Wir alle wissen, was eine Affäre ist.
Doch wie kommt es überhaupt dazu? Was passiert zwischen dem ersten Kontakt und dem Moment, in dem aus einer Begegnung, einem Gespräch oder einer Nachricht tatsächlich eine Affäre wird?
Diese Frage ist wesentlich komplizierter.
Die wenigsten Menschen beginnen einen neuen Kontakt mit dem festen Vorsatz, ihren Partner zu betrügen. Häufig entwickelt sich die Situation Schritt für Schritt.
Man versteht sich gut, sucht häufiger den Kontakt, beginnt persönliche Dinge miteinander zu teilen und freut sich auf die nächste Nachricht.
Irgendwann werden daraus Gespräche, von denen der eigene Partner nichts weiß. Ein Treffen wird verschwiegen, eine Nachricht gelöscht oder die Bedeutung dieser Person heruntergespielt.
Aus einem Kontakt kann eine emotionale Affäre werden, aus emotionaler Nähe eine körperliche.
Irgendwann kommt der Punkt, an dem die Affäre nicht mehr einfach neben dem bisherigen Leben existieren kann.
Auch wenn jede Geschichte anders verläuft, lassen sich vier typische Phasen erkennen – vom Anfang einer Affäre bis zu dem Moment, an dem entschieden werden muss, wie es weitergeht.
1. Phase: Der Kontakt wird immer wichtiger

Am Anfang muss zwischen euch noch gar nichts passiert sein.
Vielleicht ist es ein Kollege, mit dem du dich besonders gut verstehst, jemand, den du über Freunde kennengelernt hast, oder eine Person aus deiner Vergangenheit, mit der du wieder Kontakt hast.
Ihr redet miteinander. Ihr lacht. Du erzählst etwas Persönliches und merkst, dass dir die Aufmerksamkeit guttut.
Besonders empfänglich dafür kannst du sein, wenn in deiner eigenen Beziehung schon länger etwas fehlt.
Ihr streitet häufiger, redet kaum noch miteinander, habt wenig Nähe oder lebt im Alltag mehr nebeneinander als miteinander.
Das macht eine Affäre nicht unvermeidbar und nimmt dir auch nicht die Verantwortung für deine Entscheidungen.
Es erklärt aber, warum die Aufmerksamkeit eines anderen Menschen in diesem Moment besonders gut tun kann.
Du fühlst dich gesehen. Jemand interessiert sich dafür, was du erzählst, macht dir Komplimente oder fragt nach, wie dein Tag war.
Noch kannst du dir sagen: „Wir verstehen uns einfach gut.“
Der entscheidende Punkt kommt, wenn diese Person für dich immer wichtiger wird.
Du freust dich auf ihre Nachrichten, suchst Gründe, um mit ihr zu reden, und denkst auch dann an sie, wenn ihr keinen Kontakt habt.
Noch gibt es möglicherweise keinen Kuss und keinen Sex. Trotzdem ist aus einem beiläufigen Kontakt bereits etwas geworden, das zunehmend Raum in deinem Leben einnimmt.
2. Phase: Aus Nähe wird ein Geheimnis

Irgendwann reicht es nicht mehr, sich nur zufällig über den Weg zu laufen oder gelegentlich miteinander zu schreiben.
Ihr sucht den Kontakt jetzt bewusst.
Die Nachrichten werden persönlicher und auch flirtiger. Ihr erzählt euch Dinge, die sonst nur wenige Menschen über euch wissen, macht euch Komplimente oder sprecht darüber, wie ihr euch in euren Beziehungen fühlt.
Da ist dieser kleine Kick, wenn eine neue Nachricht auf dem Display erscheint.
Gleichzeitig beginnt das Verstecken.
Du legst dein Handy mit dem Display nach unten, löschst einzelne Nachrichten oder erzählst deinem Partner nicht, mit wem du deine Mittagspause verbracht hast. Vielleicht sagst du dir weiterhin, dass ihr doch „nur Freunde“ seid.
Schließlich habt ihr möglicherweise noch nicht einmal miteinander geschlafen.
Doch eine Affäre braucht keinen Sex, um eine Grenze zu überschreiten.
Auch eine emotionale Affäre kann entstehen, wenn Nähe, Aufmerksamkeit und Intimität zunehmend zu einer anderen Person wandern und der eigene Partner davon bewusst ausgeschlossen wird.
Bei manchen bleibt es auf dieser Ebene. Bei anderen kommt irgendwann der erste Kuss, ein heimliches Treffen oder Sex dazu.
Ab diesem Moment gibt es zwei Welten: die Beziehung, die zu Hause weiterläuft, und den Teil deines Lebens, den dein Partner nicht kennen darf.
Dieses Geheimnis verändert die Situation. Du verheimlichst nicht mehr nur einen Kontakt. Du schützt inzwischen eine Verbindung, von der du weißt, dass sie in deiner Beziehung etwas auslösen würde, wenn sie ans Licht käme.
3. Phase: Die Affäre fliegt auf

