Bei 666 wissen die meisten sofort Bescheid.
Irgendwas mit dem Teufel, dem Antichristen und der Offenbarung.
Aber was ist mit 12?
Oder 40?
Warum hatte Jesus ausgerechnet zwölf Apostel? Warum dauerte die Sintflut 40 Tage und Nächte? Und warum taucht die Zahl 40 später erneut auf, als Jesus 40 Tage in der Wüste verbringt?
Zufall?
Wer die Bibel genauer liest, merkt schnell, dass bestimmte Zahlen immer wieder auftauchen und das häufig an entscheidenden Stellen.
Manche stehen für Einheit oder Ordnung, andere werden mit Prüfung, Vollständigkeit oder einem Neubeginn verbunden.
Allerdings ist nicht jede Bedeutung, die heute im Internet als „biblische Numerologie“ bezeichnet wird, tatsächlich so eindeutig in der Bibel festgelegt.
Das macht die Sache interessant.
Denn hinter einigen dieser scheinbar gewöhnlichen Zahlen stecken Geschichten und Zusammenhänge, die selbst Menschen überraschen können, die mit der Bibel gut vertraut sind.
Wir schauen uns acht davon genauer an – von der 1 bis zu jener Zahl, die seit Jahrhunderten für besonders viel Gesprächsstoff sorgt:
666.
Zahl 1

Bei der Eins wird es zunächst ziemlich eindeutig.
Sie steht in der Bibel vor allem für Einheit und die Vorstellung von dem einen Gott.
Besonders deutlich wird das im ersten Timotheusbrief: „Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.“
Auch Jesus selbst spricht im Johannesevangelium von Einheit, als er sagt: „Ich und der Vater sind eins.“
Die 1 braucht also keine komplizierte Zahlenakrobatik, um interessant zu werden. Ihre Symbolik steckt bereits in einer der zentralen Vorstellungen des christlichen Glaubens: Gott ist einer.
Gleichzeitig begegnet uns mit der Einheit von Vater und Sohn ein Gedanke, der zeigt, dass hinter einer scheinbar simplen Zahl ziemlich große theologische Fragen stecken können.
Kleiner könnte eine Zahl kaum sein – ihre Bedeutung dafür umso größer.
Zahl 2

Zwei Menschen. Zwei Seiten. Zwei Zeugen.
Die Zahl 2 taucht in der Bibel häufig dort auf, wo es um Verbindung, Gegenüberstellung oder Bestätigung geht.
Ein bekanntes Beispiel findet sich in der Ehe: Mann und Frau werden als zwei Menschen beschrieben, die „ein Fleisch“ werden. Gleichzeitig begegnet uns die Zwei auch in einem ganz anderen Zusammenhang – nämlich dann, wenn eine Aussage bestätigt werden soll.
Ein einzelner Zeuge reichte dafür nicht immer aus. Mehrere biblische Stellen greifen das Prinzip auf, dass zwei Zeugen nötig sind, um eine Sache glaubwürdig zu bezeugen.
Damit hat die 2 eine interessante Doppelrolle.
Sie kann zwei Menschen zeigen, die zusammengehören, aber ebenso zwei voneinander getrennte Seiten.
Vielleicht wirkt sie deshalb auf den ersten Blick unspektakulär.
In der Bibel ist sie das ganz und gar nicht.
Zahl 3

Bei der Drei denken viele wahrscheinlich zuerst an die Heilige Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Doch damit ist ihre Bedeutung noch nicht ausgeschöpft.
Besonders auffällig ist die Zahl rund um die Auferstehung Jesu. Nach der biblischen Überlieferung steht Jesus am dritten Tag von den Toten auf und dadurch bekommt die Drei im christlichen Verständnis eine besonders starke Verbindung zu Auferstehung und göttlichem Handeln.
Auch an anderen Stellen begegnen Dreiergruppen. So werden etwa Abraham, Isaak und Jakob als die drei großen Patriarchen Israels genannt.
Kein Wunder also, dass die 3 später häufig mit Vollständigkeit, Stärke und göttlicher Vollkommenheit in Verbindung gebracht wurde.
Sie ist damit eine jener Zahlen, bei denen aus einem einfachen Zählen schnell ziemlich viel Symbolik wird.
Zahl 4

Vier Himmelsrichtungen, vier Winde, vier Enden der Erde – die Zahl 4 begegnet in der Bibel auffallend oft dort, wo es um die Welt als Ganzes geht.
Besonders anschaulich wird das in der Offenbarung. Dort ist von vier Engeln die Rede, die an den „vier Ecken der Erde“ stehen und die vier Winde zurückhalten.
Auch deshalb wird die 4 häufig mit der Schöpfung, der Erde und der irdischen Welt verbunden.
Interessant ist dabei, dass wir diese Vorstellung bis heute ganz selbstverständlich verstehen. Norden, Süden, Osten und Westen teilen unsere Welt in vier Richtungen – obwohl natürlich niemand ernsthaft nach den vier Ecken der Erde suchen würde.
Die Vier wirkt damit weniger geheimnisvoll als manche andere Zahl auf dieser Liste.
Ihre Symbolik ist dafür erstaunlich leicht vorstellbar: Sie richtet den Blick auf die Welt in ihrer Gesamtheit.
Zahl 5

