Zwischen den Generationen gab es wahrscheinlich schon immer Diskussionen. Die Älteren finden die Jüngeren zu empfindlich, zu bequem oder zu anders. Die Jüngeren wiederum fragen sich, warum ältere Menschen so an Dingen festhalten, die für sie längst nicht mehr funktionieren.
Bei der Generation Z fällt dieser Unterschied besonders auf. Sie ist mit Smartphones, sozialen Medien und einer völlig anderen Arbeitswelt aufgewachsen als die Generation der Babyboomer. Gleichzeitig musste sie in einer Zeit erwachsen werden, in der vieles unsicherer geworden ist: Wohnen ist teuer, viele Jobs verlangen immer mehr und gleichzeitig ist das Leben durch soziale Medien ständig öffentlich.
Trotzdem hält sich ein ziemlich einfaches Bild von Gen Z: Sie seien faul, hätten keine Lust zu arbeiten, könnten nicht richtig mit anderen Menschen reden und würden jede andere Meinung sofort ablehnen.
Das Problem ist nur: So einfach ist es nicht.
Natürlich gibt es junge Menschen, die sich wenig anstrengen. Das gab es bei den Babyboomern genauso wie bei Millennials oder jeder anderen Generation. Eine ganze Generation anhand solcher Eigenschaften zu beurteilen, sagt deshalb meistens mehr über Vorurteile als über die Menschen selbst aus.
Hinter vielen Verhaltensweisen der Gen Z steckt nämlich eine andere Realität, als ältere Generationen sie erlebt haben.
1. „Die sind einfach faul“

Das dürfte wohl einer der bekanntesten Vorwürfe sein.
Wenn ein junger Mensch nicht bereit ist, jeden Abend Überstunden zu machen, am Wochenende erreichbar zu sein oder einen Job zu behalten, in dem er schlecht behandelt wird, heißt es schnell:
„Die Jugend von heute will einfach nicht arbeiten.“
Dabei bedeutet eine andere Einstellung zur Arbeit nicht automatisch, dass jemand faul ist.
Die Generation Z ist in eine Arbeitswelt hineingewachsen, in der viele klassische Versprechen nicht mehr so selbstverständlich wirken wie früher. Ein Job bedeutet nicht automatisch finanzielle Sicherheit. Ein Hochschulabschluss garantiert nicht unbedingt ein gutes Einkommen. Gleichzeitig sind Mieten, Lebensmittel und viele andere Dinge teurer geworden.
Für viele junge Menschen lautet die Frage deshalb nicht mehr nur:
„Wie bekomme ich irgendeinen Job?“
Sondern:
„Wie kann ich arbeiten und trotzdem noch ein Leben außerhalb der Arbeit haben?“
Das ist ein ziemlich großer Unterschied.
Viele junge Menschen wollen durchaus Karriere machen. Sie möchten Geld verdienen, sich etwas aufbauen und beruflich erfolgreich sein. Sie möchten aber nicht unbedingt ihr komplettes Leben einem Arbeitgeber unterordnen.
Und ehrlich gesagt ist das nicht unbedingt eine schlechte Einstellung.
Wer nach einem Arbeitsplatz sucht, an dem er respektvoll behandelt wird, faire Arbeitszeiten hat und trotzdem noch Zeit für Familie, Freunde und sich selbst besitzt, ist nicht automatisch faul.
Vielleicht hat sich einfach die Vorstellung davon verändert, was ein gutes Arbeitsleben ausmacht.
2. „Die interessieren sich überhaupt nicht mehr für Zeitungen oder gedruckte Medien“