Eine Nachricht auf dem Handy. Eine Ausrede, die nicht zusammenpasst. Ein Name, der in letzter Zeit auffällig oft fällt. Oder du entscheidest dich selbst, die Wahrheit zu sagen.
Auf welchem Weg es auch passiert: Die Affäre ist kein Geheimnis mehr.
Für den betrogenen Partner kann dieser Moment ein Schock sein. Neben Wut und Trauer kommen oft unzählige Fragen auf einmal:
Seit wann läuft das? Wie oft habt ihr euch getroffen? War es nur emotional oder auch körperlich? Was von dem, was du mir erzählt hast, war überhaupt wahr?
Auf der anderen Seite stehen häufig Angst, Schuldgefühle und der Versuch, mit den Folgen umzugehen.
Du möchtest erklären, wie es dazu gekommen ist, weißt aber möglicherweise selbst noch nicht, was jetzt passieren soll.
In dieser Unsicherheit kann es passieren, dass du dich zunächst verteidigst oder versuchst, einzelne Dinge herunterzuspielen.
Auch heftige emotionale Reaktionen sind in dieser Situation nicht ungewöhnlich. Trotzdem rechtfertigt der Schmerz keine Gewalt oder Drohungen.
Jetzt lässt sich die Affäre nicht mehr vom Rest des Lebens trennen. Entscheidungen, die lange aufgeschoben werden konnten, stehen plötzlich im Raum.
Soll die Affäre beendet werden? Willst du deine Beziehung retten? Will dein Partner das überhaupt noch? Oder sind Gefühle für die andere Person inzwischen so stark geworden, dass du dir ein Leben mit ihr vorstellen kannst?
Es gibt darauf keine Antwort, die für jedes Paar richtig ist. Klar ist nur: Nach der Entdeckung kann kaum etwas einfach so weiterlaufen wie zuvor.
4. Phase: Die Affäre endet

Irgendwann endet die Affäre in der Form, in der sie bisher existiert hat.
Vielleicht brichst du den Kontakt zur anderen Person ab und entscheidest dich für deine Beziehung. Vielleicht ist dein Partner nach allem, was passiert ist, nicht mehr bereit weiterzumachen.
Oder du erkennst, dass du deine bisherige Beziehung verlassen und mit der anderen Person zusammen sein möchtest.
Keine dieser Situationen ist einfach.
Auch das Ende einer Affäre kann wehtun. Du kannst jemanden vermissen, obwohl du weißt, dass die Beziehung unter falschen Umständen entstanden ist.
Gleichzeitig können Schuldgefühle, Trauer und die Angst vor dem, was du verloren hast, dazukommen.
Wenn du bei deinem Partner bleibst, ist mit dem letzten Kontakt zur anderen Person noch lange nicht alles wieder gut. Vertrauen lässt sich nicht mit einem Versprechen zurückholen.
Es braucht Zeit, ehrliche Gespräche und die Bereitschaft beider Seiten, sich mit dem auseinanderzusetzen, was passiert ist.
Entscheidest du dich dagegen für die andere Person, beginnt ebenfalls etwas Neues. Heimliche Treffen und Nachrichten werden durch Alltag ersetzt.
Eine Beziehung, die vorher nur in bestimmten Momenten existiert hat, muss nun außerhalb dieser geschützten Blase funktionieren.
Manchmal endet am Schluss beides.
Die Affäre ist vorbei und auch die ursprüngliche Beziehung lässt sich nicht mehr retten.
Welche Richtung es auch nimmt: Irgendwann geht es nicht mehr darum, das Geheimnis aufrechtzuerhalten.
Dann musst du dich mit den Folgen deiner Entscheidungen auseinandersetzen und herausfinden, wie dein Leben danach weitergehen soll.
Fazit
Wir sind alle nur Menschen und wir machen Fehler. Eine Affäre kann andere tief verletzen, aber sie muss nicht bestimmen, wer du für den Rest deines Lebens bist.
Wichtig ist, dass du ehrlich hinschaust, daraus lernst und es beim nächsten Mal besser machst.

