflikt gesprochen.

Aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit wird eine Zusammenfassung der vergangenen fünf Jahre.

„Damals hast du auch schon …“ „Ich habe dir so viel verziehen.“ „Nach allem, was ich für dich getan habe …“

Der aktuelle Konflikt besitzt dadurch kaum noch eine realistische Größe.

Noch schwieriger wird es, wenn gleichzeitig ein starkes Bedürfnis besteht, dass andere ausdrücklich bestätigen, wer Opfer und wer Täter war. Der YourTango-Beitrag nennt genau dieses Verlangen nach Anerkennung des eigenen Unrechts als zweites Zeichen.

Natürlich braucht erlittenes Unrecht Anerkennung.

Menschen sollten nicht gezwungen werden, Verletzungen einfach zu vergessen.

Problematisch wird es jedoch, wenn Bestätigung nur dann akzeptiert wird, wenn sie die eigene Version vollständig bestätigt.

2. Normale Kritik fühlt sich für sie schnell wie ungerechte Behandlung oder persönliche Ablehnung an

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Kritik ist für die meisten Menschen unangenehm.

Kaum jemand freut sich darüber, auf einen Fehler hingewiesen zu werden. Besonders schwierig wird Kritik, wenn sie einen Bereich betrifft, der ohnehin mit Unsicherheit verbunden ist.

Trotzdem gehört die Fähigkeit, Rückmeldungen auszuhalten, zu gesunden Beziehungen.

Dadurch kann Kommunikation beinahe unmöglich werden.

Ein Partner sagt vielleicht: „Mich hat gestört, wie du gestern mit mir gesprochen hast.“

Die eigentliche Frage wäre nun, was passiert ist und wie beide Menschen die Situation erlebt haben.

Doch wenn Kritik automatisch als Angriff verstanden wird, entsteht möglicherweise eine vollkommen andere Diskussion.

„Du kritisierst mich ständig.“ „Dir kann ich sowieso nichts recht machen.“

„Nach allem, was ich durchgemacht habe, behandelst du mich jetzt auch noch so.“

Plötzlich muss die Person, die ursprünglich ein Problem ansprechen wollte, sich verteidigen.

Das ursprüngliche Thema verschwindet.

Diese Dynamik kann langfristig dazu führen, dass ein Partner Probleme gar nicht mehr anspricht.

3. Sie erklären ausführlich, was andere falsch gemacht haben, erkennen aber den eigenen Anteil kaum

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Fast jeder Konflikt zwischen zwei Menschen besitzt mehrere Ebenen.

Das bedeutet nicht, dass Verantwortung immer exakt gleich verteilt ist. Manchmal hat eine Person tatsächlich wesentlich mehr falsch gemacht.

Trotzdem können emotional reife Menschen normalerweise zumindest prüfen, welchen Anteil sie selbst an einer Situation hatten.

Das führt zu einem wiederkehrenden Muster.

Wenn etwas schiefläuft, beginnt sofort die Suche nach einem äußeren Verantwortlichen.

Der Partner war nicht verständnisvoll genug.

Die Kollegen waren unfair. Die Familie hat provoziert. Der Freund hat sich falsch verhalten.

Der Vorgesetzte hat etwas gegen einen. Natürlich können all diese Dinge tatsächlich passieren.

Menschen werden ungerecht behandelt. Der Unterschied liegt in der Häufigkeit.

Wenn jemand in nahezu jedem Konflikt ausschließlich Opfer der Fehler anderer ist, lohnt sich irgendwann die Frage, ob möglicherweise ein Teil der Geschichte fehlt.

Besonders schwierig kann Projektion werden.

Eigene problematische Verhaltensweisen werden dann beim Gegenüber erkannt, während dieselben Muster bei sich selbst kaum wahrgenommen werden.

4. Vergangene Verletzungen werden irgendwann zur Begründung dafür, weshalb normale Regeln für sie nicht gelten sollen

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Schwierige Erfahrungen verändern Menschen.

Wer verletzt, verlassen, betrogen oder über längere Zeit schlecht behandelt wurde, kann verständlicherweise empfindlicher auf bestimmte Situationen reagieren.

Ein liebevoller Partner darf darauf Rücksicht nehmen.

Rücksicht und Sonderregeln sind jedoch nicht dasselbe.

Die Logik dahinter lautet ungefähr: Weil mir so viel passiert ist, müssen andere besonders vorsichtig mit mir umgehen.

Bis zu einem gewissen Punkt kann das nachvollziehbar sein.

Wer bestimmte Erfahrungen gemacht hat, besitzt möglicherweise besondere Grenzen oder Bedürfnisse.

Problematisch wird es, wenn aus Verständnis eine permanente Ausnahme von Gegenseitigkeit entsteht.

Dann muss der Partner beispielsweise ständig Rücksicht nehmen, während seine eigenen Bedürfnisse weniger wichtig erscheinen.

Das Leid einer Person bekommt automatisch mehr Gewicht.

Ihre schlechten Tage rechtfertigen problematisches Verhalten.

Ihre Unsicherheit bedeutet, dass der andere ständig Sicherheit liefern muss.

