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Warum du manche Menschen sofort nicht magst – die Wissenschaft erklärt es

Warum du manche Menschen sofort nicht magst – die Wissenschaft erklärt es

Manchmal sitzt du neben jemandem und irgendetwas in dir sagt dir ganz laut, dass du diese Person nicht magst, bevor sie überhaupt ein Wort gesagt hat.

Etwas stimmt nicht, auch wenn du es nicht erklären kannst, auch wenn nichts konkret Unangenehmes passiert ist, auch wenn das Gespräch höflich und scheinbar normal verläuft.

Du gehst nach Hause und spürst dieses leise Unbehagen, dieses diffuse Gefühl, dass du innerlich auf Abstand gegangen bist, dass ein Teil von dir sich weigert, wirklich präsent zu sein, ohne genau zu wissen, warum.

Es ist nicht rational, es ist vielleicht nicht fair, aber es ist da, dieser innere Widerstand, diese innere Tür, die sich zuschließt.

Viele glauben, Abneigung sei oberflächlich oder unfair, ein Zeichen von Vorurteilen oder mangelnder Offenheit, ein Charakterfehler, etwas, das du einfach nicht haben solltest.

Doch die Wissenschaft zeigt etwas ganz anderes, etwas viel Interessanteres, etwas, das dir über dich selbst sagt, nicht über die andere Person.

Unsere Sympathien und Antipathien entstehen nicht zufällig, nicht weil jemand dich beleidigt hat, sondern sind tief in unserem Gehirn, unseren Erfahrungen und unseren emotionalen Schutzmechanismen verankert.

Das unbewusste Urteil

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Manchmal ist es nicht das, was jemand sagt, sondern das, was zwischen den Worten liegt, das dich innerlich auf Abstand gehen lässt.

Das, was ungesagt bleibt, die Energie, die von dieser Person ausgeht, etwas, das dein Bewusstsein noch nicht erfasst hat, aber dein Körper längst kennt.

Noch bevor dein Verstand Gründe formuliert, hat dein Körper längst reagiert, mit einem leichten Ziehen im Bauch, mit innerer Unruhe, mit dem Drang, deine Grenzen zu schützen, mit dem Wunsch, das Gespräch möglichst schnell zu beenden.

Die Wissenschaft zeigt, dass unser Gehirn soziale Eindrücke in Sekundenbruchteilen bewertet, in weniger als einer Sekunde, lange bevor wir bewusst darüber nachdenken, ob wir jemanden mögen oder nicht.

Dabei werden Tonfall analysiert, die Mimik beobachtet, die Haltung des anderen registriert, und sogar kleinste Verzögerungen im Sprechen werden unbewusst erfasst und mit früheren Erfahrungen verglichen.

Dein Nervensystem arbeitet wie eine Antennenschüssel, die ständig Signale empfängt, und du merkst meist gar nicht, wie viel Information dein Gehirn verarbeitet hat, bis es dir ein Gefühl mitteilt.

Abneigung hat oft mit deiner eigenen Geschichte zu tun

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Ein häufiger Grund, warum uns bestimmte Menschen unsympathisch sind, liegt nicht in ihnen, sondern in dem, was sie in uns auslösen, in den Ecken deiner eigenen Vergangenheit, die sich plötzlich öffnen.

Wenn jemand dich unbewusst an eine Person erinnert, die dich früher verletzt hat, die dich kontrolliert hat, die dich beschämt hat, reagiert dein Nervensystem sofort, ohne dass du es verhindern könntest, ohne dass dein bewusster Verstand das steuern könnte.

Selbst wenn die aktuelle Situation objektiv harmlos ist, selbst wenn diese Person nichts getan hat, um dich zu verletzen, reagierst du, als würde es gerade passieren.

Du reagierst dann nicht auf das Jetzt, sondern auf etwas Altes, das sich meldet, das sich erinnert, ohne dass du es bewusst abrufen musst.

Diese Form der emotionalen Erinnerung ist extrem stark, ist körperlich, ist real und erklärt, warum Ablehnung manchmal so plötzlich und scheinbar grundlos entsteht, warum du jemanden mit der gleichen Intensität ablehnen kannst wie die Person, die dir damals wehgetan hat.

Es ist nicht fair, es ist nicht rational, aber es ist sehr menschlich.

Was dich stört, kann ein Spiegel deiner eigenen inneren Konflikte sein

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Psychologisch gesehen reagieren wir besonders empfindlich auf Eigenschaften, die wir an uns selbst ablehnen, Eigenschaften, die wir lange unterdrückt haben oder bewusst bekämpfen.

Wenn jemand laut wirkt und du laute Menschen nicht magst, wenn jemand unsicher wirkt und du Unsicherheit hasst, wenn jemand dominant oder emotional abhängig wirkt, kann das innere Widerstände auslösen, tiefe innere Widerstände.

Denn es erinnert uns an Anteile, die wir selbst nie leben durften, die wir verbieten, die wir unterdrücken, oder an Anteile, die wir an uns bekämpfen, weil wir sie für schlecht halten.

Diese Abwehr fühlt sich dann an wie Ablehnung der anderen Person, wie echtes Unbehagen, ist aber oft ein Schutz vor unangenehmen Selbstanteilen, ein Schutz davor, uns selbst in dieser Person zu sehen.

Das macht die Reaktion nicht falsch, nicht ungerechtfertigt, aber erklärbar, verstehbar.

Es ist wie ein Spiegel, und manche Spiegel zeigen dir Dinge, die du nicht sehen willst.