Natürlich wachsen junge Menschen heute mit Smartphones und sozialen Medien auf.
Für sie ist es völlig normal, Nachrichten innerhalb weniger Sekunden auf dem Handy zu lesen. Videos, Podcasts und soziale Netzwerke gehören zum Alltag.
Daraus wird allerdings schnell geschlossen, dass junge Menschen überhaupt kein Interesse mehr an gedruckten Medien haben.
Das stimmt so nicht unbedingt.
Gerade weil digitale Inhalte inzwischen überall sind, können Dinge, die nicht ständig auf einem Bildschirm erscheinen, plötzlich wieder interessant werden.
Eine Zeitung in der Hand fühlt sich anders an als hundert kurze Nachrichten auf dem Handy.
Ein Magazin kann man lesen, ohne dass fünf Benachrichtigungen gleichzeitig auftauchen.
Und ein Buch muss nicht ständig mit neuen Videos oder Nachrichten um die Aufmerksamkeit kämpfen.
Für manche junge Menschen ist genau das attraktiv.
Dazu kommt noch etwas: Viele Mitglieder der Generation Z sind mit der Schattenseite sozialer Medien aufgewachsen. Sie kennen den Druck, ständig erreichbar zu sein. Sie wissen, wie schnell man sich in endlosem Scrollen verlieren kann.
Deshalb gibt es durchaus junge Menschen, die bewusst versuchen, ihre Bildschirmzeit zu reduzieren.
Sie lesen wieder Bücher.
Sie hören Musik ohne ständig nebenbei auf das Handy zu schauen.
Sie kaufen vielleicht sogar eine Zeitschrift oder interessieren sich für Dinge, die ältere Generationen längst abgeschrieben haben.
Die Generation Z möchte also nicht unbedingt alles Alte loswerden.
Manchmal sucht sie gerade nach Dingen, die nicht digital sind.
3. „Die wollen einfach nicht arbeiten“

Dieser Punkt klingt ähnlich wie der erste, geht aber noch etwas weiter.
Viele ältere Menschen haben gelernt, dass beruflicher Erfolg vor allem mit Durchhaltevermögen zu tun hat.
Man arbeitet hart.
Man bleibt seinem Unternehmen treu.
Man macht seinen Job auch dann, wenn er nicht besonders spannend ist.
Und irgendwann wird sich das auszahlen.
Für viele Menschen hat dieses Prinzip tatsächlich funktioniert.
Aber die Generation Z ist mit anderen Erfahrungen aufgewachsen.
Sie hat gesehen, dass man jahrelang in einem Unternehmen arbeiten kann und trotzdem nicht unbedingt mehr Sicherheit bekommt. Sie hat erlebt, wie schnell sich Berufe verändern. Sie hat gesehen, dass Unternehmen Stellen abbauen und ganze Arbeitsbereiche verschwinden können.
Deshalb fragen sich viele junge Menschen heute stärker nach dem Sinn ihrer Arbeit.
Sie wollen nicht nur Geld verdienen.
Sie möchten wissen, warum sie ihre Zeit für etwas einsetzen.
Das bedeutet nicht, dass sie keine Lust auf Leistung haben.
Viele wollen sogar sehr viel erreichen.
Aber sie möchten ihre Energie nicht für etwas verschwenden, das sie als sinnlos oder unfair empfinden.
Wenn ein Unternehmen beispielsweise erwartet, dass Mitarbeiter ständig erreichbar sind, aber gleichzeitig kaum Wertschätzung oder angemessene Bezahlung bietet, ist es für viele junge Arbeitnehmer vollkommen logisch zu sagen:
„Nein, das möchte ich nicht.“
Das ist keine Arbeitsverweigerung.
Es ist eine andere Vorstellung davon, welche Bedingungen man akzeptieren möchte.
4. „Die wollen mit niemandem mehr reden“

