Eine Scheidung trifft dich. Punkt. Egal, ob du sie wolltest oder nicht, egal ob du dachtest, dass du bereit bist – plötzlich ist alles anders, und du fühlst dich oft wie auf einem Karussell, das einfach nicht anhalten will.
Die Mischung aus Trauer, Wut, Unsicherheit und Leere kann überwältigend sein. Kein Wunder, dass so viele versuchen, sich irgendwie abzulenken.
Man nimmt ein Stück Kuchen mehr, trinkt ein Glas Wein zu viel, scrollt stundenlang durchs Handy oder stürzt sich in die Arbeit. Kurzfristig fühlt es sich nach Erleichterung an, aber langfristig hält es dich nur fest.
Wenn du dich selbst betäubst, passiert etwas, das viele nicht merken: Du blockierst nicht nur den Schmerz, sondern auch alles andere.
Freude, Spaß, gute Laune – all das wird leiser, weil du deinem Kopf und deinem Körper sagst, dass es besser ist, nichts zu fühlen.
Und irgendwann merkst du, dass du zwar funktionierst, aber nicht wirklich lebst. Die Heilung beginnt genau dann, wenn du dich traust, die Betäubung loszulassen und wieder wirklich zu fühlen.
Es ist völlig verständlich, dass du dich zunächst ablenken willst. Manchmal fühlt es sich sicherer an, sich mit allem Möglichen zu beschäftigen, statt den eigenen Gefühlen ins Auge zu sehen.
Doch genau diese Momente der Vermeidung halten dich fest. Jeder kleine Kick, der dich ablenkt, macht dich kurzfristig glücklich, aber langfristig bleibst du dort stecken, wo du gerade bist.
1. Gefühle zulassen, ohne dich selbst fertigzumachen

Der erste Schritt ist eigentlich ziemlich simpel, auch wenn er sich komisch anfühlt: Lass die Gefühle da sein, ohne dich dafür zu beschimpfen.
Du darfst traurig sein, wütend, enttäuscht oder auch einfach planlos. Das macht dich nicht schwach. Es macht dich menschlich.
Wenn du diese Gefühle annimmst, verlieren sie langsam ihre Macht über dich. Sie werden nicht weniger echt, aber sie nehmen dir nicht mehr die Kontrolle.
Stell dir vor, du sitzt auf deinem Sofa, denkst an all die kleinen Momente, die jetzt fehlen, und die Tränen laufen einfach. Das ist okay.
Es bedeutet nicht, dass du scheiterst oder dass du es nicht packst. Es bedeutet nur, dass du echt bist.
Und genau diese Echtheit ist die Basis dafür, wieder zu dir selbst zu finden.
Je öfter du dir erlaubst, diese Emotionen zu fühlen, desto leichter wird es, und irgendwann bemerkst du: Der Schmerz ist da, aber er steuert nicht mehr mein Leben.
Manchmal hilft es, Gefühle aufzuschreiben, laut auszusprechen oder jemandem anzuvertrauen, dem du vertraust.
Du wirst merken, dass die Last kleiner wird, wenn sie nicht mehr nur in deinem Kopf herumschwirrt. Es geht nicht darum, sie perfekt zu verarbeiten, sondern sie zu akzeptieren.
2. Erkenne, wann du dich selbst betäubst

