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Das Wikinger haus: Wohnen nach altnordischer Art

Das Wikinger haus: Wohnen nach altnordischer Art

Während die Wikinger für ihre Kriegskunst und geschickten Raubzüge berühmt sind, war das Wikingerhaus ein recht gemütlicher Ort.

Das heißt, wenn sie nicht gerade auf Reisen waren und neue Länder eroberten, genossen sie das einfache Bauernleben und die Zugehörigkeit zu einer großen Gemeinschaft.

Sie bauten ihre Häuser in kleinen Dörfern und nur ein kleiner Prozentsatz der Wikinger lebte in Städten.

Das Wikingerhaus wurde auch wegen seiner besonderen Bauweise Langhaus oder Turfhaus genannt.

Die Wikinger waren sehr gut darin, sich an die Umgebung anzupassen, so dass die gesamte Konstruktion des Langhauses mit der Umgebung verschmolz.

Dennoch war die Bauweise des Wikingerhauses nicht nur den Wikingern vorbehalten, da Langhäuser überall auf der Welt zu finden sind.

Es handelte sich nämlich um Einraumhäuser, die in ganz Europa, Asien und Nordamerika bewohnt wurden.

Das große Wikingerhaus – Langhaus

Die Größe des Wikingerhauses hing von der Bedeutung des Besitzers ab.

Sie waren etwa 5-7 Meter breit und 15-75 Meter lang, hatten aber unabhängig von der Größe immer die gleiche Konstruktion.

Zwei Reihen hölzerner Säulen zogen sich über die gesamte Länge des Hauses und stützten die hohen Dachpfosten.

Die Dächer des Wikingerhauses bestanden aus Holz, das mit Stroh oder Torf gedeckt war.

Während die Wände entweder aus Lehm, Holzbrettern oder Flechtwerk und Lehm hergestellt wurden.

Wenn Holz heilig war, wie in Island, wurde das Haus der Wikinger aus Torf und Grassoden gebaut.

Die Wände des Wikingerhauses waren auch gebogen und gaben der Konstruktion insgesamt die Form eines Bootes.

Was die Belüftung und Beleuchtung anbelangt, so hatte das Wikingerhaus nur selten Fenster.

Das Licht drang durch die,in die Konstruktion eingebaute Öffnungen, oder durch die Lücken im Strohdach ein.

Manche Langhäuser hatten auch Schornsteine, aber das war selten zu finden.

Die Basis der Konstruktion des Wikingerhauses war zwar immer die gleiche, aber dennoch variierte sie je nach Ort und Wikinger Volk.

Kleineres Wikingerhaus – Grubenhaus

Eine andere Art von Wikingerhaus war das kleine Grubenhaus, das von sehr einfacher Konstruktion war.

Dieses Haus wurde entweder in ovaler oder quadratischer Form gebaut und teilweise in den Boden eingegraben.

Das Dach war immer aus Holz, die Wände waren aus Holzbrettern gefertigt.

Dieses Wikingerhaus war etwa 5 m lang und 4 m breit, und es wurde einen halben Meter unter die Erde gelegt, so dass der Boden unter dem Bodenniveau liegt.

Unabhängig von der Größe hat diese Art von Haus eine Vielzahl von Verwendungszwecken, vom eigentlichen Familienhaus bis zur Werkstatt.

Die Familien, die in solchen Häusern lebten, waren meist arm, aber der praktische Nutzen dieses Hauses war unbestreitbar.

Das Grubenhaus konnte aber auch ein zusätzliches Haus im Freien oder ein Lager sein und somit etwas, das im Winter besonders nützlich ist.

Das Innere des Wikingerhauses

Der typische Tag der Wikinger begann, sobald der Hahn krähte. Alle Familienmitglieder gingen verschiedenen Tagesaktivitäten nach.

Die Wikingerfamilie, die in dem Haus lebte, war sehr groß und sie redeten, schliefen, aßen und arbeiteten mit wenig oder gar keiner Privatsphäre.

