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Die verborgenen Gründe, warum Narzissten zum Alkohol greifen

Die verborgenen Gründe, warum Narzissten zum Alkohol greifen

Manche trinken, um abzuschalten oder einen Moment leichter zu machen.

Bei narzisstischen Menschen ist Alkohol jedoch selten harmlos, sondern fast immer ein Mittel, um innerer Leere auszuweichen.

Wer längere Zeit an der Seite eines Narzissten lebt, spürt, dass sich mit dem ersten Glas etwas verändert, noch bevor Worte fallen.

Der Blick wird leerer, der Ton kälter, und eine Spannung entsteht, die sich nicht erklären lässt, aber sofort fühlbar ist.

Was viele erst spät erkennen, ist die enge Verbindung zwischen Narzissmus und Alkohol, die aus derselben inneren Quelle stammt.

Beides dient dazu, das zu betäuben, was nüchtern nicht ausgehalten wird.

Kontrolle, die sich nur anders anfühlt

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Kontrolle spielt im inneren System eines Narzissten eine zentrale Rolle, weil sie ihm ein Gefühl von Sicherheit gibt, das er aus sich selbst heraus nicht herstellen kann.

Sicherheit entsteht dabei nicht durch Vertrauen oder emotionale Nähe, sondern durch das Empfinden, Situationen lenken, Gespräche steuern und Menschen in berechenbaren Bahnen halten zu können.

Alkohol wirkt nach außen wie ein Verlust dieser Kontrolle, während er innerlich genau das Gegenteil bewirkt und Verantwortung verschiebt, statt sie aufzulösen.

Im Rausch bekommen Worte, Handlungen und Grenzüberschreitungen nachträgliche Erklärungen, die entlasten, ohne etwas zu verändern.

Verletzende Bemerkungen lassen sich als Missverständnisse darstellen, Wutausbrüche als Stressreaktionen erklären und respektloser Tonfall auf einen schlechten Zustand schieben.

Nicht der Charakter wird dadurch infrage gestellt, sondern der Alkohol, während das eigene Selbstbild unangetastet bleibt.

Die emotionale Last dieser Verschiebung landet vollständig beim Gegenüber, das beginnt, das eigene Erleben zu relativieren, obwohl der Körper längst signalisiert, dass etwas nicht stimmt.

Wenn die Maske keine Kraft mehr hat

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Im Alltag investieren viele Narzissten enorme Energie darin, souverän, überlegen oder charmant zu wirken, weil diese Fassade sie vor der Konfrontation mit dem eigenen Inneren schützt.

Diese Maske hält jedoch nur so lange, wie genügend Kontrolle vorhanden ist, um Gefühle, Impulse und innere Spannungen im Griff zu behalten.

Alkohol nimmt genau diese Kraft, indem er Hemmungen senkt und die Fähigkeit zur Selbstregulation schwächt.

Zum Vorschein kommt dann nicht eine neue Seite, sondern das, was immer schon vorhanden war und nur mühsam zurückgehalten wurde.

Innere Kälte, latente Wut, Gereiztheit oder unterschwellige Verachtung treten deutlicher hervor und treffen besonders jene Menschen, die emotional am nächsten stehen.

Für Partner ist dieser Moment schmerzhaft, weil er bestätigt, dass das diffuse Unbehagen all die Zeit kein Missverständnis war, sondern ein stilles Wissen, das lange verdrängt wurde.

Du wirst angesehen, ohne wirklich gesehen zu werden, und angesprochen, ohne dass Verbindung gesucht wird.

Grenzen werden überschritten, ohne inneren Widerstand, und Verletzungen geschehen, ohne dass sie innerlich noch gebremst werden.

Trotzdem bleibt häufig die Hoffnung bestehen, dass all das nur der Alkohol sei und nichts mit der eigentlichen Persönlichkeit zu tun habe.

Die gefährlichste Hoffnung in solchen Beziehungen

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Eine der größten inneren Fallen in Beziehungen mit narzisstischen Trinkern ist die Vorstellung, es gäbe zwei Versionen derselben Person.

Der liebevolle, zugewandte Mensch ohne Alkohol scheint dabei dem verletzenden, abwertenden oder kalten Gegenüber im Rausch gegenüberzustehen.

Diese Trennung wirkt beruhigend, weil sie erklärt, warum man bleibt, wartet und immer wieder verzeiht.

In den meisten Fällen handelt es sich dabei jedoch um eine Illusion, die mehr schützt als heilt.

Alkohol erschafft keinen anderen Menschen, sondern nimmt ihm lediglich die Kraft, sich weiter zu kontrollieren und bestimmte Seiten zu verbergen.

Was im Rausch sichtbar wird, ist nicht das Gegenteil seiner Persönlichkeit, sondern ihr ungefilterter Kern.

Alkohol als Ersatz für Selbstbegegnung

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Wo andere lernen, mit Unsicherheit, Scham oder innerer Leere umzugehen, greift der Narzisst zur Betäubung.

Dieser Griff entsteht selten aus Bosheit, sondern aus der Unfähigkeit, sich selbst auszuhalten.

Sich wirklich zu begegnen würde bedeuten, Verantwortung zu übernehmen, für das eigene Verhalten, für alte Verletzungen und für den Schmerz, den man anderen zufügt.

Alkohol verhindert genau diese Begegnung, indem er Gefühle abdämpft, Bewusstsein verschiebt und innere Spannung nach außen verlagert.

So wird er Teil eines inneren Systems, das darauf ausgelegt ist, Nähe zu vermeiden und Konfrontation zu umgehen.

Warum du ihn nicht retten kannst

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Vielleicht hast du geglaubt, Liebe, Geduld oder Verständnis könnten etwas verändern.

Alkohol und Narzissmus sind jedoch keine Beziehungsprobleme, sondern tief verankerte innere Strukturen.

Innere Muster lassen sich nicht durch Nähe heilen und nicht durch Aufopferung auflösen.

Solange jemand nicht bereit ist, sich selbst ohne Betäubung zu begegnen, wird er weiter ausweichen, projizieren und Verantwortung abgeben.

Die Schuld bleibt dabei konsequent bei anderen.

Schlussgedanke

Ein Narzisst trinkt nicht, weil er schwach ist, sondern weil er sich selbst nicht aushält.

Der Griff zum Alkohol entsteht dort, wo jede ehrliche Begegnung mit der eigenen Innenwelt vermieden werden muss.

Betäubung fühlt sich leichter an als Ehrlichkeit, vor allem dann, wenn Ehrlichkeit Verantwortung verlangen würde.

Dein Bleiben war kein Zeichen von Naivität, sondern Ausdruck von Hoffnung und dem Wunsch, hinter der Fassade doch noch etwas Echtes zu finden.

Hoffnung entsteht oft dort, wo man an Echtheit glaubt, auch wenn sie nur in kurzen Momenten aufblitzt.

Doch Echtheit lässt sich nicht erzwingen, nicht herbeilieben und nicht durch Geduld herstellen.

Echte Veränderung beginnt erst, wenn jemand bereit ist, sich selbst ohne Ausreden, ohne Alkohol, ohne Schuldumkehr und ohne Schutzmechanismen zu begegnen.