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Völlig normale Dinge, für die wir uns viel zu oft schämen

Völlig normale Dinge, für die wir uns viel zu oft schämen

Es ist das 21. Jahrhundert.

Über Selbstliebe und Selbstbestimmung wird überall gesprochen. Eine Binde auf dem Weg zur Toilette tragen? Lieber schnell im Ärmel verschwinden lassen.

Im Restaurant fällt die Wahl eigentlich auf das günstigere Gericht, doch plötzlich kommt der Gedanke: Sieht das jetzt geizig aus?

Die Tränen lassen sich nicht länger zurückhalten und ausgerechnet jetzt sitzen andere Menschen daneben.

Peinlich.

Aber warum eigentlich?

Schwitzen, weinen, seine Meinung ändern, kein Geld für etwas haben oder schlicht keine Lust auf etwas haben – nichts davon ist ein persönliches Versagen.

Trotzdem reicht manchmal schon ein fremder Blick, und man möchte sich erklären, entschuldigen oder am liebsten kurz unsichtbar werden.

Dabei sind viele dieser vermeintlich peinlichen Momente ziemlich banal.

Der Körper macht, was Körper eben machen.

Gefühle halten sich nicht an den Terminkalender.

Das Konto interessiert sich nicht dafür, was andere von der günstigeren Bestellung halten. Und ein Nein wird nicht höflicher, nur weil danach noch zehn Ausreden folgen.

Zeit also, 7 Dinge von der persönlichen Peinlichkeitsliste zu streichen.

1. Nein sagen

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„Kannst du am Samstag kurz helfen?“

Du hast keine Zeit. Eigentlich auch keine Lust.

Aus deinem Mund kommt trotzdem: „Ja, klar.“

Ein Nein fühlt sich erstaunlich schnell unhöflich an, besonders gegenüber Menschen, die etwas erwarten: Familie, Freunde, Kollegen oder der eigene Chef.

Also wird zugesagt, verschoben und irgendwie noch Platz im Kalender geschaffen. Oder das Nein bekommt vorsichtshalber eine halbe Lebensgeschichte als Begründung mitgeliefert.

Dabei ist „Ich kann nicht“ ein vollständiger Satz.

Genauso wie „Ich möchte nicht“.

Du musst deinen Urlaub nicht verkürzen, auf ein Date gehen, das dich überhaupt nicht interessiert, oder jeden Gefallen übernehmen, nur damit jemand anderes nicht enttäuscht ist.

Ein Nein macht dich weder egoistisch noch schwierig.

Es bedeutet lediglich, dass auch deine Zeit und deine Entscheidungen dir gehören.

2. Einen Fehler machen

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Falsche Entscheidung getroffen. Etwas Wichtiges vergessen. Im Job Mist gebaut. Einer Person vertraut, bei der längst alle Alarmglocken hätten klingeln sollen.

Herzlichen Glückwunsch, du bist ein Mensch.

Trotzdem können eigene Fehler noch Jahre später unangenehm sein. Besonders dann, wenn man heute genau weiß, wie man es hätte besser machen können.

Nur ist das ein ziemlich unfairer Vergleich.

Die Person von heute beurteilt eine Entscheidung, die eine frühere Version von dir mit weniger Erfahrung, anderen Informationen und vielleicht völlig anderen Umständen getroffen hat.

Natürlich gibt es Fehler, für die man Verantwortung übernehmen und sich entschuldigen sollte.

Sich deshalb dauerhaft zu schämen, macht sie allerdings nicht ungeschehen.

Ein Fehler darf irgendwann einfach das sein, was er ist: etwas, das du heute anders machen würdest.

Mehr Beweis dafür, dass du etwas gelernt hast, braucht es eigentlich nicht.

3. Sich für die günstigere Variante entscheiden

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„Für mich nur das Wasser.“

Und plötzlich hast du das Bedürfnis zu erklären, dass du gar keinen Durst hast, vorher schon etwas getrunken hast oder heute einfach nichts anderes möchtest.

Hauptsache, niemand denkt, dass du auf den Preis schaust.

Dabei ist es völlig egal, ob du gerade sparen möchtest, dir die teurere Variante nicht leisten kannst oder schlicht keine Lust hast, 18 Euro für einen Cocktail auszugeben.

Dein Kontostand ist kein Statussymbol, das du vor anderen verteidigen musst.

Und Geld für etwas zu haben, bedeutet noch lange nicht, dass du es dafür ausgeben möchtest.

Wer deshalb die Nase rümpft, verrät am Ende ohnehin mehr über den eigenen Umgang mit Geld als über deinen.

Bestell das Wasser.

Nimm die günstigeren Schuhe.