Wenn man also in dieser Zeit lebte, lebte man mit seinen Eltern, Geschwistern (ihren Kindern), Großeltern, Tieren und sogar Sklaven (auf Dänisch „Træl“ genannt) zusammen.

Das Wikinger Haus konnte bis zu 30-50 Personen beherbergen, was auch daran liegen könnte, dass diese Häuser sehr schwierig zu bauen waren, da sie viel Arbeitskraft erforderten.

Dies hat vielleicht zu einer besonders engen Bindung zwischen den Familienmitgliedern geführt oder sie sehr streitanfällig gemacht.

Dennoch hatte jeder seinen eigenen Zweck, und während sich die Frauen um den Haushalt kümmerten und Kräuter sammelten, wurden die Männer zur Jagd oder zum Fischen losgeschickt.

Was die Organisation anbelangt, so wurde das Haus entweder an den Seiten oder einschließlich des Korridors unterteilt.

Ein zentrales Feuer diente zum Kochen und Heizen, während es in jedem Zimmer oder Abschnitt auch einzelne Feuer gab.

Das Feuer in der Feuerstelle diente zum Beleuchten, Heizen und Kochen des Familienessens.

Wenn die Familie nicht gerade draußen arbeitete, versammelte sie sich um das Feuer, um zu reden, zu weben, Körbe zu flechten oder Geschichten zuzuhören.

Die Asche des Feuers wurde auch auf dem Boden des Gebäudes verstreut, um Feuchtigkeit und Geruch zu absorbieren.

Ein Teil des Hauses war in der Regel auch für die Tiere im Winter reserviert, wenn es keine getrennten Nebengebäude oder Ställe gab.

Wohlhabendere Bauernhöfe verfügten über Nebengebäude, die als Ställe für Tiere, als Lager für Getreide, Werkzeuge, Werkstätten oder als Schmiede für die Schmiedekunst dienten.

Wikinger Haus Möbel

Das Wikingerhaus hatte im Allgemeinen wenig bis gar keine Möbel und alle Gegenstände wurden von Hand gefertigt.

Die Wikinger stellten in der Regel alle Haushaltsgegenstände von Hand und aus in der Natur gefundenen Materialien her.

Einer der häufigsten Gegenstände im Haus der Wikinger war eine Aufbewahrungsbox, in der sie ihre wenigen Habseligkeiten aufbewahrten und die gleichzeitig als Stuhl diente.

Außerdem hatten sie auch Esstische, die zusammenklappbar waren, so dass sie jedes Mal, wenn eine Mahlzeit zubereitet wurde, herausgenommen werden konnten.

Alle Mahlzeiten wurden über dem zentralen Hausfeuer durch Kochen zubereitet. Gekochtes Fleisch wurde auch in Fässern mit saurer Molke (súrr) aufbewahrt, um es vor dem Verrotten zu bewahren.

Ein Bett war unüblich, und alle schliefen auf den Bänken an der Seite des Hauses, während das Bettzeug aus Tierhäuten, wie Schafsfell bestand und die Kissen mit Hühner- oder Entenfedern gefüllt waren.

Einige Historiker glauben sogar, dass die Wikinger keine Bänke benutzten, sondern wegen des begrenzten Platzes, mit dem Rücken an die Wand gelehnt schliefen.

Die meisten Langhäuser verfügten über eine Art Webstuhl zum Weben von Kleidung und Teppichen, während reiche Wikingerfamilien ihre Wände auch mit Wandteppichen und Schnitzereien schmückten.

Die Wikinger Männer bevorzugten Hosen und Tuniken, während die Frauen Trägerkleider trugen, die über der Unterwäsche lagen.

Gewöhnliche Wikingerkleidung wurde aus einheimischen Materialien, wie Wolle und Flachs hergestellt, die von den Frauen gewebt wurden, so dass sie wirklich alle lokalen Materialien nutzten.

Das Licht im Haus der Wikinger war zwar schwach, aber einige Rauchlöcher boten gerade genug Licht, um hineinzukommen und sie dienten dazu, den Rauch aus dem Haus zu leiten.