Es ist erstaunlich, wie viele kleine Momente wir unbewusst nutzen, um nicht zu fühlen.
Vielleicht merkst du, dass du immer wieder aufs Handy schaust, um nicht allein zu sein, oder dass du dich mit Essen oder Arbeit ablenkst.
Das ist normal, wirklich. Aber genau diese Muster solltest du erkennen, um bewusst dagegensteuern zu können.
Vielleicht fällt es dir auf, dass du an Tagen, an denen du besonders traurig bist, plötzlich Dinge kaufst, die du nicht brauchst, oder bis spät in die Nacht Serien schaust.
Das ist ein Versuch, den Schmerz wegzuschieben. Und es funktioniert kurzfristig. Aber jedes Mal, wenn du das machst, verpasst du die Chance, dich selbst wirklich zu spüren und zu verstehen, was gerade in dir vorgeht.
Wenn du beginnst, diese Muster zu beobachten, bekommst du ein Stück Kontrolle zurück.
Du kannst dich bewusst entscheiden, ob du jetzt wirklich den Impuls bedienst oder ob du ihn einfach anerkennst und trotzdem anders handelst.
Vielleicht entscheidest du dich, einen Freund anzurufen, spazieren zu gehen oder einfach eine halbe Stunde nur zu sitzen und zu atmen.
Es sind kleine Entscheidungen, die sich summieren und dir zeigen: Ich habe die Kontrolle über mein Leben, auch wenn gerade alles auseinanderfällt.
3. Schmerz ist doof, aber er zeigt dir, wo es hingeht

Schmerz ist unangenehm. Kein Mensch mag ihn gern, und doch steckt darin oft das, was dir wirklich helfen kann.
Wer den Schmerz ausblendet, verpasst die Chance zu verstehen, was einem wirklich fehlt oder was man in Zukunft nicht mehr will.
Wer ihn zulässt, merkt nach und nach: Ich kann das aushalten, ich kann Entscheidungen treffen, die mir gut tun, und ich bin stärker, als ich dachte.
Oft merkt man das an kleinen Momenten. Vielleicht sitzt du in der Küche, denkst an einen alten Streit oder an das, was schiefgelaufen ist, und anstatt zu flüchten, atmest du tief durch.
Plötzlich spürst du: Es tut weh, aber es ist nicht das Ende der Welt. Diese Momente sind wie Mini-Trainings für deine Seele.
Sie zeigen dir, dass du es aushalten kannst, dass du Verantwortung für deine Gefühle übernehmen kannst und dass Heilung möglich ist.
Schmerz ist also nicht dein Feind, sondern ein Lehrer, der dir hilft zu verstehen, wer du bist und was du willst.
4. Vergangenheit loslassen, Zukunft nicht fürchten

Eines der größten Probleme nach einer Scheidung ist die ständige Wiederholung der alten Gedanken. „Was hätte ich anders machen sollen?“ oder „Was, wenn alles wieder schiefgeht?“ – diese Fragen halten dich in einer Endlosschleife gefangen.
Die Vergangenheit kannst du nicht ändern, und die Zukunft lässt sich nicht kontrollieren. Alles, was zählt, ist der Moment, in dem du gerade bist.
Wenn du lernst, diesen Moment zu akzeptieren, ohne ihn mit alten Fehlern oder Sorgen zu belasten, bekommst du Klarheit.
Vielleicht merkst du, dass es dir gut tut, morgens bewusst einen Kaffee zu trinken, ohne aufs Handy zu schauen, oder dass ein Spaziergang an der frischen Luft Wunder wirkt.
Loslassen bedeutet nicht, dass dir egal ist, was war, sondern dass du entscheidest, es nicht mehr über dein Handeln bestimmen zu lassen.
Das gibt dir Raum für Neues, für kleine Schritte, die dir guttun, für Entscheidungen, die wirklich zu dir passen.
Fazit
Wenn du diese vier Punkte bewusst lebst, merkst du nach und nach, dass du wieder atmen kannst, dass Freude wieder möglich ist und dass du Entscheidungen triffst, die dir wirklich guttun.
Betäubung hält dich fest, Gefühle befreien dich. Heilung passiert nicht über Nacht, aber sie passiert.
Du musst den Weg nicht perfekt gehen, du musst ihn nur gehen. Schritt für Schritt.
Eines Tages wirst du zurückblicken und merken, dass du nicht zerbrochen bist, sondern stärker, klarer und wieder ganz bei dir selbst.
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