Es gibt Menschen, die scheinbar nichts so richtig beeindruckt.
Du erzählst ihnen von einem neuen Job und sie reagieren mit einem Schulterzucken. Jemand kommt besonders gut gekleidet in den Raum und sie finden trotzdem sofort etwas, das ihnen nicht gefällt. Eine Person erzählt einen Witz, den alle anderen lustig finden, und genau dieser Mensch denkt nur: „Hm.“
Manchmal geht es sogar noch weiter.
Jemand kann eigentlich alles richtig machen und trotzdem reicht eine kleine Sache aus, damit plötzlich das Interesse verschwindet.
Ein komischer Gesichtsausdruck.
Eine ungewöhnliche Art zu lachen.
Eine ungeschickte Bewegung.
Eine Kleinigkeit beim Essen.
Ein Satz, der irgendwie seltsam klingt.
Für andere wäre das völlig nebensächlich. Für manche Menschen verändert so ein Detail jedoch sofort die gesamte Wahrnehmung einer Person.
Besonders beim Dating wird dieses Phänomen häufig als „Ick“ bezeichnet. Damit ist dieses plötzliche Gefühl gemeint, dass man sich von jemandem abgestoßen oder abgeschreckt fühlt, obwohl die Person eigentlich nichts wirklich Schlimmes getan hat.
Eine aktuelle Studie, auf die sich der Ausgangsartikel bezieht, bringt dieses Verhalten mit drei Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung: einer stärkeren Empfindlichkeit gegenüber Ekel, narzisstischen Tendenzen und Perfektionismus.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Mensch, der schnell das Interesse verliert, automatisch narzisstisch oder perfektionistisch ist. Persönlichkeitsmerkmale liegen auf einem Spektrum und ein einzelnes Verhalten sagt noch nichts über einen Menschen aus.
Trotzdem sind die drei Eigenschaften interessant.
1. Sie reagieren besonders empfindlich auf Dinge, die andere kaum bemerken
Manche Menschen reagieren einfach stärker auf Dinge, die sie als unangenehm, unhygienisch oder abstoßend empfinden.
Das kann beim Essen anfangen.
Jemand kaut etwas auf eine bestimmte Weise.
Jemand benutzt ein Glas auf eine Art, die man selbst unangenehm findet.
Jemand lacht sehr laut.
Oder eine Person hat eine Angewohnheit, die einem sofort auffällt.
Für die meisten Menschen ist das vielleicht fünf Sekunden lang interessant und danach vergessen.
Menschen mit einer stärkeren sogenannten Ekelempfindlichkeit können dagegen viel intensiver darauf reagieren. Der Artikel beschreibt, dass diese Menschen auch durch kleine Dinge wie einen unbeholfenen Händedruck oder ein ungewöhnliches Lachen schneller ein starkes „Ick“-Gefühl entwickeln können.
Interessant daran ist, dass Ekel ursprünglich eine Schutzfunktion hat.
Unser Körper soll uns beispielsweise davor bewahren, verdorbene Lebensmittel zu essen oder mit möglichen Krankheitserregern in Kontakt zu kommen.
Aber dieses Gefühl kann sich auch auf soziale Situationen übertragen.
Dann geht es plötzlich nicht mehr um etwas, das tatsächlich gefährlich oder unhygienisch ist.
Es geht nur noch darum, dass etwas nicht unserem persönlichen Empfinden entspricht.
Und genau hier kann es problematisch werden.
Denn eine Person kann etwas einfach anders machen als wir, ohne dass daran irgendetwas falsch ist.
Vielleicht isst sie anders.
Vielleicht hat sie einen ungewöhnlichen Humor.
Vielleicht kleidet sie sich anders.
Vielleicht spricht sie anders.
Das macht sie nicht automatisch weniger sympathisch oder weniger geeignet als Freund oder Partner.
Trotzdem kann eine starke Abneigung gegen bestimmte Kleinigkeiten dazu führen, dass man jemanden sehr schnell abschreibt.
2. Sie haben manchmal ein sehr genaues Bild davon, wie andere sein sollten
Eine zweite Eigenschaft, die laut dem Artikel eine Rolle spielen kann, sind narzisstische Tendenzen. Dabei geht es nicht darum, jemanden vorschnell als Narzissten zu bezeichnen oder eine Diagnose zu stellen.
Gemeint ist eher eine bestimmte Erwartungshaltung:
Andere Menschen sollen möglichst gut zu dem Bild passen, das man sich von ihnen gemacht hat.
Das kann beim Dating besonders deutlich werden.
Vielleicht stellt man sich den perfekten Partner als selbstbewusst, stilvoll, intelligent, witzig und souverän vor.
Dann trifft man jemanden, der eigentlich viele dieser Eigenschaften besitzt.
Doch plötzlich passiert etwas, das nicht ins Bild passt.
Die Person stolpert.
Sie erzählt einen schlechten Witz.
Sie wird nervös.
Sie trägt etwas, das man selbst nicht schön findet.
Sie sagt etwas Unüberlegtes.
Und plötzlich verändert sich die gesamte Wahrnehmung.
Vorher war die Person interessant.
Jetzt denkt man:
„Irgendwie finde ich sie nicht mehr attraktiv.“
Dabei hat sich der Mensch selbst kaum verändert.
Verändert hat sich vor allem das eigene Bild von ihm.
