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Gaming als Geheimnisfehler im Lebenslauf – und keiner spricht darüber

Gaming als Geheimnisfehler im Lebenslauf – und keiner spricht darüber

Wenn du dich um einen Job bewirbst, geht es um mehr als nur Noten, Erfahrung und Qualifikationen. Viele Personaler schauen auch auf Dinge, die auf den ersten Blick nichts mit dem Job zu tun haben.

Dazu gehören auch Hobbys und Interessen, die du in deinem Lebenslauf aufführst oder im Vorstellungsgespräch erwähnst. Man würde meinen, dass Hobbys einfach nur etwas Persönliches sind, etwas, das zeigt, wer du bist und was dir Spaß macht.

Aber die Wahrheit ist: Nicht jedes Hobby wird gleich bewertet. Und das kann gerade dann schwierig sein, wenn du gerne Videospiele spielst.

Eine neue Studie zeigt, dass Menschen, die in Bewerbungen angeben, dass sie „Gaming“ als Hobby haben, im Schnitt als weniger anstellbar eingeschätzt werden als Kandidaten mit „klassischeren“ Hobbys wie Mannschaftssport oder ehrenamtliches Engagement.

Bei dieser Untersuchung wurden fiktive Bewerbungen verglichen, die sich nur im Hobby unterschieden. Die einzige wirkliche Abweichung war: Eine Bewerbung hatte „Gaming“ stehen, die andere „Volleyball“ oder ein anderes soziales Hobby.

Und während der Volleyball-Bewerber schlicht besser bewertet wurde, erhielt der Gamer-Bewerber schlechtere Einschätzungen zu Motivation, Teamfähigkeit und potenzieller Leistung im Job.

Diese Ergebnisse zeigen, wie tief einige Vorurteile selbst in professionelle Entscheidungen eingebettet sind. 

Was an einer Nebensache wie „Hobby“ liegen sollte, wird damit plötzlich zu einem echten Hindernis.

Es geht nicht darum, dass Spielen per se schlecht ist oder dass jemand, der spielt, nicht fähig wäre.

Vielmehr entstehen automatisch Assoziationen im Kopf vieler Menschen, die mit dem Bild des typischen Gamers verbunden werden – und diese Assoziationen gelten nach wie vor als negativ oder zumindest weniger relevant für den Arbeitskontext. 

Und das ist nicht nur ein kleines Paradox, sondern etwas, das viele mit Leidenschaft spielende Menschen ernsthaft betreffen kann, wenn sie sich gerade in ihrer Karriere befinden oder wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen wollen.

1. Warum manche Personaler Gaming negativ sehen

Das Videospiel für jedes Sternzeichen
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Wenn du jetzt denkst, dass dieser Ausschluss einfach nur unfair ist, dann hast du recht. Doch um zu verstehen, warum das passiert, müssen wir uns anschauen, wie viele Entscheidungsträger im Personalwesen ticken.

Viele Personaler sind in einer älteren Generation aufgewachsen, in der Videospiele als Zeitverschwendung oder als etwas Unproduktives galten.

Diese Vorstellungen haben sich bis heute in manchen Köpfen gehalten, auch wenn Gaming längst Mainstream ist und Milliarden erwirtschaftet. 

Ein weiterer Punkt ist, dass Gaming oft als nicht messbar wahrgenommen wird. Sportarten, Musikunterricht, kreative Hobbys oder soziale Tätigkeiten lassen sich leichter im Bewerbungsprozess einordnen.

Da sind klare Vorstellungen da: Teamfähigkeit, Disziplin, Durchhaltevermögen. All das kann man schnell verbinden mit bekannten Aktivitäten.

Beim Gaming hingegen denken viele Leute immer noch zuerst an Stunden vor dem Bildschirm, vielleicht sogar alleine und isoliert, und sie verbinden das unbewusst mit geringer Produktivität oder mangelnder sozialer Kompetenz. 

Diese Wahrnehmung wird verstärkt dadurch, dass die meisten Gaming-Fähigkeiten nicht offiziell zertifiziert sind. Du kannst bei einem Sportverein schreiben, wie lange du spielst, mit welchem Team, vielleicht sogar welche Turniere du gewonnen hast.

Beim Gaming fehlt oft dieser strukturierte Kontext. Ohne ihn kann ein Personalverantwortlicher schnell denken, dass es nur Spaß oder „Zeit totschlagen“ ist, statt eine Fähigkeit, die dein Leben bereichert oder dich als Menschen wachsen lässt. 