Wenn man junge Menschen in der Öffentlichkeit beobachtet, sieht man häufig dasselbe Bild: Kopfhörer auf, Handy in der Hand und Blick auf den Bildschirm.
Da liegt der Gedanke natürlich nahe:
„Die können überhaupt nicht mehr miteinander reden.“
Aber auch hier ist die Realität komplizierter.
Die Generation Z hat einen großen Teil ihrer sozialen Kommunikation digital gelernt. Freundschaften entstehen über Chats, Spiele, soziale Netzwerke und Online-Communities.
Für ältere Generationen fühlt sich das manchmal weniger echt an.
Für junge Menschen kann eine Online-Freundschaft jedoch genauso wichtig sein wie eine Freundschaft, die im echten Leben entstanden ist.
Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass viele junge Menschen in einer ungewöhnlichen Zeit erwachsen geworden sind.
Schule, Ausbildung, Studium und erste Berufserfahrungen wurden für viele zeitweise stark von Einschränkungen und weniger persönlichem Kontakt geprägt.
Wer seine sozialen Fähigkeiten in einer solchen Umgebung entwickelt, hat möglicherweise einfach andere Erfahrungen gemacht.
Das bedeutet nicht, dass Gen Z keine sozialen Kontakte möchte.
Viele wünschen sich sogar mehr echte Verbindung.
Sie wissen nur manchmal nicht, wie sie diese außerhalb ihrer gewohnten digitalen Umgebung aufbauen sollen.
Und genau deshalb ist es unfair, daraus zu schließen, dass sie Menschen grundsätzlich nicht mögen.
Vielleicht sind sie einfach an eine andere Art der Kommunikation gewöhnt.
5. „Die können nicht mehr richtig kritisch denken“

Auch dieser Vorwurf taucht immer wieder auf.
Weil junge Menschen sehr stark mit Technologie aufgewachsen sind, wird manchmal angenommen, sie würden Informationen einfach übernehmen, ohne darüber nachzudenken.
Natürlich gibt es junge Menschen, die nicht besonders kritisch mit Informationen umgehen.
Aber auch hier kann man das nicht auf eine ganze Generation übertragen.
Gen Z hat Zugang zu mehr Informationen als praktisch jede Generation vor ihr.
Das ist gleichzeitig ein Vorteil und ein Problem.
Wenn man innerhalb weniger Sekunden zu jedem Thema tausend verschiedene Meinungen findet, muss man erst einmal lernen, herauszufinden, was davon überhaupt stimmt.
Und genau das ist eine Fähigkeit, die nicht automatisch entsteht, nur weil man mit einem Smartphone aufgewachsen ist.
Junge Menschen müssen lernen, Quellen zu vergleichen, Bilder und Videos kritisch zu betrachten und zwischen einer Meinung und einer Tatsache zu unterscheiden.
Das ist eine Herausforderung.
Aber sie bedeutet nicht, dass Gen Z grundsätzlich nicht kritisch denken kann.
Im Gegenteil: Viele junge Menschen hinterfragen Dinge sehr genau.
Sie fragen häufiger, warum bestimmte Regeln existieren.
Sie wollen wissen, warum etwas schon immer auf eine bestimmte Weise gemacht wurde.
Und manchmal stellen sie dabei unangenehme Fragen.
Das kann ältere Menschen nerven.
Aber unbequem zu fragen bedeutet nicht automatisch, dass man nicht denken kann.
Am Ende haben beide Seiten mehr gemeinsam, als sie denken
Trotz aller Unterschiede wollen die meisten Menschen erstaunlich ähnliche Dinge.
Sie möchten ein sicheres Zuhause.
Sie möchten Menschen haben, denen sie vertrauen können.
Sie möchten genug Geld verdienen, um nicht ständig Angst vor der Zukunft zu haben.
Sie möchten respektiert werden.
Sie möchten ein Leben führen, das sich für sie sinnvoll anfühlt.
Der Weg dorthin sieht nur nicht für jede Generation gleich aus.
Die Babyboomer haben ihre eigenen Erfahrungen gemacht.
Gen Z macht ihre eigenen.
Keine Seite muss deshalb automatisch recht haben.
Aber beide Seiten könnten wahrscheinlich voneinander lernen.
Ältere Menschen können jungen Menschen zeigen, was Durchhaltevermögen, Erfahrung und Geduld bedeuten.
Junge Menschen können ältere Generationen daran erinnern, dass sich die Welt verändert und nicht jede alte Regel für immer gelten muss.
Vielleicht wäre es deshalb besser, weniger darüber zu diskutieren, welche Generation „besser“ ist.
Denn am Ende sind weder Babyboomer noch Gen Z eine einzige große Gruppe mit identischem Charakter.
Es sind Millionen von Menschen mit völlig unterschiedlichen Leben, Erfahrungen und Persönlichkeiten.
Und genau deshalb lohnt es sich, den Menschen vor sich kennenzulernen, anstatt ihn schon vorher in eine Schublade zu stecken.