Wer sehr hohe Erwartungen an andere stellt, kann dadurch leicht enttäuscht werden.
Denn echte Menschen sind nicht perfekt.
Sie sind manchmal unsicher.
Sie machen Fehler.
Sie sagen Dinge, die sie später gerne anders formuliert hätten.
Sie haben schlechte Tage.
Und manchmal benehmen sie sich einfach ein bisschen komisch.
Das gehört zum Menschsein.
Wenn man jedoch erwartet, dass ein Partner ständig beeindruckend, attraktiv, souverän und interessant sein muss, wird es schwierig, echte Nähe aufzubauen.
Denn je näher man einem Menschen kommt, desto mehr Seiten entdeckt man.
Auch die, die nicht perfekt sind.
3. Sie achten extrem stark auf Fehler und Unvollkommenheiten
Und hier wird es besonders interessant, weil Perfektionismus häufig nicht nur mit hohen Ansprüchen an andere, sondern auch mit hohen Ansprüchen an sich selbst verbunden ist.
Ein perfektionistischer Mensch kann sich über einen kleinen Fehler sehr lange ärgern.
Ein falscher Satz.
Ein Fleck auf der Kleidung.
Eine schlechte Note.
Ein Fehler bei der Arbeit.
Ein Foto, auf dem man nicht gut aussieht.
Das eigene Leben wird ständig mit einer idealen Vorstellung verglichen.
Und genau dieses Denken kann auch auf andere Menschen übertragen werden.
Vielleicht ist jemand eigentlich sehr sympathisch.
Aber er hat eine Angewohnheit, die nicht gefällt.
Vielleicht lacht er anders.
Vielleicht ist sein Kleidungsstil nicht perfekt.
Vielleicht macht er beim ersten Treffen einen kleinen Fehler.
Und plötzlich wird genau dieses eine Detail überbewertet.
Aus:
„Das ist eine interessante Person.“
wird:
„Nein, das passt irgendwie nicht.“
Das Problem dabei ist, dass niemand alle Erwartungen erfüllen kann.
Wenn man lange genug sucht, findet man bei jedem Menschen etwas, das nicht perfekt ist.
Die Frage ist deshalb nicht:
„Hat diese Person irgendwelche Macken?“
Natürlich hat sie welche.
Die Frage ist:
„Sind diese Macken wirklich wichtig für mich oder stören sie mich nur, weil ich eine bestimmte Vorstellung davon habe, wie jemand sein sollte?“
Das ist ein großer Unterschied.
Wenn kleine Dinge plötzlich alles andere überschatten
Natürlich sollte man beim Dating oder bei Freundschaften Ansprüche haben.
Man muss keine Beziehung mit jemandem eingehen, der einen schlecht behandelt.
Man muss keine Freundschaft aufrechterhalten, in der man ständig respektlos behandelt wird.
Und man muss auch keine Eigenschaften akzeptieren, die für einen persönlich wirklich wichtig sind.
Es gibt einen Unterschied zwischen gesunden Standards und Perfektionismus.
Ein gesunder Standard könnte sein:
„Ich möchte jemanden, der ehrlich mit mir umgeht.“
Ein unrealistischer Anspruch könnte dagegen sein:
„Mein Partner darf sich niemals blamieren, muss immer attraktiv aussehen, muss immer souverän sein und darf keine Angewohnheiten haben, die mich nerven.“
Das erste beschreibt einen Wert.
Das zweite beschreibt beinahe eine Fantasie.
Und je stärker man nach einem perfekten Menschen sucht, desto schwieriger wird es, mit einem echten Menschen glücklich zu sein.
Fazit: Niemand wird dich dauerhaft beeindrucken, wenn du nach Perfektion suchst
Menschen, die nur selten wirklich beeindruckt sind, können ganz unterschiedliche Gründe dafür haben.
Manche reagieren besonders empfindlich auf bestimmte Dinge.
Andere haben sehr genaue Vorstellungen davon, wie ein Partner oder ein anderer Mensch sein sollte.
Und wieder andere achten extrem stark auf Fehler und Unvollkommenheiten.
Der Artikel bringt diese drei Bereiche mit stärkerer Ekelempfindlichkeit, narzisstischen Tendenzen und Perfektionismus in Verbindung. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Mensch mit einem schnellen „Ick“ eine dieser Eigenschaften stark ausgeprägt hat.
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage nicht:
„Warum finde ich diese Person plötzlich so unattraktiv?“
Sondern:
„Was genau hat sich gerade verändert – die Person oder meine Wahrnehmung von ihr?“
Denn Menschen sind nun einmal nicht perfekt.
Sie lachen manchmal komisch.
Sie sagen dumme Dinge.
Sie sind nervös.
Sie machen Fehler.
Sie haben seltsame Angewohnheiten.
Und manchmal sind genau diese kleinen Unvollkommenheiten später das, was man an ihnen besonders liebenswert findet.
Hohe Ansprüche zu haben ist nichts Schlechtes.
Aber wenn schon die kleinste Macke dafür sorgt, dass ein Mensch komplett uninteressant wird, kann es sich lohnen, einmal genauer hinzusehen.
Vielleicht ist diese Person wirklich nicht die Richtige.
Vielleicht aber auch nur ein ganz normaler Mensch.
Und vielleicht muss man nicht jeden Menschen beeindruckend finden, um ihn trotzdem interessant, sympathisch oder wertvoll zu finden.