Es ist wichtig zu betonen, dass es hier nicht um böse Absicht geht. Viele Recruiter glauben einfach, sie machen das Richtige, weil sie ein Profil suchen, das „zur Unternehmenskultur passt“ und nicht „zu viel Freizeit mit Videospielen verbringt“.

Aber dieser Gedanke ist genau das, was viele Gamer-Bewerber benachteiligt.

2. Die andere Seite: Wo Gaming einen echten Vorteil bringen kann

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Doch so negativ, wie es zuerst klingt, ist das Ganze nicht nur schlecht. Die Realität ist, dass sich gerade in einigen Berufsfeldern die Sicht auf Gaming bereits deutlich verändert hat.

Vor allem in Bereichen wie IT, Software-Entwicklung, Design, Projektmanagement oder auch Data-Analyse können die Kompetenzen, die beim Gaming entstehen, einen echten Mehrwert darstellen.

Spiele schulen nämlich Fähigkeiten wie schnelle Anpassung an neue Situationen, strategisches Denken, Zusammenarbeit im Team und Reaktion unter Druck.

Einige Arbeitgeber sehen diese Talente mittlerweile als Pluspunkt an, wenn sie richtig vermittelt werden. 

Es gibt Unternehmen, die aktiv nach Menschen suchen, die zeigen, dass sie Spielen nicht nur als Freizeitaktivität sehen, sondern als eine Art Training für Problemlösungsfähigkeiten und kreative Herangehensweisen.

Dort wird Gaming nicht als Hobby abgetan, sondern als etwas, das hilft, Herausforderungen zu meistern und im Team zu funktionieren.

Außerdem hat Gaming selbst eine riesige Branche hervorgebracht, die vom klassischen Spiel über E-Sport bis zur Community-Entwicklung reicht.

Menschen spielen nicht mehr nur, sie arbeiten als Streamer, Entwickler, Tester, Designer, Moderator oder Veranstalter. Dieses Ökosystem schafft echte Jobs und echte Skills, die direkt in die Arbeitswelt übertragen werden können. 

Also ist es ein Fehler zu glauben, dass Gaming immer ein Hindernis ist. Vielmehr ist es so, dass noch nicht alle Arbeitgeber den Wandel in der Wahrnehmung mitgemacht haben.

Viele stecken noch in alten Denkmustern fest, während andere längst erkannt haben, dass Leidenschaft und Engagement, egal in welchem Bereich, wertvoll sein können.

3. Was du tun kannst, wenn du gerne spielst

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Wenn du selbst gerne spielst und dich fragst, wie das deine Jobsuche beeinflussen könnte, dann gibt es ein paar Dinge, die du bedenken solltest. Zuerst einmal musst du dir bewusst machen, dass ein Hobby so wie jedes andere ist.

Es zeigt etwas über dich, aber es definiert dich nicht vollständig.

Wenn du Gaming angeben willst, dann überlege dir, wie du es formulieren kannst, sodass es positive Aspekte hervorhebt.

Statt einfach nur „Gaming“ zu schreiben, kannst du erklären, welche Skills du dabei gelernt hast und wie diese konkret etwas mit dem Job zu tun haben könnten. Das erfordert etwas Übung, aber es macht einen Unterschied. 

Und falls du manchmal das Gefühl hast, dass Menschen dein Hobby komisch finden, dann ist das verständlich. Viele Menschen beurteilen Dinge, die sie nicht gut kennen, zuerst mal vorschnell.

Das passiert auch bei anderen Hobbys, die vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken. Der Trick ist, sich selbst treu zu bleiben, aber auch bewusst zu kommunizieren, was du wirklich kannst.

Niemand verlangt von dir, dass du dich komplett verbiegst. Aber ein bisschen Klarheit über deine Stärken, die aus dem Gaming kommen, kann dir helfen, ernst genommen zu werden.

Fazit: Gaming ist heute so weit verbreitet wie viele klassische Hobbys

Dennoch gibt es in der Arbeitswelt noch Vorurteile, die dafür sorgen, dass Menschen mit einem Gaming-Hobby manchmal schlechter bewertet werden als andere Bewerber.

Das liegt weniger an der Aktivität selbst und mehr daran, wie sie von anderen wahrgenommen wird.

Wenn du spielst, bedeutet das nicht, dass du unproduktiv oder unsozial bist, auch wenn manche so denken.

Was zählt, ist, wie du darüber sprichst und was du daraus machst. Gaming kann ein echtes Plus sein, wenn du deine Fähigkeiten klar erklärst und sie in den Kontext der Arbeit setzt.

Die Welt verändert sich, und langsam, aber sicher, erkennen immer mehr auch die positiven Aspekte dieses Hobbys.