Manche Mythen sind so alt, dass wir sie kaum noch hinterfragen und sie sich wie selbstverständliche Wahrheiten anfühlen.
Wir haben sie als Kinder gehört, von Eltern, von Lehrern oder irgendwo aufgeschnappt, und sie haben sich festgesetzt, nicht weil sie wahr sind, sondern weil sie oft genug wiederholt wurden.
Das Kuriose daran ist, dass viele dieser Behauptungen logisch klingen und irgendwie plausibel wirken, als würden sie Sinn machen, obwohl sie wissenschaftlich längst widerlegt sind.
Und trotzdem erzählen wir sie weiter, fast automatisch, als würden sie zum Allgemeinwissen gehören, als müsste jeder sie einfach kennen.
Hier sind einige dieser Klassiker, die sich hartnäckig halten, obwohl sie schlicht nicht stimmen und die Wahrheit oft viel weniger dramatisch ist.
9. Verschluckter Kaugummi bleibt sieben Jahre im Körper

Dieser Mythos hat Generationen von Kindern nervös gemacht und viele beim Verschlucken von Kaugummi in echte Panik versetzt.
Die Vorstellung, dass ein verschluckter Kaugummi jahrelang im Körper klebt und dort einfach liegen bleibt, klingt gruselig genug, um echte Angst auszulösen.
In Wahrheit kann der menschliche Körper Kaugummi zwar nicht verdauen, das stimmt, doch er behandelt ihn wie alles andere, was unverdaulich ist.
Der Körper transportiert ihn ganz normal durch das Verdauungssystem und scheidet ihn innerhalb weniger Tage wieder aus, genau wie andere unverdauliche Bestandteile.
Der Kaugummi bleibt also nicht hängen, sammelt sich nicht an und verklebt auch nichts im Inneren, selbst wenn dieses Bild sich hartnäckig im Kopf hält.
Was tatsächlich bleiben kann, ist nur die irrationale Angst, die dieser Mythos über Jahre hinweg eingeprägt hat.
8. Knöchelknacken verursacht Arthritis

Fast jeder hat diesen Satz schon einmal gehört, oft begleitet von einem warnenden Blick oder erhobenem Zeigefinger von Menschen, denen dieses Geräusch schlicht auf die Nerven geht.
Das laute Knacken der Finger wirkt ungesund, fast so, als würde man sich selbst Schaden zufügen oder die Gelenke langfristig zerstören.
Deshalb glauben viele, dass Knöchelknacken zwangsläufig zu Arthritis führen muss.
Studien haben jedoch immer wieder gezeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen Knöchelknacken und Arthritis gibt und diese Warnung wissenschaftlich nicht haltbar ist.
Das Geräusch entsteht durch Gasbläschen in der Gelenkflüssigkeit, die platzen, wenn du deine Finger dehnst, nicht durch beschädigte Knochen oder Knorpel.
Für andere mag das Knacken störend sein, doch für deine Gelenke ist es deutlich harmloser, als sein Ruf vermuten lässt.
Du kannst dir also weiterhin die Finger knacken, ohne deine Gesundheit zu gefährden oder dir Sorgen machen zu müssen.
7. Blitze schlagen nie zweimal an derselben Stelle ein

Dieser Mythos klingt beinahe poetisch, als würde die Natur selbst für Abwechslung sorgen und sagen, dass einmal genug sei.
In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall, und das ist deutlich weniger tröstlich.
Blitze treffen bevorzugt hohe, freistehende Objekte, und wenn ein Ort diese Bedingungen erfüllt, kann er sogar besonders häufig getroffen werden.
Berühmte Bauwerke wie Hochhäuser oder Fernsehtürme werden teilweise dutzende Male im Jahr vom Blitz getroffen, nicht nur ein einziges Mal.
Der Blitz sucht sich also nicht jedes Mal einen neuen Ort, sondern folgt physikalischen Bedingungen wie Leitfähigkeit und Höhe, nicht einem romantischen Naturgesetz der Fairness.
6. Rasieren lässt Haare dicker und dunkler nachwachsen

Dieser Mythos hält sich erstaunlich hartnäckig, vor allem weil er sich auf den ersten Blick scheinbar bestätigen lässt.
Nach dem Rasieren fühlen sich die nachwachsenden Haare oft kräftiger, dunkler oder härter an, als hätte der Körper auf den Rasierer reagiert.
In Wirklichkeit liegt das daran, dass das Haar an seiner dicksten Stelle abgeschnitten wird und mit einer stumpfen Kante nachwächst, statt mit einer feinen Spitze.
Weder Farbe, Anzahl noch tatsächliche Dicke der Haare verändern sich durch Rasieren, das ist biologisch schlicht nicht möglich.
Was hier entsteht, ist eine optische Täuschung und eine Wahrnehmungsfrage, keine körperliche Veränderung, vor der du dich fürchten müsstest.
5. Zucker macht Kinder hyperaktiv