Es wird auch angenommen, dass die Wikinger einfache Lampen herstellten, indem sie Öl von Fischen, Robben oder Walen verwendeten, um zusätzliches Licht zu erzeugen.

Kerzen waren unüblich und wurden vor allem von Priestern in ihren Gottesdiensten verwendet, so dass die Wikinger Öl als Alternative vorzogen.

Baden und Körperpflege im Wikinger haus

Selbst wenn es im Wikingerhaus kein Badezimmer gab, gehörten die Wikinger zu den saubersten Menschen jener Zeit.

Der durchschnittliche Wikinger badete einmal pro Woche in einer Holzwanne oder am Bach.

Viele von ihnen besuchten auch heiße Quellen und nutzten sogar das „Backen“, um sich zu reinigen.

Das Backen ist eine bis heute umstrittene Reinigungsmethode, bei der sich die Wikinger neben ein Feuer setzten, um den Schmutz auszuschwitzen.

Dennoch ist die Tatsache, dass sie Badehäuser benutzten, wenn sie bewässert werden konnten, und natürliche heiße Quellen mehr als zutreffend.

Besonders beliebt war das Baden auch nach dem Essen, meist gegen Abend, und Wikinger kämmten ihr Haar normalerweise jeden Tag.

Die Pflege der Haare war in dieser Zeit sehr beliebt, und es gibt auch Hinweise auf Seife und Bleichmittel, die verwendet wurden, um das Haar schön zu halten.

Wie wichtig den Wikingern die Körperpflege war, beweisen auch die gefundenen Kämme, Pinzetten, Ohrstäbchen und Rasierklingen, die Archäologen ausgegraben haben.

Was die Toiletten betrifft, so wird allgemein angenommen, dass menschliche Exkremente in der Landwirtschaft als Düngemittel verwendet wurden.

Bei den Überresten einer Wikingersiedlung wurde jedoch eine einzelne Gebäudetoilette gefunden, die darauf hindeutet, dass tatsächlich Toiletten benutzt wurden.

Es ist jedoch nicht sicher, ob sie zu einem Wikingerhaus gehörten oder Teil eines öffentlichen Bades waren.

Gastfreundschaft im Wikingerhaus

Gastfreundschaft war in der Wikingerzeit sehr wichtig, denn man konnte nie wissen, wer vor der eigenen Haustür auftauchen würde.

Auch der mächtige Gott Odin soll häufig in der Menschenwelt unterwegs gewesen sein, so dass die alten Wikinger sogar mit seinem Besuch rechneten.

Es kam jedoch häufiger vor, dass Händler und Reisende auftauchten, und die Wikinger waren ihnen gegenüber sehr aufgeschlossen.

Nach Ansicht der alten Wikinger sollte ein Gast wie ein König behandelt werden, was auch in der poetischen Edda und im Havamal-Buch erwähnt wird.

Seid gegrüßt, ihr Geber, ein Gast ist gekommen;

Sag, wo soll er drinnen sitzen?

Viel bedrängt ist der, der gern am Herd

nach Wärme und Heil suchen möchte.

In demselben Buch wird auch darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass der Gast auch abreist, nachdem er eine Zeit lang untergebracht war.

Ein Gast muss sich wieder auf den Weg machen,

und nicht ewig am selben Ort bleiben;

wenn er zu lange auf der Bank eines anderen verweilt

wird der geliebte Mensch bald verhasst.

Das Havamal besagt auch, dass, egal wo man hingeht und wie das Haus sein mag, es im eigenen Heim immer noch am schönsten ist.

Das eigene Haus ist am besten, so klein es auch sein mag,

ein jeder ist Herr im eigenen Haus;

mit blutendem Herzen wird er betteln, der,

sein Fleisch bei jeder Mahlzeit erbetteln.

So furchterregend die Wikinger in den Geschichten und Sagen auch erscheinen mochten, sie boten den Reisenden dennoch einen sicheren und warmen Ort, an dem sie sich aufhalten konnten, und verwöhnten sie mit einer Mahlzeit, woraufhin sie sie höflich baten, ihr Wikingerhaus zu verlassen.

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