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Wenn Großeltern plötzlich keine Zeit mehr haben: Warum sich viele Eltern von Oma und Opa im Stich gelassen fühlen

Wenn Großeltern plötzlich keine Zeit mehr haben: Warum sich viele Eltern von Oma und Opa im Stich gelassen fühlen

Früher war es für viele Familien ganz selbstverständlich: Oma holte die Kinder aus dem Kindergarten, Opa sprang ein, wenn die Eltern arbeiten mussten, am Wochenende wurde gemeinsam gegessen und die Enkel konnten einfach mal ein paar Stunden bei den Großeltern bleiben. Großeltern gehörten irgendwie zum Familienalltag dazu.

Heute sieht das bei vielen Familien ganz anders aus.

Immer mehr Eltern erzählen davon, dass die Großeltern zwar nicht weit entfernt wohnen, aber trotzdem kaum Zeit für die Enkel haben. Keine regelmäßigen Besuche, kein spontanes „Bring die Kleinen ruhig vorbei“, keine Hilfe, wenn der Alltag mal wieder komplett aus dem Ruder läuft. Stattdessen gibt es Reisen, Arbeit, eigene Pläne und den Wunsch, das Leben endlich einmal ohne die ständige Verantwortung für Kinder genießen zu können.

Und genau da beginnt ein Konflikt, über den erstaunlich viele Familien nur ungern sprechen.

Denn auf der einen Seite stehen Eltern, die sich fragen: „Warum wollt ihr eigentlich nicht mehr für eure Enkel da sein?“ Auf der anderen Seite stehen Großeltern, die sagen: „Wir haben unsere Kinder großgezogen. Jetzt möchten wir auch unser eigenes Leben leben.“

Wer hat nun recht?

Die einfache Antwort gibt es wahrscheinlich nicht. Denn hinter dem Streit steckt viel mehr als die Frage, wer am Wochenende auf die Kinder aufpasst.

1. Viele Eltern haben ganz andere Erwartungen an Großeltern

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Für junge Eltern ist der Wunsch nach Unterstützung durchaus nachvollziehbar.

Kinder großzuziehen kann unglaublich anstrengend sein. Zwischen Arbeit, Haushalt, Terminen, Kita, Schule und den ganz normalen kleinen Katastrophen des Familienlebens bleibt oft kaum Zeit zum Durchatmen.

Wenn dann die eigenen Eltern in der Nähe wohnen, entsteht schnell die Hoffnung, dass Oma und Opa ein bisschen mithelfen.

Vielleicht einmal die Kinder abholen.

Vielleicht einen Nachmittag übernehmen.

Vielleicht einfach da sein, wenn Mama und Papa dringend etwas Zeit für sich brauchen.

Wenn diese Unterstützung ausbleibt, kann sich das für junge Eltern sehr persönlich anfühlen.

Sie denken vielleicht: „Für ihre Enkel haben sie offenbar keine Zeit.“

Und daraus kann schnell Enttäuschung werden.

Das Problem ist allerdings: Nicht jeder Großelternteil sieht seine Rolle genauso.

Für manche ist Großelternsein ein wichtiger Teil des Lebens. Für andere ist es eine schöne Beziehung, aber keine neue Vollzeitaufgabe.

Und genau diese unterschiedlichen Erwartungen treffen heute häufiger aufeinander.

2. Die Großeltern von heute sind nicht unbedingt die Großeltern von früher

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Ein wichtiger Punkt wird dabei gerne vergessen: Die Lebensrealität hat sich verändert.

Viele heutige Großeltern haben selbst jahrzehntelang gearbeitet. Manche sind noch berufstätig, andere sind gerade erst im Ruhestand und möchten die neu gewonnene Zeit endlich für sich nutzen.

Sie möchten reisen.

Sie wollen Freunde treffen.

Sie möchten vielleicht noch einmal neue Dinge ausprobieren oder einfach morgens aufstehen, ohne bereits einen vollen Tagesplan zu haben.

Und ganz ehrlich: Das bedeutet nicht automatisch, dass sie ihre Enkel nicht lieben.

Es bedeutet lediglich, dass sie ihre Rolle anders verstehen.

Frühere Generationen hatten teilweise andere Vorstellungen davon, wie Großelternschaft auszusehen hat. Heute ist die Idee verbreiteter, dass Menschen auch im höheren Alter eigene Wünsche, Interessen und Grenzen haben dürfen.

Oma muss nicht automatisch die kostenlose Kinderbetreuung der Familie sein.

Und Opa muss nicht jedes Wochenende zur Verfügung stehen.

Das kann für junge Eltern trotzdem enttäuschend sein.

Aber Enttäuschung und fehlende Liebe sind eben nicht dasselbe.

3. Manche Großeltern sind einfach erschöpft

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Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Alter bedeutet nicht automatisch, dass jemand plötzlich unendlich viel Energie hat.

