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5 Phasen, die viele Menschen nach einer schwierigen Kindheit durchleben

5 Phasen, die viele Menschen nach einer schwierigen Kindheit durchleben

Lange denkst du vielleicht, deine Kindheit wäre eigentlich gar nicht so schlimm gewesen.

Andere hatten schließlich auch strenge Eltern. In jeder Familie wurde gestritten. Und dass dein Vater nie gesagt hat, dass er stolz auf dich ist, macht ihn noch lange nicht zu einem schlechten Vater.

Also redest du dir vieles klein.

Du erzählst eine lustige Geschichte darüber, wie du schon mit zwölf ziemlich selbstständig warst. Du erwähnst lieber nicht, dass du damals selbstständig sein musstest, weil sich sonst einfach niemand gekümmert hätte.

Erst später merkst du, dass manche Dinge, die für dich völlig normal waren, für andere überhaupt nicht normal sind.

Vielleicht passiert das in einer Beziehung. Vielleicht bei Freunden. Oder an einem ganz gewöhnlichen Sonntag, an dem du beobachtest, wie jemand mit seinen Eltern telefoniert, und plötzlich denkst: So kann das also auch sein.

Eine schwierige Kindheit verarbeitet man selten in einem einzigen großen Moment.

Oft kommt die Erkenntnis Stück für Stück.

Und ungefähr so können sich diese fünf Phasen anfühlen.

1. Erst einmal verteidigst du Menschen, die gar nicht im Raum sind

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Jemand fragt dich nach deiner Kindheit und bevor du überhaupt erzählst, was passiert ist, erklärst du schon deine Eltern.

„Meine Mutter hatte es selbst nicht leicht.“

„Mein Vater musste viel arbeiten.“

„So war das damals eben.“

Vielleicht stimmen all diese Sätze sogar.

Nur fällt dir irgendwann auf, dass du ziemlich viel Energie darauf verwendest, das Verhalten anderer Menschen verständlich zu machen.

Deine eigene Seite der Geschichte kommt dabei kaum vor.

Du erzählst, warum deine Mutter ständig gereizt war, aber nicht, wie es sich angefühlt hat, als Kind jeden Nachmittag an ihrer Stimmung abzulesen, ob du heute besser leise sein solltest.

Du weißt, warum dein Vater emotional nicht besonders zugänglich war. Schließlich war sein eigener Vater genauso.

Was das mit dir gemacht hat, hast du dich dagegen selten gefragt.

Das kann lange funktionieren.

Vor allem, wenn du als Kind gelernt hast, dass Verständnis sicherer ist als Wut.

Sobald du zugibst, dass etwas wehgetan hat, taucht allerdings eine unangenehme Frage auf: Was wäre gewesen, wenn ich damals tatsächlich mehr verdient hätte?

Mit dieser Frage beginnt meistens etwas, das sich nicht mehr ganz zurückdrehen lässt.

2. Dann siehst du plötzlich Dinge, die du früher völlig normal fandest

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Diese Phase kann ziemlich seltsam sein.

Du sitzt bei einer Freundin am Küchentisch und ihre Mutter ruft an.

Keine Kontrolle. Kein Streit. Kein genervtes Seufzen, bevor sie rangeht.

Die beiden reden fünf Minuten über irgendeinen Kuchen, lachen kurz und legen wieder auf.

Für deine Freundin war das wahrscheinlich einfach irgendein Telefonat mit ihrer Mutter.

Du denkst auf dem Heimweg noch daran.

Dabei geht es gar nicht darum, dass du unbedingt dieselbe Mutter haben möchtest.

Du hast gerade etwas gesehen, von dem du gar nicht wusstest, dass es dir gefehlt hat.

Solche Momente können überall auftauchen.

Ein Freund ruft seinen Vater an, weil sein Auto komische Geräusche macht, und geht selbstverständlich davon aus, dass er helfen wird.

Jemand erzählt, dass er nach einer Trennung ein paar Tage bei seinen Eltern geschlafen hat.

Eine Kollegin sagt nebenbei, dass ihre Mutter ihr Geld geliehen hat, als es einmal knapp war.

Für andere sind das Nebensätze.

Für dich können sie sich anfühlen wie kleine Fenster in ein Familienleben, das du nie hattest.

Und plötzlich vergleichst du.

Nicht aus Neid.

Du beginnst einfach zu verstehen, dass manches, was du jahrelang als normale Kindheit bezeichnet hast, vielleicht nur deine Version von normal war.

3. Irgendwann wirst du wütend und erschrickst vielleicht selbst darüber

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Traurigkeit lässt sich manchmal leichter akzeptieren als Wut.