Bei der Zahl 5 wird es etwas kniffliger.
In der christlichen Zahlensymbolik wird sie häufig mit Gottes Gnade und Güte verbunden.
Anders als bei der 12 oder der 40 lässt sich diese Bedeutung allerdings nicht an einer einzigen bekannten Bibelstelle festmachen.
Trotzdem begegnet uns die Fünf an einigen bemerkenswerten Stellen.
Besonders bekannt ist die Speisung der Fünftausend: Jesus stehen zunächst nur fünf Brote und zwei Fische zur Verfügung und dennoch reicht das Essen am Ende für eine riesige Menschenmenge.
Auch die fünf Bücher Mose, die den Anfang des Alten Testaments bilden, verleihen der Zahl eine besondere Stellung in der biblischen Tradition.
Wer die 5 deshalb als Symbol für Gnade deutet, bewegt sich bereits im Bereich der späteren Zahlensymbolik.
Die Bibel selbst sagt nämlich nirgendwo schlicht: „Die Zahl 5 bedeutet Gnade.“
Diese Unterscheidung lohnt sich, bei biblischen Zahlen immer im Hinterkopf zu behalten.
Zahl 12

Zwölf Apostel – das dürfte den meisten sofort einfallen.
Doch die 12 war schon lange vor Jesus eine bedeutende Zahl.
Im Alten Testament begegnen uns die zwölf Stämme Israels, die auf die Söhne Jakobs zurückgeführt werden. Im Neuen Testament wählt Jesus wiederum zwölf Apostel aus.
Dass es ausgerechnet zwölf sind, ist also kaum eine zufällige Entscheidung.
Die Zahl zieht sich wie eine Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Bund durch die biblischen Erzählungen und wird deshalb häufig mit göttlicher Ordnung und Vollständigkeit verbunden.
Und selbst ganz am Ende der Bibel ist mit der Zwölf noch lange nicht Schluss.
In der Offenbarung wird das neue Jerusalem unter anderem mit zwölf Toren, zwölf Engeln und zwölf Grundsteinen beschrieben.
Wenn eine Zahl in der Bibel einen wirklich beeindruckenden Lebenslauf hat, dann gehört die 12 definitiv dazu.
Zahl 40

Vierzig Tage und vierzig Nächte – diese Zeitangabe kommt einem in der Bibel erstaunlich oft bekannt vor.
Während der Sintflut regnet es 40 Tage und Nächte. Mose verbringt 40 Tage auf dem Berg Sinai, und auch Jesus fastet 40 Tage in der Wüste, bevor er sein öffentliches Wirken beginnt.
Damit taucht die Zahl ausgerechnet in Geschichten auf, in denen Menschen geprüft werden, warten müssen oder vor einem entscheidenden Wendepunkt stehen.
Noch größer wird die Dimension beim Volk Israel: 40 Jahre dauert seine Wanderung durch die Wüste, bevor die nächste Generation das verheißene Land erreicht.
Kein Wunder, dass die 40 in der biblischen Zahlensymbolik häufig für Prüfung, Vorbereitung und Übergang steht.
Dabei muss sie nicht in jeder Geschichte wie ein geheimer Zahlencode gelesen werden.
Auffällig bleibt trotzdem, wie oft nach einer „40“ etwas Neues beginnt.
Zahl 666

Und da ist sie endlich: die wohl berüchtigtste Zahl der Bibel.
Die 666 erscheint in der Offenbarung des Johannes und wird dort als „Zahl des Tieres“ bezeichnet. In Offenbarung 13,18 heißt es außerdem, sie sei die „Zahl eines Menschen“.
Genau diese wenigen Zeilen haben für erstaunlich viel Gesprächsstoff gesorgt.
Über Jahrhunderte wurde versucht herauszufinden, welcher Mensch sich hinter der Zahl verbergen könnte. Eine der bekanntesten Deutungen bringt die 666 mit dem römischen Kaiser Nero in Verbindung: Werden bestimmte Buchstaben seines Namens nach einem antiken Zahlensystem als Zahlen gelesen und addiert, lässt sich daraus 666 bilden.
Die Bibel selbst nennt an dieser Stelle allerdings keinen Namen.
Und was ist mit dem Teufel?
Obwohl die 666 heute in Filmen, Büchern und der Popkultur fast automatisch als „Zahl des Teufels“ gilt, bezeichnet die Offenbarung sie genauer als Zahl des Tieres. Die populäre Vorstellung ist also etwas vereinfachter als der eigentliche Bibeltext.
Auch die berühmte Gegenüberstellung „666 gehört dem Bösen, also muss 777 Gottes Zahl sein“ ist keine Aussage, die so in der Bibel steht.
Die 666 bleibt damit gerade deshalb so faszinierend, weil der Text ein Rätsel aufgibt, ohne seinen Lesern eine eindeutige Lösung mitzuliefern.
Mehr als zwei Jahrtausende später wird immer noch darüber gesprochen.
Für drei kleine Sechsen ist das eine ziemlich beeindruckende Karriere.