Viele Eltern sind überzeugt, dass Süßigkeiten Kinder regelrecht aufdrehen und ein Stück Kuchen genügt, um aus einem ruhigen Kind einen Wirbelwind zu machen.
Ein paar Bonbons, und plötzlich scheint die Energie zu explodieren, als würde das Kind an der Decke kleben.
Studien zeigen jedoch immer wieder, dass Zucker selbst keinen nachweisbaren Einfluss auf Hyperaktivität hat.
Was hier tatsächlich wirkt, ist meist die Situation: Geburtstagsfeiern, Aufregung, viele Menschen, Emotionen, Erwartung und Freiheit.
Dieses lebhafte Verhalten wird dem Zucker zugeschrieben, obwohl es in Wahrheit die Umgebung ist, die Kinder so aktiv werden lässt.
Zucker wird damit zum einfachen Sündenbock für ein viel komplexeres Zusammenspiel aus Emotion und Situation.
4. Man verliert den Großteil der Körperwärme über den Kopf

Dieser Mythos führt dazu, dass viele Menschen im Winter zwar eine Mütze tragen, den Rest des Körpers jedoch kaum schützen.
Die Idee klingt logisch, weil der Kopf oft unbedeckt ist und man dort Kälte besonders stark wahrnimmt.
Tatsächlich verliert der Körper dort Wärme, wo er ungeschützt ist, egal ob am Kopf, an den Armen oder an den Beinen.
Der Kopf ist nicht besonders im Wärmeverlust, er fällt nur stärker auf, weil er exponiert ist und sensibler reagiert.
Eine Mütze hilft natürlich, aber sie ist kein magischer Wärmespeicher für den ganzen Körper und kein Garant für vollständigen Wärmeschutz.
Der Wärmeverlust hängt von der ungeschützten Fläche ab, nicht von der Position am Körper.
3. Zucker vor dem Schlafengehen hält dich wach

Viele Menschen glauben, dass Zucker stimulierend wirkt und dich besonders abends in einen Zustand innerer Unruhe versetzt.
Das Bild von Kindern, die nach Süßigkeiten herumrennen, ist so tief verankert, dass es automatisch auf den Schlaf übertragen wird.
Die Forschung zeigt jedoch, dass Zucker selbst nicht wach hält und keine chemische Wirkung hat, die Schlaf verhindert.
Was passieren kann, ist ein kurzfristiger Energieschub, der jedoch nicht anhält und nicht zwingend den Schlaf beeinflusst.
Oft ist es die Erwartung selbst, die dich wach hält, weil dieser Mythos fest im Kopf sitzt, nicht der Zucker.
2. Schwimmen nach dem Essen verursacht Krämpfe

Dieser Klassiker wird häufig mit warnendem Blick weitergegeben, als würde Schwimmen nach dem Essen automatisch gefährlich sein.
Die Annahme dahinter ist, dass der Körper beim Verdauen keine Energie mehr für die Muskeln übrig habe.
In Wirklichkeit laufen Verdauung und Bewegung parallel ab, dein Körper stellt keine Funktion komplett ab.
Du kannst also problemlos schwimmen gehen, nachdem du gegessen hast, höchstens mit einem leichten Unwohlsein bei sehr vollem Magen.
Dass sich dieser Mythos hält, liegt daran, dass Krämpfe im Wasser vorkommen können und das Essen im Nachhinein als Erklärung dient.
1. Haarewaschen während der Periode verstärkt Blutungen

Dieser Mythos ist vor allem in älteren Kulturen verbreitet und sitzt bei vielen Menschen tief verankert.
Die Vorstellung dahinter ist, dass warmes Wasser die Blutung verstärkt und dem Körper schadet.
Medizinisch ist jedoch klar, dass Haarewaschen während der Periode völlig unbedenklich ist.
Warmwasser hat keinen Einfluss auf die Menstrualblutung und bringt den Hormonhaushalt nicht durcheinander.
Dieser Mythos wurde aus Schutzgedanken weitergegeben, ist jedoch schlicht unwissenschaftlich.
Schlussgedanke
Mythen überleben nicht, weil sie wahr sind, sondern weil sie sich gut erzählen lassen und leicht zu merken sind.
Sie verbinden sich mit Emotionen und Warnungen, die wir früh gehört haben, lange bevor wir gelernt haben, kritisch zu hinterfragen.
Manchmal reicht ein einziger Moment des Zweifelns, um einer alten Überzeugung ihre Macht zu nehmen.
Es fühlt sich ungewohnt an, etwas loszulassen, das lange als Wahrheit gegolten hat, doch genau darin liegt Freiheit.
Nicht alles, was oft wiederholt wird, ist richtig, aber alles, was wir hinterfragen, bringt uns näher an das, was wirklich stimmt.
Und genau dafür lohnt es sich, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren.