Mit 30 oder 40 Jahren kann man vielleicht problemlos einen ganzen Tag mit einem Kleinkind verbringen, hinterher noch einkaufen gehen und abends den Haushalt erledigen.

Mit 60 oder 70 kann derselbe Tag deutlich anstrengender sein.

Kinder sind laut, schnell, neugierig und brauchen Aufmerksamkeit. Sie wollen spielen, erzählen, herumrennen und ständig etwas wissen.

Das ist wunderschön – aber auch anstrengend.

Eine Großmutter kann ihre Enkel über alles lieben und trotzdem nach einigen Stunden völlig fertig sein.

Und manche Großeltern sagen ganz offen: „Ich habe die Nerven dafür heute nicht mehr.“

Das ist nicht unbedingt herzlos.

Es kann schlicht ehrlich sein.

Vielleicht wissen sie inzwischen besser, wo ihre Grenzen liegen.

Vielleicht möchten sie lieber einen schönen Nachmittag mit ihren Enkeln verbringen, statt mehrere Tage hintereinander die komplette Betreuung zu übernehmen.

4. Andere Großeltern wollen nachholen, was früher zu kurz kam

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Interessanterweise gibt es auch genau das Gegenteil.

Manche Menschen waren als Eltern ständig beschäftigt.

Sie mussten arbeiten, hatten finanzielle Sorgen, kümmerten sich um den Haushalt und hatten vielleicht selbst kaum Unterstützung.

Sie liebten ihre Kinder, aber sie waren oft einfach überfordert.

Wenn sie später Großeltern werden, erleben sie plötzlich etwas, das sie früher nicht hatten: Zeit.

Jetzt können sie mit einem Enkel auf dem Boden sitzen und spielen.

Sie können gemeinsam spazieren gehen.

Sie können zuhören, ohne gleichzeitig an den nächsten Termin denken zu müssen.

Und manchmal entsteht dadurch sogar eine besonders enge Beziehung.

Diese Großeltern wollen nicht unbedingt die Elternrolle noch einmal übernehmen. Sie genießen vielmehr die Möglichkeit, Dinge diesmal langsamer und entspannter zu erleben.

Für sie kann Großelternsein genau deshalb so schön sein.

5. Der große Fehler ist, Liebe mit Betreuung zu verwechseln

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Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte in diesem ganzen Thema.

Ein Großelternteil kann seine Enkel lieben und trotzdem keine regelmäßige Betreuung übernehmen wollen.

Diese beiden Dinge schließen sich nicht aus.

Liebe zeigt sich nicht ausschließlich darin, wie viele Stunden jemand auf ein Kind aufpasst.

Vielleicht kann Oma nicht jeden Mittwoch die Kinder abholen, aber sie ruft regelmäßig an.

Vielleicht kann Opa nicht mehrere Tage auf die Enkel aufpassen, aber er geht mit ihnen einmal im Monat zum Eisessen.

Vielleicht sind Übernachtungen zu anstrengend, aber ein gemeinsamer Spaziergang funktioniert wunderbar.

Familien müssen deshalb manchmal ihre Vorstellungen davon verändern, wie Unterstützung aussehen muss.

Denn wenn Eltern nur eine bestimmte Form von Hilfe akzeptieren, entsteht schnell das Gefühl, dass die Großeltern „gar nichts machen“.

Dabei leisten sie vielleicht auf andere Weise etwas.

6. Gleichzeitig dürfen Eltern enttäuscht sein

Das bedeutet aber nicht, dass junge Eltern ihre Gefühle einfach herunterschlucken müssen.

Natürlich darf es weh tun.

Wenn man selbst als Kind sehr viel Zeit mit seinen Großeltern verbracht hat, stellt man sich vielleicht automatisch vor, dass die eigenen Kinder dasselbe erleben werden.

Und wenn das nicht passiert, kann das traurig machen.

Vielleicht hatte man sich vorgestellt, dass die Oma irgendwann die Person wird, zu der die Kinder nach der Schule laufen.

Vielleicht wollte man selbst einmal die schönen Familienmomente wiederholen, die man aus der eigenen Kindheit kennt.

Wenn die Großeltern dann kaum Interesse zeigen, kann sich das wie eine Ablehnung anfühlen.

Vor allem dann, wenn man gerade selbst erschöpft ist und dringend Unterstützung brauchen könnte.

Diese Gefühle sind völlig verständlich.

Wichtig ist nur, sie nicht sofort in Vorwürfe zu verwandeln.

7. Erwartungen müssen ausgesprochen werden

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Viele Konflikte entstehen nämlich nicht dadurch, dass eine Familie grundsätzlich nicht miteinander klarkommt.

Sie entstehen, weil jeder etwas anderes erwartet und niemand darüber spricht.