Sag, dass dir etwas zu teuer ist.

Dein Geld muss niemanden beeindrucken – außer vielleicht dein zukünftiges Ich, wenn am Monatsende noch etwas davon übrig ist.

4. Gefühle eingestehen

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„Ich mag dich.“

Drei kleine Worte, die plötzlich gefährlicher wirken können als ein komplettes Vorstellungsgespräch.

Denn was, wenn die andere Person nicht dasselbe empfindet?

Was, wenn es danach unangenehm wird? Oder du dich noch tagelang fragst, warum du nicht einfach den Mund gehalten hast?

Eine Zurückweisung kann wehtun. Daran gibt es nichts schönzureden.

Sich zu jemandem hingezogen zu fühlen, ist deshalb aber noch lange nicht peinlich – auch dann nicht, wenn diese Gefühle nicht erwidert werden.

Viel frustrierender ist es, monatelang jede Nachricht, jeden Blick und jedes „Bis bald“ zu analysieren, ohne jemals wirklich zu wissen, woran man ist.

Nicht jedes Geständnis endet in einer großen Liebesgeschichte.

Der eine sagt Ja.

Der andere nicht.

In beiden Fällen weißt du wenigstens, woran du bist, statt die ganze Beziehung nur in deinem Kopf zu führen.

5. In der Öffentlichkeit weinen

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Tränen haben ein erstaunliches Talent dafür, genau dann zu kommen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.

Im Büro. In der Bahn. Im Restaurant. Mitten in einem Gespräch, bei dem du dir fest vorgenommen hattest, ganz ruhig zu bleiben.

Und dann beginnt dieser verzweifelte Kampf: schnell blinzeln, tief durchatmen, nach oben schauen und bloß hoffen, dass es niemand bemerkt.

Als wäre Weinen etwas, bei dem man erwischt werden könnte.

Natürlich fühlt es sich verletzlich an, vor anderen die Kontrolle zu verlieren. Trotzdem ist daran nichts Beschämendes.

Du musst nicht erst allein im Badezimmer stehen, damit Traurigkeit, Überforderung oder sogar Erleichterung plötzlich herausdürfen.

Und nein, du schuldest auch nicht jedem Menschen, der deine Tränen sieht, sofort eine Erklärung.

Manchmal kommen die Tränen eben genau im denkbar schlechtesten Moment.

Dann darf eine Träne auch einfach eine Träne sein.

6. Periode

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Die Binde wird in der Handfläche versteckt. Der Tampon wandert unauffällig in die Hosentasche. Auf dem Weg zur Toilette soll schließlich niemand sehen, was da gerade transportiert wird.

Dabei wissen ziemlich viele Menschen ohnehin, was ungefähr einmal im Monat passiert.

Die Periode ist kein schmutziges Geheimnis und auch nichts, wofür man sich diskret aus dem Raum schleichen müsste.

Das gilt übrigens auch für die weniger eleganten Seiten davon.

Ein Fleck auf der Hose ist unangenehm. Schmerzen können einen ganzen Tag ruinieren. Und manchmal muss man eben eine Kollegin oder eine völlig fremde Frau fragen, ob sie zufällig einen Tampon dabeihat.

Peinlich ist daran nichts.

Der eigene Körper hat schließlich keinen Grund, sich an gesellschaftliche Vorstellungen davon zu halten, was gerade diskret, hübsch oder passend wäre.

Also darf die Binde auf dem Weg zur Toilette ruhig sichtbar bleiben.

Es weiß sowieso jeder, wofür sie da ist.

7. Schwitzen

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Graues T-Shirt im Sommer?

Mutige Entscheidung.

Denn kaum zeichnet sich der erste Schweißfleck ab, beginnt bei vielen schon das diskrete Kontrollprogramm: Arme lieber unten lassen, im Spiegel nachsehen und hoffen, dass niemand etwas bemerkt hat.

Dabei schwitzt jeder Mensch.

Beim Sport, bei Hitze, vor einem wichtigen Termin, in einer überfüllten Bahn oder einfach, weil der Körper gerade beschlossen hat, seine Temperatur zu regulieren.

Das kann unangenehm sein. Ungepflegt ist es deshalb noch lange nicht.

Schweißflecken unter den Armen sind kein Charakterfehler, eine glänzende Stirn kein Grund, sich zu verstecken.

Natürlich darfst du Deo benutzen, dein Shirt wechseln oder dich frisch machen, wenn du dich damit wohler fühlst.

Aber du musst dich nicht dafür schämen, dass dein Körper etwas tut, wofür er gemacht ist.

Und wenn das graue T-Shirt dabei ein paar dunkle Flecken bekommt?

Dann hat es den Sommer eben auch mitbekommen.