Und sobald diese besondere Behandlung ausbleibt, entsteht erneut das Gefühl, unfair behandelt worden zu sein.

5. Grenzen werden als Grausamkeit erlebt und die Aufmerksamkeit anderer fühlt sich wie Konkurrenz an

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Grenzen sind ein normaler Bestandteil gesunder Beziehungen.

Ein Partner darf Zeit für sich brauchen.

Ein Freund darf nicht immer verfügbar sein.

Ein Familienmitglied darf ein bestimmtes Thema nicht besprechen wollen.

Und jeder Mensch darf entscheiden, welches Verhalten er akzeptiert.

Ein Nein wird dann nicht als Grenze verstanden. Es wird als Beweis mangelnder Liebe gelesen.

„Wenn ich dir wirklich wichtig wäre, würdest du das für mich tun.“

„Du weißt doch, was ich durchgemacht habe.“ „Du bist genauso wie alle anderen.“

Damit entsteht emotionaler Druck.

Die Person, die eine Grenze gesetzt hat, muss plötzlich beweisen, dass sie trotzdem liebt, loyal ist oder Mitgefühl besitzt.

Das macht Grenzen langfristig schwer durchsetzbar.

Besonders problematisch wird die Situation, wenn gleichzeitig Aufmerksamkeit als begrenzte Ressource erlebt wird.

Ein Partner erzählt beispielsweise von einem schlechten Tag.

Statt ihm Raum zu geben, wird das Gespräch schnell auf das eigene größere Problem gelenkt.

6. Sie halten an Groll fest und übersehen dabei zunehmend, dass auch andere Menschen verletzt werden

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Vergebung bedeutet nicht, alles zu vergessen. Ebenso bedeutet sie nicht, dass jede Beziehung nach einer schweren Verletzung fortgesetzt werden muss.

Menschen dürfen Konsequenzen ziehen. Problematisch wird es jedoch, wenn Groll zur dauerhaften Identität einer Beziehung gehört.

Dadurch kann eine Entschuldigung irgendwann ihren Sinn verlieren. Egal was der andere sagt oder verändert, die Schuld bleibt bestehen.

Das schafft ein Machtungleichgewicht.

Wer dauerhaft als Schuldiger behandelt wird, muss immer wieder beweisen, dass er seine Fehler bereut.

Gleichzeitig erhält die andere Person eine Position, aus der sie ihr eigenes späteres Verhalten leichter rechtfertigen kann.

„Nach dem, was du mir angetan hast, kannst du dich jetzt nicht beschweren.“ So wird vergangener Schmerz zur Währung für gegenwärtige Konflikte.

Besonders deutlich wird das Problem beim letzten Zeichen des Ausgangsartikels: dem Übersehen des Leids anderer.

Wenn ein Mensch so stark mit der eigenen Opfergeschichte beschäftigt ist, kann es immer schwieriger werden, wahrzunehmen, dass auch sein Verhalten andere verletzt.

Der Partner sagt vielleicht, dass er erschöpft ist. Doch statt Mitgefühl zu bekommen, hört er, weshalb die andere Person es noch viel schwerer hat.

Er spricht über eine Verletzung innerhalb der Beziehung.

Die Antwort besteht aus einer Erinnerung daran, was er vor Monaten selbst falsch gemacht hat. Damit gibt es irgendwann kaum noch Raum für seine Gefühle.

Genau hier zeigt sich möglicherweise einer der wichtigsten Unterschiede zwischen tatsächlicher Verletzlichkeit und einer dauerhaft problematischen Opferhaltung.

Ein verletzter Mensch kann trotzdem Mitgefühl für andere besitzen. Er kann sagen: „Mir wurde Unrecht getan“ und gleichzeitig anerkennen: „Und hier habe ich dir Unrecht getan.“

Er kann Unterstützung brauchen und trotzdem verstehen, dass sein Partner ebenfalls Bedürfnisse besitzt.

Eine problematische Opferidentität funktioniert anders. Sie benötigt häufig eine klare Rollenverteilung. Einer leidet. Der andere ist verantwortlich.

Sobald diese Rollen infrage gestellt werden, gerät das gesamte Selbstbild unter Druck.

Fazit: Wirkliches Leid und problematische Opferhaltung können gleichzeitig existieren

Bei diesem Thema besteht eine große Gefahr darin, zu schnell zu urteilen.

Ein Mensch kann tatsächlich verletzt worden sein.

Er kann schwere Erfahrungen gemacht haben.

Andere Menschen können ihn ungerecht behandelt haben.

Und trotzdem kann er später Verhaltensweisen entwickeln, die wiederum andere verletzen.

Diese beiden Wahrheiten schließen sich nicht gegenseitig aus.

Genau deshalb ist es problematisch, jedes schwierige Verhalten ausschließlich mit früherem Leid zu rechtfertigen.

Wer dagegen dauerhaft nur erkennt, was andere falsch gemacht haben, jede Grenze als Angriff erlebt und selbst in den Schmerzen seines Partners hauptsächlich einen Anlass findet, über das eigene Leid zu sprechen, schafft eine Beziehung, in der irgendwann nur noch eine Perspektive wirklich Platz besitzt.