Unser Gehirn liebt Vorhersagbarkeit und reagiert empfindlich auf Widersprüche

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Menschen, deren Verhalten nicht zu ihren Worten passt, deren Körpersprache unstimmig wirkt, die eine Sache sagen, aber etwas anderes ausstrahlen, oder deren Reaktionen schwer einzuschätzen sind, lösen häufig Unbehagen aus.

Das ist nicht böse gemeint, das ist nicht unfair, das ist dein Gehirn, das versucht, die Welt zu verstehen, das versucht, die Realität vorherzusagen.

Die Forschung zeigt, dass unser Gehirn Sicherheit mit Berechenbarkeit verbindet, und sobald diese fehlt, sobald du nicht wissen kannst, was jemand als Nächstes tun wird, schaltet es auf Distanz.

Dieses Gefühl äußert sich nicht immer als Angst, nicht immer als klare Angst, sondern oft als diffuse Antipathie, als inneres „Mit dir stimmt etwas nicht“, ohne dass man es konkret benennen kann.

Dabei ist es weniger ein Urteil über den Menschen als ein automatischer Schutzmechanismus, etwas, das dein Körper tut, um dich zu schützen, um zu verhindern, dass du verletzlich wirst gegenüber jemandem, dessen Verhalten du nicht einschätzen kannst.

Ähnlichkeit schafft Nähe, Unterschiedlichkeit kostet Energie

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Wir fühlen uns instinktiv wohler mit Menschen, die uns ähneln, nicht physisch ähneln, sondern innerlich.

Menschen, die dein Tempo haben, die deinen Humor verstehen, bei denen du dich nicht erklären musst, die deinen Kommunikationsstil teilen, die ähnlich emotional offen sind wie du.

Mit diesen Menschen ist es leicht, ist es entspannt, ist es, als würde man atmen.

Fehlt diese Resonanz, wirkt selbst ein höfliches Gespräch anstrengend, wirkt es leer, wirkt es gezwungen, als würdest du dich selbst spielen.

Das bedeutet nicht, dass der andere etwas falsch macht, nicht, dass du intolerant bist, sondern dass eure inneren Rhythmen nicht zusammenfinden, dass eure Frequenzen nicht übereinstimmen.

Abneigung ist in diesem Fall oft nichts anderes als ein Mangel an Verbindung, als das Gefühl, dass du dich anstrengen musst, um bei dieser Person zu sein.

Und das ist ein echtes Signal, ein Signal, das du hören kannst.

Stress verstärkt Abneigung und senkt unsere Toleranz

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In Phasen emotionaler Überforderung, wenn du bereits erschöpft bist, wenn dein Nervensystem bereits angespannt ist, reagieren wir sensibler auf alles, was uns sonst vielleicht egal wäre.

Ein Blick, ein Kommentar oder eine Geste können dann plötzlich viel stärker wirken, weil dein System bereits am Rand ist, weil du keine Kapazität mehr hast, Dinge zu geben.

Was an einem guten Tag neutral erscheint, was du ignorieren würdest, fühlt sich in stressigen Zeiten bedrohlich an, wirkt nervig, wirkt anstrengend.

Die Wissenschaft zeigt klar, dass emotionale Erschöpfung unsere soziale Wahrnehmung verzerrt, dass wir nicht neutral sehen können, wenn wir bereits leer sind.

Das ist wichtig zu wissen, weil es dir zeigt, dass deine Abneigung nicht immer etwas über die andere Person aussagt, sondern manchmal nur über deinen Zustand.

Abneigung ist kein Charakterfehler, sondern ein Signal

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Nicht jede Abneigung ist gerechtfertigt, aber fast jede hat einen Ursprung, einen Grund, eine Geschichte.

Sie ist selten oberflächlich und fast nie zufällig, sondern ein Zusammenspiel aus Erfahrung, Erinnerung, Schutz und inneren Grenzen, die du gezogen hast, um sicher zu bleiben.

Manchmal zeigt sie dir, wo du vorsichtig bist, was du vermeiden willst oder was du noch nicht verarbeitet hast.

Manchmal ist sie einfach ein Hinweis darauf, dass nicht jeder Mensch in dein inneres Leben passt, dass nicht alle deine Grenzen respektieren können, dass es völlig okay ist, dich zu schützen.

Und das ist vollkommen in Ordnung, das ist nicht gemein, das ist Selbstschutz.

Was du daraus lernen kannst

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Wenn du beginnst, deine Abneigungen nicht sofort zu verurteilen, nicht als Mangel zu sehen, sondern neugierig zu betrachten, als würden sie eine andere Sprache sprechen, gewinnst du etwas sehr Wertvolles.

Du gewinnst Selbsterkenntnis, ein Verständnis dafür, wer du bist, was du brauchst, was dir wehtut.

Du lernst, zwischen echtem Bauchgefühl und alten Mustern zu unterscheiden, zwischen echtem Schutz und Projektion, zwischen dem, was diese Person wirklich ist, und dem, was sie für dich repräsentiert.

Und genau dort entsteht emotionale Reife, nicht darin, dass du jeden magst, nicht darin, dass du deine Grenzen auflöst, um nett zu sein.

Emotionale Reife entsteht darin, zu verstehen, warum du es nicht tust, was diese Abneigung dir über dich selbst sagt, und dann die Wahl zu treffen, ob du etwas daran ändern möchtest oder nicht.

Das ist echte Reife.