Traurig darf man sein.

Wütend auf die eigenen Eltern zu sein, fühlt sich für viele Menschen dagegen fast verboten an.

Also kommt sofort das schlechte Gewissen hinterher.

Sie haben doch auch viel für mich getan.

Andere hatten es schlimmer.

Meine Mutter hat mich auf ihre Art geliebt.

Mein Vater wusste es eben nicht besser.

All das kann gleichzeitig wahr sein.

Ein Mensch kann dir schöne Erinnerungen geschenkt und dich trotzdem an anderen Stellen tief verletzt haben.

Deine Eltern können selbst eine schwierige Geschichte haben und trotzdem für Dinge verantwortlich sein, die sie dir zugemutet haben.

Das eine löscht das andere nicht aus.

Vielleicht bist du plötzlich wütend darüber, dass du schon als Kind der Vernünftige sein musstest.

Darüber, dass niemand gemerkt hat, wie schlecht es dir ging.

Oder darüber, dass heute von dir erwartet wird, so zu tun, als wäre längst alles vergessen, nur weil zwanzig Jahre vergangen sind.

Diese Wut macht dich nicht undankbar.

Oft zeigt sie nur, dass du zum ersten Mal aufhörst, ausschließlich die anderen zu verstehen.

4. Du hörst auf, jedem deine Familiengeschichte erklären zu wollen

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Am Anfang möchtest du vielleicht noch, dass andere es verstehen.

Warum du Weihnachten nicht nach Hause fährst.

Warum du deine Mutter nur einmal im Monat anrufst.

Warum dein Vater deine Adresse nicht kennt.

Dann kommt jemand mit einem Satz wie: „Aber es ist doch deine Familie.“

Und plötzlich stehst du da und sollst zwanzig Jahre in fünf Minuten erklären.

Du erzählst etwas, hörst ein „Das hat sie bestimmt nicht so gemeint“ und merkst, wie du innerlich schon wieder bei zwölf verschiedenen Beispielen bist, mit denen du beweisen könntest, dass es eben doch so war.

Irgendwann hast du darauf keine Lust mehr.

Du musst niemandem eine PowerPoint-Präsentation über deine Kindheit halten, damit deine heutige Entscheidung gültig wird.

Menschen, die mit liebevollen Eltern aufgewachsen sind, betrachten Familie häufig aus ihrer eigenen Erfahrung heraus.

Für sie bedeutet Mutter vielleicht Sicherheit.

Für dich bedeutet dasselbe Wort womöglich Anspannung.

Keines davon ist deshalb weniger wahr.

Du musst deine Geschichte nicht schöner erzählen, damit sie für andere leichter auszuhalten ist.

Und du musst auch nicht jedes Mal die komplette Akte öffnen, nur weil jemand deine Grenze nicht sofort versteht.

5. Irgendwann geht es weniger um deine Eltern und immer mehr um dich

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Das ist oft der ruhigste Teil.

Du beschäftigst dich nicht mehr jeden Tag damit, warum deine Eltern so waren, wie sie waren.

Du möchtest auch nicht mehr unbedingt die eine Erklärung finden, nach der plötzlich alles Sinn ergibt.

Stattdessen bemerkst du andere Dinge.

Wie schnell du dich entschuldigst, obwohl du gar nichts falsch gemacht hast.

Wie schwer es dir fällt, jemanden um Hilfe zu bitten.

Wie nervös du wirst, wenn ein Mensch, den du liebst, plötzlich stiller ist als sonst.

Oder dass du bei jedem kleinen Fehler sofort damit rechnest, dass jemand enttäuscht von dir sein könnte.

Langsam merkst du, dass es auch anders gehen darf.

Es ist okay, Hilfe zu brauchen, ohne sich deshalb wie eine Belastung zu fühlen.

Ein Nein braucht nicht jedes Mal eine halbstündige Erklärung.

Und du kannst Menschen nah an dich heranlassen, ohne dabei deine eigenen Grenzen aufzugeben.

Vor allem musst du nicht dein ganzes Erwachsenenleben damit verbringen, die Kindheit nachzuholen, die du gerne gehabt hättest.

Sie war, wie sie war.

Das bedeutet aber nicht, dass jede Beziehung in deinem Leben genauso funktionieren muss.

Du wartest nicht mehr darauf, dass jemand aus deiner Vergangenheit endlich zu dem Menschen wird, den du damals gebraucht hättest.

Du schaust viel genauer darauf, welche Menschen heute tatsächlich gut mit dir umgehen.