Die Eltern denken:

„Natürlich helfen meine Eltern uns.“

Die Großeltern denken:

„Natürlich wissen unsere Kinder, dass wir unser eigenes Leben haben.“

Und irgendwann sind beide Seiten enttäuscht.

Dabei hätte ein einziges ehrliches Gespräch vieles verhindern können.

Zum Beispiel:

„Wir würden uns freuen, wenn du einmal im Monat einen Nachmittag mit den Kindern verbringen könntest. Wäre das für dich in Ordnung?“

Das ist etwas völlig anderes als:

„Du hast ja sowieso nie Zeit für deine Enkel.“

Die erste Aussage eröffnet ein Gespräch.

Die zweite sorgt meistens dafür, dass sich die andere Person sofort verteidigt.

8. Großeltern müssen keine Ersatzeltern sein

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Ein weiterer wichtiger Gedanke ist, dass Großeltern nicht dafür verantwortlich sind, die komplette Belastung der Eltern aufzufangen.

Die Hauptverantwortung für die Kinder liegt bei den Eltern.

Das klingt vielleicht hart, ist aber wichtig.

Natürlich ist familiäre Unterstützung wunderbar. Natürlich kann sie einen enormen Unterschied machen.

Aber wenn ein Familienmodell nur funktioniert, weil Oma und Opa jede Woche mehrere Tage einspringen, ist das auf Dauer vielleicht kein stabiles Modell.

Eltern brauchen deshalb auch andere Möglichkeiten.

Freunde.

Betreuung.

Babysitter.

Nachbarschaftshilfe.

Und manchmal schlicht die Bereitschaft, den Alltag anders zu organisieren.

Je weniger die gesamte Hoffnung auf einer einzigen Person liegt, desto weniger Druck entsteht auf beiden Seiten.

9. Es gibt aber auch Großeltern, die sich tatsächlich zurückziehen

Bei aller Verständnis für die neue Freiheit der Großelterngeneration darf man natürlich die andere Seite nicht vergessen.

Es gibt Großeltern, die tatsächlich überhaupt kein Interesse an ihren Enkeln haben.

Sie melden sich kaum.

Sie fragen nicht nach.

Sie sagen Treffen ständig ab.

Und selbst wenn die Eltern immer wieder versuchen, Kontakt aufzubauen, kommt wenig zurück.

In solchen Fällen kann die Enttäuschung besonders groß sein.

Denn Kinder merken irgendwann, wenn jemand immer wieder nicht kommt.

Sie verstehen vielleicht nicht, warum Oma nie Zeit hat oder warum Opa sich kaum meldet.

Hier geht es dann nicht mehr nur um die Frage, ob Großeltern als Babysitter zur Verfügung stehen.

Es geht um Beziehung.

Und eine Beziehung kann nicht von einer einzigen Seite aufgebaut werden.

Auch Großeltern müssen sich fragen, welche Rolle sie im Leben ihrer Enkel spielen möchten.

Fazit

Vielleicht ist genau das die größte Schwierigkeit: Beide Generationen haben gute Gründe für ihre Sichtweise.

Junge Eltern sind erschöpft und wünschen sich Unterstützung.

Großeltern wollen ihre Freiheit genießen und nicht noch einmal in eine Elternrolle gedrängt werden.

Beides kann gleichzeitig stimmen.

Deshalb bringt es wenig, pauschal zu sagen, die heutige Großelterngeneration sei egoistisch. Genauso wenig hilft es, jungen Eltern vorzuwerfen, sie würden ihre Eltern nur als kostenlose Babysitter betrachten.

Die Wahrheit liegt meistens irgendwo dazwischen.

Eine gute Großeltern-Enkel-Beziehung muss nicht bedeuten, dass Oma und Opa ständig zur Verfügung stehen. Sie muss aber auch nicht bedeuten, dass jeder nur noch sein eigenes Leben lebt.

Vielleicht reicht manchmal ein regelmäßiger Nachmittag.

Ein gemeinsames Frühstück.

Ein Spaziergang.

Ein Anruf.

Ein Wochenende im Monat.

Oder einfach das ehrliche Gefühl: „Ich bin für dich da, auch wenn ich nicht jeden Tag kommen kann.“

Denn Kinder brauchen keine perfekten Großeltern.

Sie brauchen Menschen, die ihnen zeigen, dass sie wichtig sind.

Und Eltern brauchen nicht unbedingt Großeltern, die ihnen alles abnehmen.

Sie brauchen vor allem das Gefühl, nicht völlig alleine zu sein.

Genau deshalb sollte in Familien weniger darüber gesprochen werden, wer wem etwas schuldet – und mehr darüber, was jeder tatsächlich geben kann.

Denn am Ende geht es nicht darum, die Großeltern von früher zurückzubekommen.

Es geht darum, eine neue Form von Familie zu finden, die zu den Menschen passt, die heute darin leben.